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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 14:02

     

    FAZ versus Perlentaucher

    07.04.2009

    Hürlimann, geh Du voran!

    Für Empörung, Aufregung & Spott hat eben die Rechnung über 590 Euro gesorgt, die der „Perlentaucher“ von der FAZ erhalten hatte, nachdem er (wie üblich) aus einem Artikel zitiert hatte, den der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann in der FAZ wider den deutschen Finanzminister und Westernfreund Peer Steinbrück publiziert hatte, weil dieser mit der deutschen Kavallerie gedroht hatte, um die Schweizer Bank-Indianer zur Räson zu bringen. WOLFRAM SCHÜTTE über das vorerst abgeblasene Kommandounternehmen der FAZ gegen „Perlentaucher“

     

    Thomas Hürlimann und seine deutsche Kollegin Monika Maron haben sich daraufhin mit dem überfallenen „Perlentaucher“ solidarisiert & sind ihm mit ihrem Renommee zur Seite gesprungen - wider diesen überraschenden Vorstoß der FAZ-Kavallerie, die in das Perlentaucher-Reservat eingedrungen war. Kurz darauf zog sich das Frankfurter Strafexpeditionscorps zurück und teilte den bedrängten Berliner Indianern mit, man wolle die Sache nicht weiter verfolgen.

    Grund für diesen blamablen Rückzug schien eine zweifache Übereile der FAZ-Militärs. Da Hürlimann behauptete, bzw. annahm, er habe mit der FAZ für den Beitrag keinen Vertrag abgeschlossen, schien es so, als habe die Redakteurin in der Etappe, die den Schweizer Autor zur Mitarbeit aufgefordert hatte, den Beitrag ohne einen Verwertungsvertrag publiziert; und das operative Kommando habe sich nicht zuvor von der „Rechtmäßigkeit“ seines Angriffs auf den „Perlentaucher“ überzeugt.
    Dabei hatte sich aber Hürlimann geirrt, als er an den „Perlentaucher“ schrieb, „für Vertragsverhandlungen blieb“ (wegen der schnellen Publikation seines Textes) „gar keine Zeit, sie dürften in so einem Fall auch nicht üblich sein“.

    Da hat er sich aber gründlich getäuscht: über sich & die FAZ - womit der Fall eine ganz neue Wendung erfuhr.

    Anlässlich eines im Jahre 2007 vorgetragenen Umfassungsangriffs der FAZ auf den „Perlentaucher“ habe ich an dieser Stelle unter dem noch heute gültigen Titel: „Vom Hecht im Karpfenteich: verwildert“ (19.07.07) ein Faktum aus dem Nähkästchen der FAZ ausgeplaudert, über das die zahllosen davon Betroffenen - falls sie nicht aufgrund ihrer Prominenz sich den Gratismut einer Verweigerung erlauben können - bis heute Stillschweigen bewahren - oder wie jetzt Hürlimann, der vergessen hatte, dass er sich dem FAZ-Diktum schon längst gebeugt hatte, ohne zu ahnen, welche Folgen sein Plain pouvouir, das er 2004 der FAZ gegeben hatte, von nun an für ihn haben würde.

    Die FAZ verlangt nämlich von ihren auch nur gelegentlichen Freien Mitarbeitern, „dass die Zeitung für ihr einmal gezahltes Veröffentlichungshonorar auf unbeschränkte Zeit (also auf immer) alle Rechte und jede Art der künftigen Verwertung (...) an einem Beitrag erworben habe. Wenn das nicht ein totalitärer Zugriff auf das Urheberrecht ist“, habe ich diese Praxis damals genannt, „wüsste ich nicht, wie man einen solchen >Knebelvertrag< denn anders nennen sollte!“

    Die FAZ betrachtet offenbar den Knebel-Vertrag als Entréebillet für Autoren, die bei deren erstem Eintritt in ihr publizistisches Reich gefälligst & submissest damit ihr Copyright ein für allemal an die Verwertungsgesellschaft FAZ abgeben. Etwa wie Faust seine Seele dem Teufel verkauft hat?
    Nein.
    Der Vergleich hinkt nämlich - wie der Teufel, möglicherweise. Allerdings ist er´s nicht in diesem Fall, der hinkt.
    Denn Goethes Mephisto ist ein überaus seriöser & fairer Geschäftspartner für Faust, der ja ein gutes, laufend für ihn Gewinn bringendes Geschäft mit ihm abschließt - bis zum finalen Ultimo.
    Hingegen die FAZ!
    Sie setzt den Ultimo für ihren Beiträger an den Beginn ihres Vertrags & macht den Ultimo zum Vertragsgegenstand, aus dem einzig die FAZ Gewinn zieht - und zwar umso mehr, als der Autor, der einen solchen Vertrag einmal unterzeichnet hat, weder für diese Abtretung seines Copyrights im Gegengeschäft ein erhöhtes Honorar erhält, noch an der künftigen Verwertung materiell beteiligt wird. Das ist eine wahrhaft teuflische Pointe!

    Mir ist nicht aber bekannt, dass seither der PEN-Club oder VERDI oder irgendein Einzelner gegen diese unwiderrufliche Enteignung des Urhebereigentumsrechts geklagt hätte. Auch nicht, dass sich die Autoren abgesprochen hätten, sich diesem pauschalen Diktat einfach nicht zu beugen. Vielleicht hat der Schweizer Hürlimann den Mut, seinen FAZ-Vertrag zu kündigen - oder nur noch dort zu publizieren, wenn man ihm den Knebel aus dem Mund nimmt?

    Solange die Autoren sich nicht als Unternehmer in eigener Sache verstehen, also als Kapitalisten, und sich nicht weiterhin wie rekrutiertes Lumpenproletariat verhalten - solange ist nicht auszuschließen, dass die FAZ auch künftig ihre Leichte Kavallerie aus- & ins verhasste Perlentaucher-Reservat einrücken lässt - wie sich ja auch die US-Army von General Custers Niederlage am Little Big Horn nicht abschrecken ließ.

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