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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 10:54

     

    Servus Brockhaus

    15.02.2008

    Brockhaus beendet Buch-Karriere

    Ganz offensichtlich gibt es nicht mehr genug öffentliche und private Interessenten in den deutschsprachigen Kulturen, die ein solches ebenso raumgreifendes wie teures Kulturobjekt als distinktive Liebhaberei sich erlauben, erwünschen und leisten können oder wollen. Von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Die Kapitulation des Brockhaus-Verlages vor der Medienentwicklung und das Ende der angesehensten deutschen Wissensenzyklopädie in Buchform ist zurecht vielfach in den Printmedien, die damit eine greif- & fassbare, taktile Bücher-Armada auf stürmischer See an das Virtuelle verloren haben, bedacht worden. Abgesehen von einer gewissen mir vertrauten kulturkonservativen Trauer über eine der Inkunabeln der Buchkultur, wird aber von den jetzigen Nachrufern zu Gunsten der Buchausgabe der Enzyklopädie angeführt, was zugleich ihr Manko war: einen Wissensstand festzuschreiben, dem der Brockhaus im Laufe seiner zweihundertjährigen Geschichte seine bislang 21 Neu-Auflagen verdankte. Sobald er jeweils erschien und das Wissen seiner Zeit versammelte, war er schon wieder veraltert; und das mit galoppierendem Tempo.

     

    Jeder weiß, dass die Veränderung und Ausweitung des universellen Wissens sich in den letzten Jahrzehnten in einem Maße beschleunigt hat, dass ihm - sammelnd, erweiternd & korrigierend - nachzukommen, längst das Buch und seine Produktion (ganz zu schweigen von dem dafür notwendigen Preis) immer weiter ins Hintertreffen gebracht hat. Das Internet und seine rasante universelle Entwicklung war sowohl ein Beispiel für solche Wissensveränderung, als auch das ihr adäquatere Medium, um das Ziel jeder lexikalischen Anstrengung, auf der Höhe der eigenen Zeit zu sein, gewissermaßen laufend in “Echtzeit”, sprich “gleichzeitig” zu erreichen. “Wikipedia” - und seit jüngstem die Zusammenarbeit von ihm und Bertelsmann in “Spiegel o­nline“ - haben dem Brockhaus den Rang vorweg abgelaufen, und der Brockhaus im Netz wird nun damit konkurrieren müssen.

    Es ist jedoch überhaupt eine Frage, wie lange noch andere zeit- & zu ihrer Fixierung materialaufwendige lexikalische Projekte, deren Gegenstände im Fluss der Zeit sich verändern, dafür das Buch, den Buchdruck favorisieren können & wollen. Als H. L. Arnold vor Jahrzehnten seine “Kritische Lexika für deutschsprachige oder fremdsprachige Gegenwartsliteratur” (KLG 1978, KLfG 1983) als “Loseblattsammlungen” herausbrachte, war das eine geniale Lösung, diese Lexika als “work in progress” anzulegen, das regelmäßig durch Entfernung und Hinzufügung einzelner Blätter sich selbst auf den jüngsten Stand bringt. Ein (letztes) Buchprojekt - allerdings mit dem wenig enthusiasmierenden Charme einer Bürokratenkladde. Seit geraumer Zeit erarbeitet Arnold mit zahlreichen Mitarbeitern eine völlig neu bearbeitete 3. Auflage von “Kindlers Literatur Lexikon”, dessen monumentale erste und zweite nicht nur verramscht wurden, sondern auch als CD (wie das Flaggschiff aller Weltlexika: die “Encyclopaedia Britannica “) im Handel ist. Wenn das Erscheinen des 3. KLL für 2009 angekündigt ist, wird man, im Lichte der jetzigen Brockhaus-Kapitulation sehen, in welcher Form es uns unter die Augen kommen wird.

    Denn bevor der ehrwürdige Brockhaus sein Erscheinen mit der 30 bändigen, 24500 Seiten umfassenden 21. Jubiläumsauflage von 2005 jetzt zum Ultimo seiner Buchexistenz erklärte, hatte der Verlag noch eine merkwürdige Sonderedition in 999 Exemplaren gestartet. Armin Mueller-Stahl, beliebter Filmschauspieler und Thomas-Mann-Darsteller hatte als Hobby-Maler diese knapp 5000 Euro teure bunte Edition gestaltet. Dieser Wink mit dem groß- & bildungsbürgerlichen Zaunpfahl habe, wie Caspar Busse in der SZ (14.2.08) einen Brockhausianer zitiert, “die Herzen und Köpfe, aber nicht den Geldbeutel” erreicht. War also ein Schlag ins Wasser. Die Deckungsauflage des letzten Brockhaus wäre bei 20.000 Exemplaren erreicht gewesen, ist aber nun, nach knapp 3 Jahren, immer noch in weiter Ferne und der Verlag richtet sich auf einen Mehrmillionen-Verlust ein.

    Ganz offensichtlich gibt es nicht mehr genug öffentliche und private Interessenten in den deutschsprachigen Kulturen, die ein solches ebenso raumgreifendes wie teures Kulturobjekt als distinktive Liebhaberei sich erlauben, erwünschen und leisten können oder wollen. Sein “Gebrauchswert” & Nutzen war immer schon minimal gegenüber dem Prestige, das man sich selbst durch seinen Besitz zusprach: als Utopie der Wissensmöglichkeit, die man damit jederzeit zur Hand & zur Verfügung habe. So verschwindet, machen wir uns nichts vor, ein blickfängerischer Einrichtungsgegenstand aus den Bücherregalen der einstmals “Gebildeten”, die´s nicht mehr sein wollen. Das Bisschen, das sie eher wissen müssen als darüber hinaus wissen wollen, können sie aus dem Internet abrufen - künftig auch aus dem Brockhaus (solange er sich dort durch Werbung rentiert).

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