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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 09:43

    Bernd Brunner: Die Kunst des Liegens

    26.10.2012

    Hype des Horizontalen

    Von Mätressen und Matratzen, Schaukelstühlen und Schlafgemächern, Hängematten und Power-Napping berichtet Bernd Brunner in seinem amüsanten kulturhistorischen Abriss über Die Kunst des Liegens. Selbstredend empfiehlt sich die Lektüre in waagrechter Position. Von INGEBORG JAISER

     

    Michelangelo malte rücklings liegend die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle. Marcel Proust vollendete in seinem Bett das Mammutwerk À la recherche du temps perdu. Heinrich Heine brachte in der »Matratzengruft« sein gesamtes literarisches Spätwerk hervor. Frank Goosen landete mit seinem Roman Liegen Lernen einen Bestseller. Und Albert Einstein, der täglich 14 Stunden schlief, begründete sein wissenschaftliches Schaffen angeblich auf einen nächtlichen Traum. Wer würde da dem Akt des Liegens die gebührende Bedeutsamkeit absprechen?

     

    Ein Drittel unseres Lebens

    Trotzdem steht die horizontale Position in schlechtem Ruf, verbindet man doch Stillstand, Passivität und Phlegma mit ihr. »Das Liegen gilt als Ausdruck der Faulheit, als Zeichen der Ohnmacht vor einer Welt in enormer Veränderung.« In einer Zeit der umtriebigen Hektik, der atemlosen Ortswechsel wird dem Liegenden Schwäche, Lustlosigkeit und Untätigkeit zugeschrieben. Als John Lennon und Yoko Ono vor über 40 Jahren eine geschlagene Woche im Bett zubrachten, um gegen den Vietnamkrieg zu protestierten, war dieses »Bed-in« eine geradezu revolutionäre Tat.

     

    Dabei verbringen wir ohnehin ein Drittel unseres Lebens liegend. Die Waagrechte verspricht Entspannung und Kontemplation, führt zu einer besseren Durchblutung des Gehirns und einer Entlastung des Körpers. Bedürfen nicht die Vorteile der horizontalen Lage dringend einer gesellschaftlichen, medizinischen und soziologischen Rehabilitation? Der Kulturhistoriker Bernd Brunner, der bereits unterhaltsame und populäre Sachbücher zum Beispiel über Die Erfindung des Weihnachtsbaums oder die Faszination des Mondes geschrieben hat, legt nun ein amüsantes Handbuch der horizontalen Lebensform vor: gleichermaßen klug, inspirierend und vielseitig. 

     

    West-östlicher Diwan

    Die Kunst des Liegens birgt unzählige Facetten: von der Grammatik der horizontalen Orientierung bis zum Liegen in der Natur, von der Genese der Matratze bis zu medizinischen Fehlstudien, vom horizontalen Arbeitsplatz bis zum chic gewordenen »Couchsurfing«. Mit Leichtigkeit vernetzt der Autor Interdisziplinäres, koppelt Sachwissen mit Witz und skurrilen Anekdoten. Wussten Sie, dass 39 mögliche Schlafpositionen untersucht worden sind? Dass orientalische Einwirkungen nachhaltig unsere Ruhemöbel oder gar das moderne Lounging beeinflusst haben? Dass Wohnraummangel während der industriellen Revolution zum stundenweisen Untervermieten von Betten geführt hat? Dass nicht nur Ingeborg Bachmann Opfer des Rauchens im Bett wurde, sondern auch die britische Autorin Edith Wharton eine unangenehm Erfahrung machen musste: während sie ihren 80. Geburtstag im Bett feierte, ging eine kerzenbestückte Torte in Flammen auf.

     

    Die Kunst des Liegens ist das beeindruckende Ergebnis unermüdlichen Sammelns und Recherchierens. Kuriose Geschichten und historische Randbemerkungen werden durch obskure Fundstücke illustriert: altertümliche Radierungen, wissenschaftliches Fotomaterial und unglaubliche Patentnachweise unterstreichen eindeutig den Unterhaltungswert dieses vergnüglichen, kurzweiligen und gescheiten Handbuches. Selbstredend empfiehlt sich die Lektüre in liegender Position. Denn schon Groucho Marx meinte: »Was man nicht im Bett tun kann, ist es nicht wert, getan zu werden.«

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