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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 13:08

    Juan Moreno / Mirco Taliercio: Teufelsköche

    10.02.2012

    Kochen rund um den Globus

    In Teufelsköche. An den heißesten Herden der Welt erzählen Juan Moreno und Mirco Taliercio, wie sie um die Welt gereist sind und ihre Nasen in die Kochtöpfe gesteckt haben. MIKE MARKART ist begeistert.

     

    Köche kannte man, bis Anfang des neuen Jahrtausends Jamie Oliver auftauchte, als meist wohlbeleibte nette, aber furchtbar langweilige Typen. Relikte aus der Zeit unserer Eltern, mit denen wir nichts zu tun haben wollten.

     

    Die wohltuende Neudefinition von Kochen führte aber relativ schnell in eine Sackgasse, in welche immer mehr wehrlose Köche von quotengierigen Sendern hineingeschickt werden, um letztendlich mit vollem Karacho gegen die Wand zu fahren. Gegenwärtig hat man beim Zappen das Gefühl, dass jede zweite Sendung eine Kochsendung ist. Aber fast alle wirken »gefaked«, austauschbar und einschläfernd. Sind mit dümmlichen Kommentaren versehen wie »Das perfekte Dinner« oder werden von deplatzierten Moderatoren begleitet, was mindestens genauso schlimm ist. 

     

    »Esst die Verpackung, sie ist gesünder«

    Mit den abgenutzten Kochfiguren des deutschen Fernsehens (und des österreichischen mit den Nervensägen Andi und Alex) gibt sich Juan Moreno zum Glück nicht ab. Als einziger in unseren Breiten bekannter »Fernsehkoch« schaffte es Vincent Klink ins Kompendium der Teufelsköche. Mit Recht, schließlich stammen von ihm nicht nur großartige Gerichte, sondern der nicht minder großartige Satz: »Esst nicht die Cornflakes, esst die Verpackung, sie ist gesünder.«

     

    Viele der Köche, die an den heißesten Herden der Welt kochen, haben aber weder einen typischen Arbeitsplatz, noch liest sich ihre Biografie so, wie man es von einem Koch erwarten würde. »Ohne Mampf kein Kampf«, sagt  der 54jährige Wam Kat, der seit 30 Jahren auf jeder großen, linken Demo für eine bessere Welt kocht.  Jeder der 17 Teufelsköche kommt ausführlich zu Wort, verewigt sich in dem Buch aber auch mit einem Rezept. Das liest sich bei Demo-Koch Wam Kat so: »Sitzblockade. Kartoffelpüree mit Endiviensalat, Lauch-Zwiebel-Sauce & grünem Salat. Zutaten: für 100 Personen.«

     

    Otonde Odera, Leibkoch Idi Amins, versichert »In unserem Kühlschrank war nie Menschenfleisch«. Nihad Mameledzija, ehemaliger Elitekämpfer aus Bosnien findet: »Kochen war immer was für Frauen. Für Schwuchteln«. »Schau mich an, ich bin ein Drogendealer«, gesteht der Amsterdamer Koch Rashid, der mit harten Drogen kocht.

     

    Bergidylle und Müllhalde

    Das Buch lebt auch von diesen markigen, provokanten Sprüchen der Köche. Aber vielmehr noch von den intensiv recherchierten, wohlbedacht geschriebenen Biografien der Protagonisten. Ottavia Fasser, eine bescheidene, leise 73jährige Frau, zieht nachdenklich Bilanz ihres Lebens innerhalb einer Bergidylle in Graubünden, die sehr viel Einsamkeit, Traurigkeit und einen verstellten Blick auf das gesamte Zusammenspiel der Welt hinterlässt.

     

    Der Weg in eine gegenteilige Welt führt über eine Müllhalde in Nairobi, groß wie 50 Fußballfelder. Plastik in allen Farben. Millionen Plastiksäcke, Kunststoffverpackungen, Becher, Zahnbürsten. Und Gestank. Auf dieser Müllhalde hat Faith Muthoni einen Holzverschlag errichtet, diesen mit Planen überzogen. Das ist ihr Restaurant. »2000, vielleicht 3000 Menschen arbeiten auf der Deponie. Sie filzen die 50 Fußballfelder, sammeln ein, was Nairobi wegwirft. Die untersten 3000 der Stadt – und Faith Muthoni ist ihre Köchin.« Sie kocht Reis, Bohnen, Maismehl. Wenn sie im Müll etwas Gemüse findet, kocht sie alten Kohl, Zwiebeln oder Lauch mit ein. 20 Cent kostet eine Portion, serviert auf Plastiktellern, die sie aus dem Müll gezogen hat.

     

    Juan Moreno hat die Biografien von 17 sehr unterschiedlichen Köchen festgeschrieben. Mirco Taliercio liefert eindrucksvolle Fotos dazu. Das Resultat ist spannend und unberechenbar.

     

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