• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 19:29

    Beate Giacovelli: 111 Gründe, Italien zu lieben

    20.07.2012

    addio »brutta figura«

    Wenn Sie immer noch nicht wissen sollten, wohin Sie Ihr Sommerurlaub führt, kommt hier ein Tipp: Italien, das Land voller Kultur, blauem Meer, großartiger Landschaft und guter Küche. Keine wirklich neue Idee, dafür liefert die gebürtige Österreicherin Beate Giacovelli gleich 111 Gründe, Italien zu lieben. Ihre Liebeserklärung an die Kunst zu leben macht Lust auf Urlaub, wenn nicht sogar mehr. Von JULIA MÜLLER

     

    Den endgültigen Sprung aus ihrem Heimatland ins quirlige Italien – Beate Giacovelli hat ihn gewagt. Und da sie nicht nur in Mailand lebt, sondern zudem mit einem Süditaliener verheiratet ist, kennt sie das Land wie ihre eigene Westentasche und könnte tausend Gründe anführen, warum Italien so schön ist. Klar, dass gängige Italienklischees da nicht fehlen dürfen, aber das nimmt man dem Buch nicht übel. Ihre 111 ganz persönlichen Gründe schildert Giacovelli in witzigen Anekdoten und Italienneulingen erspart ihr Buch das Schlimmste, was einem in diesem Land widerfahren kann: eine »brutta figura« zu machen. Diese schlechte Figur ist in Italien keineswegs auf Kleidung oder Aussehen begrenzt, sondern auf das gesamte menschliche Miteinander bezogen, wie die Autorin zeigt.

     

    Beate Giacovelli
alle Fotos: Andrea Badoni Beate Giacovelli
    alle Fotos: Andrea Badoni

    Italienischer Alltag

    Der Auftakt des Buchs ist gelungen. Mitten hinein ins italienische Geschehen katapultiert sie den Leser direkt im ersten Kapitel, auf die italienische Piazza, Herzstück einer jeden Ortschaft. Die Autorin beschreibt charmant, wie anders italienische Plätze im Vergleich zu funktionellen deutschen Innenstadtplätzen sind. »Jede italienische Stadt, jedes Dorf, jedes Viertel hat mindestens eine dieser Freilichtbühnen, auf der Einheimische täglich la vita all’italiana, Leben auf Italienisch, aufführen.« Auf italienischen Plätzen spielt sich sozusagen die ganze Bandbreite des Lebens in Kleinformat ab.

     

    »Sie wussten zu leben: frönten opulenten Festgelagen, schlürften im Liegen Wein aus silbernen Pokalen, tafelten reichlich Hase, Fisch, Ochse oder Vögel – bedient und umhätschelt von Unmengen an Sklaven. Die Etrusker gelten als rätselhaftestes Volk der abendländischen Kultur, das lange vor den Römern italienischen Boden beherrschte.« Klar also, dass Geschichte – nicht nur in Form von Bauwerken und archäologischen Funden – in Italien allgegenwärtig ist. Giacovelli zeigt, dass auch bestimmte Verhaltensweisen in der Genetik der Italiener fest verankert zu sein scheinen: Der Hang zum dolce vita hat die Italiener seit Jahrtausenden fest im Griff. Und auch unbekannte touristische Tipps liefert die Autorin. So dürfen sich Urlauber am Gardasee ganz sicher fühlen, sind doch dort Rettungshunde im Einsatz, um Ertrinkende aus den Fluten zu ziehen. Und Venedig, so einer ihrer 111 Tipps, lasse sich auch per Kajak erkunden.

     

    Die Autorin hat sich Schützenhilfe von anderen Italophilen geholt, die wie sie nicht nur das Land lieben, sondern auch ausgewandert sind. Die deutsche Vivian Saskia Wittmer ist dabei in eine traditionelle Männerdomäne vorgedrungen, und das in der geschlossenen Florentiner Gesellschaft: Sie betreibt als Schuhmachermeisterin ihre eigene Werkstatt und fertigt Schuhe nach Maß an. Und sie weiß zu berichten, dass nach Florenz zu ziehen nicht einfach sei, zu bleiben hingegen schon. Entschädigt wird die Schuhmachermeisterin in Florenz aber hiermit: »Morgens um 7.30 Uhr am Arno entlang zur Arbeit, in meine Werkstatt spazieren. In meiner kleinen Stammbar hinter der Ponte Vecchio Espresso trinken, dazu ofenwarme brioche und ein fröhliches Buongiorno Saskia!« 

     

     

    Gelassenheit leben

    Katharina John, Bühnenbildnerin, Fotografin und Ehefrau des Schauspielers Ulrich Tukur, lebt seit 1999 in Venedig. Ihr Tipp fürs schnelle Heimischwerden und Ankommen: Reden, reden und nochmals reden. Denn nichts ist Italienern suspekter als schweigsame Eigenbrötler. Das gilt nicht nur auf der Piazza, sondern vor allem am Strand, wo fröhlich zusammen gegessen, sich gesonnt, keinesfalls aber im Meer geschwommen wird. Dabei spart Katharina John nicht mit Kritik an der Wahlheimat, sie stört vor allem: »Unfaßbare Bürokratie. Unzuverlässigkeit. Dieses ewige Provisorium.« Da hilft nur eine ordentliche Portion Gelassenheit.

     

    Beate Giacovellis Tipps machen definitiv Lust, Italien zu entdecken und seine Bewohner kennenzulernen. Ihr Buch ist als Reiseanleitung bestens zu gebrauchen, vor allem für Italienneulinge, die Missverständnissen und Stolpersteinen im Alltag gerne aus dem Weg gehen möchten. Dabei rät die Autorin vor allem zur Gelassenheit und auch dazu, mal Fünfe gerade sein zu lassen. Eine wirklich tiefergehende Analyse der italienischen Gegebenheiten liefert die Autorin nicht – was freilich auch gar nicht ihr Ziel war. 

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

    Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

    Die böse Schlange
    und das weiße Kaninchen

    In diesem Land stimmt etwas nicht. Der Feminismus nämlich. Schwach steht er da, der Wind pfeift durch die Löcher seines theoretischen Unterbaus. Ähnlich steht es mit den Frauen. ...

    Seitenhiebe

    Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter