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    Brian Clegg: Warum Tee im Flugzeug nicht schmeckt und Wolken nicht vom Himmel fallen

    13.04.2012

    Runde Regenbögen und Tomatensaft

    Flugreisen sind alltäglich für uns geworden – und dennoch versteht kaum ein Passagier die damit verbundenen physikalischen Phänomene. Fragen wir uns nicht manchmal, Warum Tee im Flugzeug nicht schmeckt und Wolken nicht vom Himmel fallen? Der Wissenschaftsautor Brian Clegg sorgt für vergnügliche und fundierte Erklärungen.

    Von INGEBORG JAISER

     

    Flug Nr. X3 2168 von Stuttgart nach Las Palmas. Reihe 19A, Fensterplatz. Um mich herum erwartungsfrohe Reisende, in meinem Handgepäck das neueste Buch von Brian Clegg, einem der brillantesten Wissenschaftsautoren Großbritanniens und – wie der Klappentext vollmundig verspricht – »der ultimative Flugbegleiter«. Warum Tee im Flugzeug nicht schmeckt und Wolken nicht vom Himmel fallen wartet mit einer gelungenen Mischung aus Edutainment, Insiderwissen und Anleitung zu abgedrehten Versuchen auf, die glatt aus der Sendung mit der Maus stammen könnten. Sicherheitshalber wird gleich zu Beginn des Buches ein Warnhinweis geschaltet: »Der Verlag übernimmt keine Haftung für irgendwelche Schäden, Verletzungen oder Verluste, die durch in diesem Buch enthaltene Experimente (…) entstehen können.«

     

    Über den Wolken

    Glücklicherweise leide ich nicht unter Flugangst. Wäre auch unnötig, denn die Gefahr eines Autounfalls ist 12 mal größer als die, im Flugzeug zu verunglücken. Zudem ist es wahrscheinlicher, an einem normalen Tag im Büro einen tödlichen Unfall zu haben als auf einem Langstreckenflug. Derart eingelullt, lehne ich mich entspannt zurück. Wieso zwischen dem Start zweier Flugzeuge einige Minuten Abstand liegen müssen und weshalb einem beim Abheben die Newton´schen Gesetze in den Sitz drücken, erfahre ich ganz nebenbei von Brian Clegg. Dann befinden wir uns auch schon in der Luft. Eine gewaltige Leistung für eine Maschine mit 175 Tonnen.

     

    Doch eh wir die maximale Flughöhe von 11 Kilometern erreichen, lohnt ein Blick aus dem Kabinenfenster auf die Erdoberfläche. Meine erbauliche Fluglektüre klärt auf über die Geheimnisse der Kornkreise, die Kunstwerke der Nazca-Ebene und das Gezeitenspiel. Wer hat da noch Zeit für Experimente zur Küstenberechnung oder zu selbststrukturierenden Systemen? Schon durchstößt das Flugzeug die Wolkendecke – und ich lasse Brian Clegg über die Unterschiede von Culumonimbus- zu Cirrostratuswolken referieren.

     

    Vergnüglich und kurzweilig

    Dong, dong. Ein akustisches Signal gibt uns zu verstehen, dass mit Erreichen der Flughöhe die Anschnallpflicht erlischt. Dass sich die gefürchtete Thrombose bei Langstreckenflügen durch kleine Spaziergänge verhindern lässt, weiß inzwischen jedes Kind. Doch halt: der Servierwagen schränkt unseren Aktionsradius schnell ein. Ausreichend Flüssigkeit schützt vor Dehydrierung – doch wieso wählen so viele Fluggäste Tomatensaft und so wenige Tee? Der niedrige Luftdruck in der Maschine lässt die Geschmacksschwelle steigen (und verlangt so nach mehr Würze, weshalb der Tomatensaft gerne mit Pfeffer und Salz serviert wird). Gleichzeitig kann Wasser höchstens auf 90 Grad erhitzt werden, was Teeliebhaber, die nach kochendem Wasser verlangen, in ihre Schranken weist.

     

    Mit Brian Clegg als Reisebegleiter vergeht die Zeit wie im Fluge. Er macht uns mit Conrad Röntgen, John Constable und Erasmus Bartholin bekannt, stellt die Relativitätstheorie, den Jetlag und die Zentrifugalkraft vor, erklärt wie GPS oder Vakuumtoiletten oder ein Faraday´scher Käfig funktionieren. Und noch viel mehr. Könnten Flüge als Jungbrunnen gelten? Warum fallen Wolken nicht vom Himmel? Wieso erscheint ein Regenbogen vom Flugzeug aus gesehen rund?

     

    Viel zu schnell befinden wir uns wieder im Landeanflug. Warum Tee im Flugzeug nicht schmeckt und Wolken nicht vom Himmel fallen ist eine höchst vergnügliche, kurzweilige Lektüre für alle Wissensdurstigen, Hobbyphysiker und Naturwissenschaftler im Geiste. Brian Cleggs Radio- und TV-Beiträge sind bereits legendär. Mit seinem neuen Buch bewegt er sich gravitätisch durch die Galaxien der gehobenen Reiseliteratur.

     

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