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    Samstag, 27. Mai 2017 | 19:28

    Ulrich Mannes: Alpenglühn 2011

    19.11.2012

    Unter´s Dirndl geschaut

    Der Filmkenner Ulrich Mannes beleuchtet anhand des Schaffens des umtriebigen Regisseurs Siggi Götz die unterbelichtete Lederhosenfilm-Landschaft der Siebziger Jahre. CHRISTIAN NEUBERT kennt koa Sünd und hat sich den spleenigen Stoff vorgenommen.

     

    Es gab mal eine Zeit – Historiker sprechen wenig mystifizierend von den Achtzigern und Neunzigern –, da lagen sämtliche Abgründe menschlicher Sexualität in detaillierter Großaufnahme nicht nur ein, zwei Mausklicks entfernt, sondern für die meisten von uns schlicht außerhalb des Erfahrungshorizonts. In jener Zeit saßen spätpupertäre Buben freitags zu späterer Stunde gern vor dem Fernseher. Immerhin gewährte ihnen zu diesem Termin das Privatfernsehen hin und wieder den Blick auf eine blanke Frauenbrust. Oder, der Gipfel des Lustgewinns, eine unverhüllte (zumindest nicht von Textilien bedeckte) weibliche Scham. Mit etwas Glück mehrere Sekunden lang.

     

    Die Filme, die seinerzeit, als sie im Privatfernsehen probate Wichsvorlagen abgaben, eine zweite Renaissance erlebten, tragen Titel wie Liebesgrüße aus der Lederhos´n, Der Kurpfuscher und seine fixen Töchter, Ach jodel mir noch einen oder Laß jucken, Kumpel, die mehr oder weniger direkt auf das Setting der Handlung(?!) verweisen. Gedreht wurden sie in den Siebziger Jahren, nachdem der sogenannte Aufklärungsfilm diesen billig produzierten Streifen Tür und Tor geöffnet und ein Millionenpublikum beschert hat.

     

    Und Action!

    Ein Pionier dieser Softsexklamotten ist der damalige Spielfilm-Debütand Siegfried Rothemund. Als Anhänger europäischer Regiegrößen wie Chabrol und Truffaut war es ihm Wunsch und Absicht, anspruchsvolles Kino auf seine Fahnen zu schreiben. Zunächst einmal nahm der heute noch aktive und stets erfolgreiche Filmemacher jedoch unter dem Pseudonym Siggi Götz zig Regieaufträge an, die das Profit versprechende Genre des Lederhosenfilms bedienten. Zu seiner Filmografie zählen Hits wie Geh, zieh dein Dirndl aus, Alpenglühn im Dirndlrock – und, etwas später, als die halbverhüllte Erotikkomödie bereits out war, Piratensender Powerplay und Die Einsteiger.

     

     

    Ulrich Mannes, freier Autor und als Filmvorführer und Kurzfilmregisseur natürlich auch Filmkenner, zeichnet in Alpenglühn 2011 den Werdegang von Siggi Götz nach und erörtert dabei wie im Nebenher allerlei Wissenswertes oder Belangloses, je nach persönlichem Standpunkt, über die Blütezeit des deutschen Erotikkinos. Damit seine Schrift nicht zur bloßen Aufzählung von Daten und Fakten verkommt, trägt er sein profundes Wissen in der Form eines fiktiven Dialoges vor.

     

    Herrlich Harmlos-Sündiges

    Das nachgezeichnete Gespräch zwischen Autor Erich Lusmann und seiner Nachbarin Roswita Neumann, das nie stattgefunden hat, ist allerbeste Zug-, Klo- und Einschlaflektüre. Es weiß mit allerlei kuriosem Detailwissen zu unterhalten und zu verwundern und hinterlässt definitiv mehr Smalltalk-Redestoff als die Unnützes Wissen-Rubrik der aktuellen Neon.

     

    Dieses Büchlein aus der Filit-Reihe des Verbrecher Verlags kann man all jenen empfehlen, die den abwegigen Charme der Lederhosenfilme erkennen und vielleicht sogar vermissen, ein skurriles Geschenk für Filmliebhaber suchen, denen man wenigstens einmal keine DVD auf den Gabentisch legen möchte, oder auch jenen, die das deutsche Erotikkino zum Sujet einer wissenschaftlichen Abhandlung machen wollen. Allen anderen eigentlich auch.

     

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