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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:31

     

    Klaus Theweleit: friendly fire

    07.06.2006

     
    Unter Beschuss

    Another side of Möricke, Melies, Chomsky, Barks, Benn, Krieg und Frieden und natürlich auch Dylan.

     

    Der militärische Terminus “Freundliches Feuer” ist ein doppeldeutiger. Er meint den gewollten oder versehentlichen Beschuß der eigenen Linien, der eigenen Leute. Auch Klaus Theweleit muß unter dem freundlichen Beschuß von Redakteuren, die ihm zwecks Termineinhaltung der angeforderten Texte die Pistole auf die Brust setzten, gestanden haben. Seine Arbeiten werden zu Deadline Texten. Diese ehemaligen Auftragsarbeiten, manche leicht verändert, andere im Orginal, wurden weg von der toten Linie der Abgabe in einem Band wiederbelebt.

    Die Cover-Innenseiten mit den Fotos zweier Inszenierungen von Rebecca Horn nehmen das Thema des “friendly fire” auf, Theweleit spinnt es inhaltlich weiter. Und Querschlägerngleich, taucht es von allen Seiten wieder auf. So nimmt er Schießende wie auch Beschossene, bspw. diejenigen, die selbst unter sog. freundlichem Feuer standen, wie etwa der sich in der Zeit irrende Kunsthistoriker Dilly oder die heute unter dem Mäntelchen der Distanzierung höchst selbst auf die raf schießende Linke, aufs Korn.

    Wie ein Säbelzahntiger schleicht sich Theweleit durch die Seele der Gesellschaft, die wir Kultur nennen und pflückt ihre Künste auseinander. Musiken, Literaturen, Kameras, Spirituelles, Stifte und Pinsel, Spirituelles, Politics werden ohne Rücksicht auf ein “e” oder “u” aufgerührt und mit einem Schluck selbst aufgesetztem Selbstkritischen abgemischt.
    Einige tun sich schwer, Theweleits Texte einzuordnen. Essays,Theorie-Roman oder kritischer Prosagesang? Dem Verursacher ist es schnurz. Der Auflösung fester Schreibformen hat sich der bekennende Dylanologe schon seit der Herausgabe der Männerphantasien verschrieben. Der assoziative Stil lädt zum Essay-hopping ein. Die Lust der weitgreifenden Gedankensprünge findet sich in der Frage zur Selbstverständlichkeit politischer Zuordnungsvorgänge am Beispiel der Kunst des Blalla W. Hallmans, wird in einem Interview mit Noam Chomsky fortgesetzt, verdichtet sich in einer Abfassung über Filmkritik und lichtet sich wieder in einer freien Montage zur Friedenspolitik unter Schröder.

    Gern widmet er sich denen, die einen Hang zur Mehrdeutigkeit mitbringen, die sich ebenfalls festen F/Normen verweigern, wie auch Dylan oder Godard. Kratzt sich bei Bildern durch die krustigen Lackschichten der Rezeption. Legt Fotos frei und gesellschaftliche Meinungen bloß. Pinselt über und reißt ein.

    Diese sehr persönliche Form der sozio-kulturelle Demontage gefällt nicht allen, aber Theweleit, der schon als Dreijähriger auf der Flucht aus Pommern durch freundliche Beschallung mittels Gesang auffiel, bleibt gelassen. Fehler bzw. Unsinn, die, wie er selbstkritisch im Abspann notiert “im Normalfall jedes ordentlichen Buches so um 5 %”ausmachen, sind in den von ihm befeuerten kulturellen Fantasien wahrscheinlich auch auszumachen. Ärgern werden sich nur Fachbuch-Fetischisten. Der Säbelzahn schreibt eben eine eigene Handschrift, hat jedoch noch genug Selbstreflexe im Feuer, um nicht zum Thewelight zu werden.

    Maggie Thieme


    Klaus Theweleit: friendly fire, deadline Texte,
    Stroemfeld, 2005,
    433 Seiten,
    ISBN: 87877-940-2,
    19,80 EUR

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


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