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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 19:25

    Zu Peter Sloterdijks Wiedervorlage seiner Gaben-Philosophie

    10.12.2010

    Milde Gabe eines Revanchisten

    Peter Sloterdijk tischt der ZEIT seinen Ladenhüter auf. Von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    An dem publizistischen Ort, an dem vor eineinviertel Jahr (am 26.September 2009) der Frankfurter Sozialphilosoph Axel Honneth gegen das steuerpolitische Allotria des Karlsruher Philosophen Peter Sloterdijk vehementen Ein- & Widerspruch angemeldet  hatte - nämlich im Feuilleton der Wochenzeitung der ZEIT -, betritt nun (Nr. 49) plötzlich Sloterdijk die Szene & verkündet triumphierend: Warum ich doch recht habe.

     

    Damals verschmähte der kritisierte Sloterdijk die ZEIT und zog es vor, seinen Widerredner Honneth in der FAZ zu schmähen, wo allerdings auch der von Honneth angegriffene sloterdijksche Essay erschienen war; und im damals noch streng konservativen CICERO tobte sich der erfolgsverwöhnte Sloterdijk seitenlang aus, indem er den Kardinalverbrechern & Majestätsbeleidigern, vulgo: seinen Kritikern, hohnvoll seinen aufgeschäumten »Bescheid« gab. Denn nach Honneth nahmen sich noch andere des »Steuerpolitikers« Sloterdijk kritisch an. Nun aber, mehr als ein Jahr später und mit nachtragende Wut & kaltem Zorn, befindet Sloterdijk: Hic tempus, hic salto!

     

    Nietzsche hat in seinem Ecce homo mit Behauptungen wie: Warum ich so weise... so klug... ein Schicksal (bin) und Warum ich so gute Bücher schreibe seinen Übergang zum finalen Wahnsinn besiegelt. Sloterdijk, der jetzt die Angeber-Karriere solcher großmäuligen Warum-Sätze in der Philosophie fortsetzt, sucht jedoch nur die finale Rechthaberei.

     

    Es ist aber wahnwitzig von ihm, zu glauben, die schiere Wiederholung seiner Phantasmen - vermindert um deren ursprüngliche Ressentiments-Motive & vermehrt um üble Nachreden über seine Kritiker - könne nun seine Rechthaberei begründen. Keinen der vielen & mannigfachen sachlichen Einwände gegen seine Idee einer »Umstellung der öffentlichen Haushalte von Zwangssteuern auf freiwillige Bürgerspenden« hat er der Diskussion oder gar der rationalen Widerlegung für wert befunden.

     

    Derlei pragmatischen Krimskrams kann sich der philosophische Überflieger aus Karlsruhe ersparen, weil gegen eine Welt von misanthropischen Pessimisten & ihren »traurigen Ansichten über die menschliche Natur« allein er an die »unbestreitbar vorhandene generöse Komponente im menschlichen Seelenhaushalt« glaubt - wofür er (wenn auch nur auf geistiger & nicht materieller Ebene) mit seinem jetzigen Rachefeldzug gegen seine Kritiker ein leuchtendes Beispiel gibt.

     

    Die Generosität, der er das Wort redet (ohne dass man wüsste, ob wenigstens er ihm auch materielle Taten folgen lässt), darf der Ex-Baghwan-Jünger bei »unseren kritischen Kommentatoren« nicht erwarten. Denn es handele sich dabei - erklärt er erkennungsdienstlich, ohne die Quellen seiner pejorativ inkriminierenden Kenntnisse zu nennen -, »überwiegend (um) Journalisten und Sozialwissenschaftler altlinker, gelegentlich sogar altleninistischer und paläomaoistischer Provenienz.«

     

    Die Generosität wäre aber umso stärker bei »unseren Reichen« vorhanden, weil »nach allem, was man weiß«, diese »generöse Komponente noch vor dem Mitgefühl die stärkste Quelle aller gebenden Haltungen darstellt.« Diese Quelle sei aber bei »unseren« bedauernswerten »Leistungsträgern« durch »Zwangssteuern« verstopft worden. So sahen sie sich, gegen ihre menschliche Natur, gezwungen, auf das Mitgefühl ausländischer Banken zu spekulieren, die den gebenden Haltungen solcher steuerflüchtigen Kundschaft generöse Gewinne zuwiesen. Auf diese hätten sie sogar verzichtet, wenn der Staat sie nur (& nur sie) vom allgemeinen Zwang, Steuern zu bezahlen, befreite und sie daraufhin (nicht nur zur Weihnachtszeit) den Gabentisch des Staates mit ihren generösen Spenden reichlich gedeckt hätten - welch selbiges Märchen Peter Sloterdijk uns nun zum wiederholten Mal auftischt.

     

    Nach allem, was man jedoch im Alltag sieht, sind es im Zweifels- & Notfall die Ärmeren, die den Bedürftigen großzügig spenden - und nicht die Reichen, welche dann die Quelle ihrer gebenden Haltungen sprudeln ließen.

     

    Nun scheint Peter Sloterdijk ohnehin mit der Wiedervorlage seiner verschwiemelten Gaben-Philosophie weniger deren ZEIT- Gemäßheit erhöhen, als eine Bataille erneut schlagen zu wollen, die er vor einem Jahr am selben Ort verloren hatte. Dass ihm das ZEIT-Feuilleton für solchen nachholenden Revanchismus nun einen zweiseitigen Platz bot, ist ebenso verwunderlich wie peinlich.

     

    Denn peinlich ist, dass man dem selbstvernarrten Philosophen erneut dabei zuschauen muss, wie er auf dem »Wortfeld der Großzügigkeit (...) die Verben des Gebens« im Irrealis »konjugiert«; noch peinlicher aber, dass er am Ende derlei »Erneuerung ihres Wortschatzes« auch noch einer »traditionellen Sozialdemokratie« wünscht, die »zulange auf eine vom gutgesinnten Ressentiment diktierte Sozialphilosophie gehört« habe.

     

    Nachdem Sloterdijk sich erst der FDP als ideologischer Hausmeister angedient hatte, bringt er sich nun als SPD-Hofmeister ins Gespräch, der ihr in »sozialethischer Hinsicht« die letzten linken Flausen austreiben möchte. Wer einen solchen Freund hat, erspart sich seine Feinde.


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    Wow! Selten liest man heute noch solche altertümlichen Tiraden, die mehr über den Verfasser als über das Thema aussagen. Das Schicksal nicht gehört, nicht gelesen und nicht wahrgenommen zu werden scheint schwer auf Wolfram Schütte zu lasten. Ich hoffe es ist sein Alter und nicht seine lebenslange Haltung, die sich hier in diesem verzweifelt um Aufmerksamkeit schreienden Text zeigt.
    | von Honigsammler, 10.12.2010

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