Nach der »Zündung in Memphis« erlischt die Flamme
Gerne folgt man Hofacker auch vom ersten Plattenmillionär, Enrico Caruso, in die frühen Tage des Jazz, Blues und Folk, zu Satchmo und Duke, Robert Johnson, Hank Williams oder Jimmie Rodgers. Auch wenn man in diesem Bereich schon belesen ist, legt man das Buch (noch) nicht aus der Hand, vor allem da immer die jeweiligen kulturellen Entwicklungen mit ins Geschehen einbezogen werden. Auch der flüssige Schreibstil des Musikjournalisten, der unter anderem für Rolling Stone und Musikexpress tätig war, trägt zum Lesespaß bei.
Ausführungen zum ersten professionellen Plattenstudio der Welt, zur Elektrifizierung der Gitarre oder zu den ersten Streiks im Musik-Business – all das verschlingt man mit Genuss. Nur – und das ist der einzige Makel an diesem Buch – hätte vielleicht wirklich bei Elvis und der »Zündung in Memphis« Schluss sein sollen. Denn die Art und Weise, wie auf den letzten 50 der 410 Buchseiten (Zeittafel und Register nicht mitgerechnet) etwa ebenso viele Jahre Pop abgehandelt werden, ist schlicht überflüssig. Der Auto scheint dabei auch nicht mehr voll bei der Sache gewesen zu sein. Die Tatsache, dass es mit Edison bis Elvis nicht genug war, ist vermutlich redaktionellen Entscheidungen geschuldet. Von Elvis bis Eminem kennt jedoch leider jeder Leser, der ein solches Buch in die Hand nimmt, die Geschichte – zumindest in der hier durchgezogenen Schmalspurversion. Weiteres Manko, wenn man zwingend bis ins Jetzt erzählen will: In dem Moment, in dem man die Finger von der Tastatur nimmt, hat sich schon wieder was Neues getan. So etwa der Siegeszug diverser legaler Streaming-Angebote, der in den letzten Wochen in Deutschland erst richtig begonnen hat. Und das von Edison eingeleitete Zeitalter des Tonträgers seinem Ende entscheidend näher bringen wird. Das Buch lohnt die Anschaffung dennoch.