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    Krämer / Kaehlbrandt: Lexikon der schönen Wörter

    14.09.2012

    Reiner Himmelsrauch

    Walter Krämer und Roland Kaehlbrandt widmen der deutschen Sprache eine Huldigung im Lexikon der schönen Wörter. Von JENNIFER WARZECHA 

     

    »Deutsche Sprache, schwere Sprache« ist ein Spruch, den manch einer gerne nutzt, der bei der wiederholt falsch gebeugten Verbform leicht aufstöhnt und sich windet. Ist er oder war er wirklich gewesen? Oder hat er gewesen zu sein? Wie dem auch sei. Walter Krämer und Roland Kaehlbrandt geben der deutschen Sprache »eine charmante Liebeserklärung«, wie es auf dem Buchdeckel ihres im Piper-Verlag erschienenen Lexikon der schönen Wörter heißt.

     

    Walter Krämer ist eigentlich Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der Universität Dortmund. Was erst einmal nüchtern klingt, täuscht: Krämer ist nicht so sachlich, wenn es um den Erhalt und den Umgang mit der deutschen Sprache geht. 1997 gründete er zusammen mit sechs weiteren »Rettern der Sprache« den Verein zur Wahrung der deutschen Sprache. Erklärtes Ziel: Verdrängung der Anglizismen aus der Dichtersprache Goethe und Schillers. Der Verband verzeichnet inzwischen 35.000 Mitglieder. Er wirbt in einer globalisierten, mit vielen Sprachen durchsetzten Welt, mit entsprechenden Buchprojekten und Veranstaltungen um eine verstärkte Wahrnehmung der deutschen Sprache. Und auch im »Lexikon der schönen Wörter« zeigt sich die Liebe zur eigenen Sprache schon im Untertitel Von anschmiegen bis zeitvergessen

     

    Reise durch die Sprache

    Zitiert wird bereits auf Seite 9 Johann Wolfgang von Goethe, Etymologie, persönlich: »Die Sprache bleibt ein reiner Himmelsrauch. Empfunden nur von stillen Erdensöhnen«. Malerisch galant geht die Reise weiter zu Heinrich von Kleists Die Marquise von O…: »Er soll dir abbitten, fuhr Frau von G… fort«. Was bedeutet das Wort 'Abbitte' und in welchem Kontext wird es heute verwendet? Im 19. Jahrhundert hatte das Wort die Bedeutung einer in aller Öffentlichkeit zu leistenden Entschuldigung. Heute erwartete Uli Hoeneß den Autoren zu Folge eine Abbitte der Medien, also eine Korrektur ihrer Berichterstattung, »weil sie Sosa, der im Sommer 2007 für 10 Mio. Euro nach München kam, in der Vergangenheit so verkannt hätten (Die Welt).«

     

    In alphabetischer Reihenfolge geht die Reise durch die Sprache weiter. Der Leser unternimmt nicht nur Ausflüge in die Literatur und die geschichtlichen Ursprünge der deutschen Sprache. Die Autoren weisen auf den Gebrauch älterer deutscher Wörter in Zeitungen wie der Süddeutschen Zeitung hin. Oder wussten Sie, dass »allenthalben die Vertreter bayerischer Kommunen« beklagen, »sie hätten keine Handhabe gegen die boomenden Raucherclubs«? Keine Frage ist, dass das Wort ›allenthalben‹ in diesem Zusammenhang ein überflüssiges Füllwort ist. Genauso ist es eines der Wörter, »die man als Ausländer als Letztes lernt«. Selbst in der Sprachwahl des deutschen Grundgesetzes sind bisher verborgen gebliebene Schätze der deutschen Sprache zu finden. So »bedürfen« »private Schulen als Ersatz für öffentliche Schulen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen« (Artikel 7). Die Autoren loben »eine fast schon gesetzesgleiche Autorität: So ist es, so war es und so wird es immer sein« – wie die auf längere Zeit hin bestehende Gültigkeit des Grundgesetzes eben.

     

    So ist das Lexikon der schönen Wörter nicht nur ein Lexikon im Sinne dessen, des Ursprungs der Bestandteile der deutschen Sprache und deren Bedeutung nachzugehen und ihre Entwicklung zu beobachten und zu dokumentieren. Es ist vor allem ein Schatz im Alltagsgebrauch bereits vergessener Wörter, die sich so nur noch in der Literatur auffinden lassen. Damit ist es ein würdiger Nachfolger des 2009 erschienenen Plastikdeutsch. Ein Lexikon der Sprachverwirrungen des Autorenteams Krämer und Kaehlbrandt. Bereits damals begehrten beide auf gegen die »prominentesten Sprachverirrungen, die uns täglich begegnen«. 

     

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