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    Sonntag, 23. Juli 2017 | 18:46

    Volker Hage: Letzte Tänze, erste Schritte

    03.02.2008

    Chronik des Übergangs

    Letzte Tänze, erste Schritte bietet einen ausgezeichneten Überblick über die Literaturgeschichte der vergangenen rund zehn Jahre. Von FRANK THOMAS GRUB

     

    Volker Hage zählt zweifellos zu den herausragenden Kritikerpersönlichkeiten des deutschsprachigen Feuilletons. In seinem jüngsten Buch Letzte Tänze, erste Schritte führt er überzeugend vor Augen, dass sich die deutsche Literatur der Gegenwart in einer interessanten Übergangsphase befindet: Während die noch immer wichtigen Vertreter der Gruppe 47 an ihren durchaus vitalen Alterswerken schreiben, betreten zahlreiche junge Autorinnen und Autoren das literarische Parkett und feiern Bestsellererfolge. Stellvertretend genannt seien Thomas Brussig und jüngst Daniel Kehlmann mit Die Vermessung der Welt oder auch Arno Geiger mit Es geht uns gut.

    Besondere Beachtung verdient vor allem der erste Teil von Hages Buch, eine „Kurze Geschichte der neuesten deutschen Literatur (1999–2007)“. Wesentliche Tendenzen, beispielsweise die Wiederkehr des Erzählens, finden hier ebenso Berücksichtung wie etwa die Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit oder dem 11. September in der Literatur. Hage analysiert und vergleicht, ohne die Autorinnen und Autoren gegeneinander auszuspielen. So steht Tanja Dückers als Vertreterin der Enkelgeneration gleichberechtigt neben den älteren, dabei recht unterschiedlichen „Chronisten“ Walter Kempowski und Alexander Kluge.

    Konsequent berücksichtigt Hage in seinen Betrachtungen Aspekte des Literaturbetriebs einschließlich deutscher und internationaler Literaturpreise – allen voran die Nobelpreise für Günter Grass und Elfriede Jelinek. Am Beispiel des Deutschen Buchpreises für Katharina Hacker thematisiert er den Stellenwert solcher Auszeichnungen: „Einen vergleichbaren Sprung nach oben in den Verkaufszahlen konnten zuvor allenfalls Marcel Reich-Ranicki oder Elke Heidenreich mit ihren TV-Literatursendungen bewirken.“ Hage interessieren also auch Fragen des Marktes und der literarischen „Handelsbilanz“, also der Zahl der Übersetzungen aus anderen Sprachen und die der Lizenzvergaben ins Ausland.

    Überblick über die Literatur der vergangenen Jahre

    Da es im ersten Teil vor allem um text- und autorenübergreifende Entwicklungen und Debatten wie die von W. G. Sebald ausgelöste Diskussion über Literatur und Luftkrieg geht, können zahlreiche Schriftstellernamen und Buchtitel oft nur gestreift werden. Insofern sind die exemplarischen Rezensionen ausgewählter Texte, die den zweiten Teil bilden, eine willkommene Ergänzung. Ein Gespräch mit Judith Kuckart, Clemens Meyer und Ilija Trojanow unter dem Titel „Unsicherheit als Motor“ rundet den lesenswerten Band ab. In allen drei Teilen wird erfreulicherweise nicht zuletzt deutlich, wie viel Literatur mit Leben zu tun hat und welchen gesellschaftlichen Stellenwert Literatur zumindest haben kann.

    Letzte Tänze, erste Schritte bietet einen ausgezeichneten Überblick über die Literaturgeschichte der vergangenen rund zehn Jahre. Dabei ist sich Hage der Problematik seiner Position bewusst: „Weder Bestsellererfolg noch große öffentliche Beachtung zu Lebzeiten sind eine Garantie, dass etwas bleibt. Und nicht selten wurde das zukünftig Strahlende zunächst überhaupt nicht oder nur von wenigen wahrgenommen. Aber eine Regel ist das nicht, und umgekehrt lässt sich auch keine daraus machen: Nicht alles, was uns heute wichtig und bedeutsam erscheint, muss deswegen morgen vergessen sein“, stellt der Kritiker am Ende des Chronik-Teils fest.

     

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