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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 09:44

     

    Mutmaßungen über die Beunruhigung Goliaths

    23.11.2007

    Die Wiederkehr Davids

    WOLFRAM SCHÜTTE über den Tarifkonflikt zwischen GDL und Deutsche Bahn AG

     

    Je länger der Tarifkonflikt zwischen GDL und Deutsche Bahn AG dauert, desto schlüssiger scheint mir die Vermutung, dass hier zwar ein mediales Schauspiel inszeniert wird, das allegorische Züge durch die Karyatiden ihrer Hauptdarsteller Mehdorn & Schell besitzt, aber auf eine symbolische Bedeutung zugespitzt ist, die weit über den konkreten Konflikt hinausgeht. Denn: wird hier nicht versucht, ein Exempel zu statuieren, das gesamtgesellschaftliche Wirkungen zur Folge haben soll? Wenn das mythologisch-biblische Bild vom Kampf Davids (GDL) gegen Goliath (DB AG) zuträfe, so wäre das Ziel “Goliaths”, ein für allemal “David” zu vernichten. Nicht diesen “David” allein, sondern jeden, der künftig den Versuch wagen sollte, gegen Goliath anzutreten.

    Denn “Goliath” lässt in der deutschen “Sozialpartnerschaft” von Einheitsgewerkschaften und Unternehmer(verbände) einzig jene integrierten “Davids” zu, die ihre Schleudern eingetauscht haben gegen die “Mitbestimmung” ihrer höchsten Funktionäre in den Vorständen, die zusammen mit den Unternehmensführern nur jene “maßvollen”, ritualisierten “Kompromisse” erlauben, die von Zeit zu Zeit Löhne & Gehälter zwar erhöhen, aber zugleich dafür sorgen, dass der prozentuale Anteil der Beschäftigten am erwirtschafteten Gewinn der Unternehmen gleich niedrig bleibt, respektive noch niedriger wird. Und wenn sie einmal nicht parieren sollten, sprich: nicht “maßvoll” bleiben, werden sie demnächst wegrationalisiert.

    Und da wundern sich die Gewerkschaften über ihren Mitgliederschwund? Wer von “Ausbeutung”, “Mehrwert” und Kapital-Macht nicht sprechen und sie nicht einmal denken will und sich mit der Allegorie zweier männlicher Ego-Trips abspeisen und in die Irre einer Personalisierung führen lässt, könnte zumindest mit eigenen Augen sehen, wie der “Goliath“ Deutsche Bahn AG mit einem “David” umspringt, der zu seiner Schleuder gegriffen hat.

    Er könnte zumindest weiterhin sehen, wie die bundes-, sprich: staatseigene Aktiengesellschaft Deutsche Bahn sich so verhält, als wäre sie schon an der Börse, wo sie ja mit aller Macht hin will.
    Er könnte schließlich sehen, wie der Staat, ohne sein (sprich: unser aller) Eigentum schon aus der Hand und dem “Freien Markt” anheim gegeben zu haben, sich von Merkel bis Beck als parteiischer Sachwalter der Aktiengesellschaft Deutsche Bahn versteht: nicht weil diese staatseigen noch ist, sondern damit sie eine profitable Aktiengesellschaft an die Börse werden soll.


    Wahrscheinlich hat die per Umfrage ermittelte Bevölkerungs-Mehrheit, die hinter den GDL-Forderungen steht, eben das gesehen und ist erbost und noch nicht verbittert - obwohl der Gesamtunternehmerische Goliath, im Schlepptau mit den geschäftsführenden Parteien und “der Gewerkschaft” alle Droh-Mittel und Neid-Ressentiments mobilisiert hat, um “David” den Griff zu seiner Schleuder zu verbieten und ihn als “Erpresser” mit seinen gegen das “allgemeine Wohl” gerichteten “Partikularinteressen” zu diskreditieren.


    Dabei haben die deutschen Lokführer jahrzehntelang im Konglomerat der “Einheitsgewerkschaft” still gehalten, so dass ihre Gehälter, wie ich der SZ (v. 16.11.07) entnehme, mit 1290 Euro Netto (für einen Kinderlosen mit 2 Jahren Berufserfahrung) nun am äußersten unteren Rand der europäischen Gehaltsskala liegen: (Schweiz: 2660, Frankreich: 2370, GB: 2300, Schweden: 2100, Italien: 1800, Spanien: 1750, Niederlande: 1570). Wäre die äußerste Forderung der GDL erfüllt (was selbst sie nie angenommen hat), würden die deutschen Lokführergehälter mit 1677 Euro immer noch am unteren Rand, zwischen den Gehältern in den Niederlanden und Spanien, liegen.


    Das würde aber zweifellos die Rendite, den Gewinn, den Mehrwert, den Profit schmälern, mit dem der Vorstand der DB-AG protzig auf Kapital-Investoren-Fang geht und wofür sich der Vorstand, als Lohn für seine bislang fabelhafte Politik der Unter-Wert-Ausbeutung der Lokführer, selbstgefällig die eigenen Gehälter “maßlos“ erhöht hatte.

    Die von der GDL avisierte nachholende Korrektur der jahrelang unter ihrem (europäisch vergleichbaren) Wert behandelten Lokführer ist deshalb in der Tat ein wirklich rotes Tuch nicht nur für die DB AG, sondern für die gesamte etablierte “Balance” im deutschen Tarifgefüge und seine “austarierten” Einheitstarife - eine Balance, die jedoch längst von Seiten der Arbeitgeber zu deren Gunsten durch Ausnahmeklauseln, Betriebsvereinbarungen & Outsourcing (nicht zuletzt im Journalismus!) verändert wurde, also - wie das neoliberale Credo lautet - einseitig “flexibilisiert“. Wurde es damit nicht erst recht auch Zeit, auf Seiten der Arbeitnehmer “flexibler” zu werden?

    Der “David”, der sich seiner Schleuder erinnert, ist aber nicht nur für “Goliath” eine neue Erfahrung. Auch die Orthodoxie der Einheitsgewerkschaften wird durch die Häresie der GDL in Zweifel gezogen und einer faktischen Kritik unterzogen. Die beiden anderen Eisenbahnergewerkschaften hatten sich ihre tarifliche Willfährigkeit und ihr Ja zum Börsengang von der DB AG mit dem Junktim versichern & versilbern lassen: die DB AG müsse den zur Schleuder greifenden “David”, ihren “aus dem Ruder gelaufenen” konkurrierenden Bruder, ein für allemal überwältigen und niederschlagen. So handeln Kastraten, die von den Dirigenten verlangen, den Tenören das Singen zu verbieten.

    Wahrscheinlich wird auch dieser neuartige Tarif-Konflikt mit einem “Kompromiss” enden. Aber es wird einer sein, der anders ist, als die bisher geläufigen: ein Ende, das vielleicht der Beginn eines Anfangs sein könnte. Falls “Goliath” - was zu vermuten ist - nicht neue & andere Vorkehrungen trifft, demnächst auch “David” zu kastrieren.

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