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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 30. Mai 2017 | 11:03

     

    Josef Winkler: ein richtiger Büchnerpreisträger

    19.06.2008

    Trefflich & triftig

    Die Wahl des diesjährigen Büchnerpreisträgers, des österreichischen Schriftstellers Josef Winkler, ist in der deutschen Presse nicht durchgängig mit Beifall aufgenommen worden. Das ist nicht verwunderlich und auch gut so. Es war ja im letzten Jahr, als Martin Mosebach den höchsten deutschen Preis zuerkannt wurde, zurecht nicht anders. Ein Büchnerpreisträger, der unisono begrüßt würde, wäre ein stillgestellter Klassiker zu Lebzeiten. Zu einem solchen Preisträger passte der Name Goethes oder Schillers besser - als der des steckbrieflich gesuchten, erst posthum anerkannten Georg Büchner. Ein Kommentar von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Die Mutmaßung, nach dem Pendelschlag ins Manierlich-Konservative eines Martin Mosebach 2007 habe die Darmstädter Akademie diesmal einen “der Wilden und Dunklen” (Ina Hartwig in der FR) favorisiert, mag so zutreffend sein wie die Spekulation, nach den Deutschen sei nun wieder einmal ein Österreicher zu bedenken gewesen. Auch mögen, wie das Hubert Spiegel in der FAZ bemerkt, noch andere Autoren respektable Kandidaten für den mittlerweile allerdings etwas “staatstragend” gewordenen Preis in Darmstadt denkbar sein. Nebbich.

    Aber keiner der Genannten wäre eine entschiedenere literarische Herausforderung an Leser und Kritiker als eben der Solitär Josef Winkler. Sträflich pauschal & noch schlimmer, nämlich: ignorant gehen jene Kritiker mit dem Oeuvres des 1953 geborenen Kärntner Bauernsohns jedoch um, die ihm jetzt nachsagen, es sei “thematisch und ästhetisch tief in den Siebziger Jahren verwurzelt“ (Hubert Spiegel) oder “seinen literarischen Mitteln” sei “etwas Behagliches, zufrieden in sich Ruhendes zugewachsen, im Schutze kanonisierter Autoren von Ludwig Anzengruber bis Thomas Bernhard” (wie Helmut Böttiger in der SZ).

    Sie reden von sich, von ihren Schubladen & Klischees und davon, dass sie den Fortgang von Winklers literarischem Oeuvre seit seiner zwischen 1979/82 (!) erschienenen Trilogie “Das wilde Kärnten” nicht mehr verfolgt haben und den in die Literatur verschlagenen Bauernsohn auf die Rolle des um seine Kindheitsverletzungen, seine Angsthass-Fixierungen auf Geschlecht, Katholizismus, Familie, Tod und Macht kreisenden Autobiographen festgeschrieben haben. Dabei waren Winklers expressive Phantasmagorien der Angst- & Zwangserfahrung im bäuerlichen Barbaricum schon damals sprach- & bildradikaler als die thematisch & zeitverwandte Prosa österreichischer Autoren wie Innerhofer oder Wolfgruber. Der poète maudit Josef Winkler hat sich aber mit “Friedhof der bitteren Orangen” (1990), dem “Zöglingsheft des Jean Genet” (1992) und “Domra” (1996) aus seiner traumatischen Kärntner Eingeborenen-Hölle in die Welt hinaus geschrieben - nach Süditalien und Indien.

     

    Sein literarisches Oeuvre - barock, obszön, existenziell -, weil es so eigentümlich obsessiv sich thematisch zentriert um wiederkehrende Topoi, wie das ja auch bei Thomas Bernhards oder Elfriede Jelineks der Fall ist, verstößt gegen den Novitätshunger und den Entwicklungsfetischismus einer auf wechselnde Inhalte fixierten deutschen Literatur-Kritik, der die Vervollkommnung einer künstlerischen Evidenz, die subtile Arbeit an den Bauprinzipien von Prosa, Metapher, Rhythmus und Komposition nur ein Akzidens der stofflichen Wahl bedeutet. Dabei ist allein daran die künstlerische Qualität zu bestimmen - und unerheblich, ob die Stoffe und Sujets “zeitgemäß” oder “unzeitgemäß” sind, was immer damit gemeint sein mag, als es wider Winklers Prosakunst von Spiegel und Böttiger pejorativ in Anschlag gebracht wurde.

    So genügt allein eine einlässliche Lektüre zweier so außerordentlicher Pettitessen wie “Natura morta” (2002) und “Roppongi” (2007), um den himmelweiten Abstand der Winklerschen Prosa-Qualitäten, seiner halluzinatorischen Imagination und seiner kompositorischen Meisterschaft vom erzählerischen Werk nicht nur des letztjährigen Büchnerpreisträgers zu offenbaren. Und mit dem Autor des “Lenz” und des “Woyzeck” steht der diesjährige Büchnerpreisträger aus Kärnten in einer intimeren Korrespondenz, als die meisten, die vor ihm den Preis erhalten haben. Die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung hat eine treffliche Wahl getroffen.

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