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    Dienstag, 25. April 2017 | 14:26

    Thomas Jeier: Die ersten Amerikaner

    04.11.2011

    Fernab der Cowboy- und Indianerromantik

    Thomas Jeier räumt in Die ersten Amerikaner. Eine Geschichte der Indianer mit der Legende vom edlen Wilden auf. Die indigene Bevölkerung war ebenso von Brutalität und Rohheit geprägt, wie der Expansionsdrang der Kolonisten keine Grenzen kannte. Von SVENJA BRÜCK

     

    »Wir begegneten einem freundlichen, zutraulichen, vertrauenswürdigen Volk, bar aller Arglist und Niedertracht und wie im Goldenen Zeitalter lebend.« Dieses Zitat des Entdeckers Arthur Barlowes aus dem Jahr 1584 prägte das Bild eines naturverbundenen und friedliebenden edlen Wilden. Ebenso romantisierten die in den folgenden Jahrhunderten erschienen Wildwestromane das Leben der Indianer und wurden so zu einem Sinnbild von Weisheit und Verwegenheit.

     

    Heutige Umweltschützer erzählen gerne die Mär von dem im Einklang mit der Natur lebenden Indianer. Der Historiker Louis S. Warren von der Universitiy of California widerlegt den Mythos der unberührten Flora und Fauna und der in Harmonie mit der Natur lebenden Indianer. »Ihnen wäre der Gedanke, die Wildnis in ihrem Urzustand zu bewahren, doch unpraktisch und absurd vorgekommen. Die Indianer veränderten das Ökosystem, in dem sie lebten, nachhaltiger, als man annimmt.«

     

    Sie brandrodeten Wälder, um die Erde für Mais, Kürbis und Bohnen urbar zu machen. Gab der Boden nach intensiver Nutzung nichts mehr her, zogen sie weiter, rodeten weitere Flächen Wald, und der Kreislauf der extensiven Landwirtschaft begann von vorn. Ebenfalls waren die Indianer maßgeblich an der drohenden Ausrottung der Bisons beteiligt, denn durch den sogenannten »Büffelsprung«, in dem sie die Tiere über eine Felsklippe jagten, starben mehr Büffel, als sie verzehren konnten – und ließen die übrigen Kadaver zurück.

     

    In den Jahrtausenden, in denen die Indianer auf dem amerikanischen Kontinent lebten, bildeten sich über 500 Völker. Das raue Leben mit den Mächten der Natur und der territoriale Machtkampf der vielfältigen Stämme untereinander wird von Jeier immer wieder ausführlich beschrieben. Nach der Entdeckung Amerikas und der Ankunft der ersten Siedler werden die barbarischen Massaker zwischen der indigenen Bevölkerung und den Neuankömmlingen aus der alten Welt erschöpfend aneinandergereiht, ebenso findet die absichtliche Dezimierung der Indianer durch eingeschleppte Pocken- und Grippeviren permanente Erwähnung. Das Buch leidet an einer immensen Fülle von Informationen und ständigen Wiederholungen. Besonders ärgerlich ist, dass Jeier zum Teil aus seinem Buch Das große Buch der Indianer abschreibt.

     

    Die amerikanische Verfassung und der Irokesenbund

    Interessant hingegen ist die These, inwieweit das »Große Gesetz des Friedens«, die demokratische Verfassung des Irokesenbundes, mit der amerikanischen Verfassung im Zusammenhang steht. Schon im 14. Jahrhundert kannten die Irokesen als einziges Volk die Aufteilung in Legislative, Judikative und Exekutive, wohingegen zur selben Zeit in Europa die Monarchie als vorherrschende Staatsform bekannt war. Neben weiteren Konvergenzen fußen die Übereinstimmungen ebenfalls auf ein föderales System und dem Streben nach Frieden und Harmonie. Nicht nur Gelehrte nehmen sich dieser These an, auch viele Philosophen sind davon überzeugt, dass die amerikanische und europäische Demokratie in der irokesischen Gesellschaft begründet ist.

     

    Die jahrhundertelangen, massiven Kämpfe und die kurzfristigen Allianzen einzelner Indianerstämme mit den Weißen schützten sie nicht davor, in Reservate verdrängt, ihrer Kultur enteignet und ihrer Sprache beraubt zu werden. Zu Recht widmet Tomas Jeier das letzte Kapitel gänzlich den Indianern der heutigen Zeit. Die Indianer, die in den Reservaten geblieben sind, beschreiben ihr von Armut, mangelnder Bildung und desaströser Gesundheit geprägtem Leben und ihrem Wunsch nach einer Rückbesinnung ihrer Kultur und Sprache. Einer kleinen Anzahl ist es gelungen, sich außerhalb der Reservate zu behaupten. Einige haben studiert, andere verdingen sich als Künstler, aber allen gemeinsam ist die Idee des Wiederauflebens ihrer Traditionen. Auch ihre Hoffnung, eines Tages an einem lebendigen Miteinander zwischen Rot und Weiß teilzuhaben, ist ungebrochen.

     

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