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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 28. Juni 2017 | 02:24

    Zum Tod von Christa Wolf

    16.12.2011

    Grass sei Dank

    Wie wichtig - um nicht zu sagen: wie notwendig - der dreiundachtzigjährige Literaturnobelpreisträger Günter Grass für (nein: besser) gegen den deutschen »Literaturbetrieb« ist, zeigte sich jetzt wieder beim Tod von Christa Wolf. Von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Er allein erinnerte lautstark und indem er Ross & Reiter nannte an die journalistischen Infamien von Ulrich Greiner (in der ZEIT) & Frank Schirrmacher (in der FAZ), als die DDR- Autorin nach der Vereinigung 1990 ein bereits 1979 entstandenes selbst- & DDR-kritisches Prosastück (Was bleibt) publizierte. Höhnisch warfen ihr beide Feigheit, wendehalsigen Opportunismus vor und titulierten sie »Staatsdichterin« (als bezöge sie eine Apanage & vertrete als »Gekaufte« & Propagandistin die jeweilige DDR-Regierungspolitik). Dabei wusste doch jeder in der BRD & der DDR, dass die Autorin wie kein zweiter ihrer DDR-Kollegen mit ihrem Oeuvre & ihrer Person ein schwärender Stachel im Fleisch der regierenden Genossen war, weil sie bis zuletzt den (hohen) Begriff, den die DDR von sich zu haben behauptete, mit dem angeblich »real existierenden Sozialismus« konfrontierte - und deshalb nicht emigrierte & dort blieb (wie Achternbusch in Bayern).

     

    Was Greiner & Schirrmacher an sogenannten meinungsbildenden Medien vormachten, haben ihnen dann viele andere nachgeturnt. Zu Recht sprach Grass jetzt im Rückblick auf diese öffentliche Personenbeschädigung von einer westdeutschen »Presse- & Rufmordkampagne«, deren Echo noch in manchen Nachrufen zu vernehmen gewesen seien.

     

    Wolfs frühe Verfolger, die in & mit ihrer Person & ihrem Oeuvre (& deren gesamtdeutscher Resonanz!) die »Gesinnungsästhetik« der naiven deutschen »Gutmenschen« am Werk sahen, die sie mit ihrem Wolf-Bashing ein für allemal verabschieden wollten, meldeten sich nun nicht mehr zu Wort. Auch nicht, um das einstige eigene Verhalten im Lichte jüngster Erfahrungen zu reflektieren.

     

    Hätte der »ewige Spielverderber« Grass sich nicht erinnert & seine Erinnerung an ein wahrhaftige journalistische Schandtat von großmäuligen Gratismutigen öffentlich gemacht, der Literaturbetrieb hätte sie unterschlagen, indem er darüber gedächtnislos hinweggegangen wäre. Denn im Journalismus hackt so schnell »keine Krähe der anderen ein Auge aus«. (Ist das unter Einäugigen tabu?)

     

    Also brauchen wir immer noch, hin & wieder, den aufs journalistische Blech trommelnden Günter Grass.

     

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