Fußballtorwart Robert Enke hat sich bewegt, hat sich bewegen lassen, war beunruhigt, hatte Depressionen, litt unter Versagensängsten. Und hat davon geschwiegen. Der Öffentlichkeit wurde das Seelenleben Enkes erst durch seinen Suizid heute vor einem Jahr bekannt. Größer als die Angst vor dem Versagen war nur die Angst, dass jemand sie bemerken könnte. Als Nationalspieler in einer WM-Saison ist man nicht depressiv und ängstlich. Basta.
Depression. Es trifft viele. Warum sollte es nicht auch Fußballer treffen? Jemand, der ganz anders mit der Situation umging, ist Sebastian Deisler. Deisler litt unter schweren Depressionen, die ihn in heftigen Schüben heimsuchten. Er machte seine Erkrankung noch zur aktiven Zeiten öffentlich. In der von Michael Rosentritt verfassten Deisler-Biographie Zurück ins Leben. Die Geschichte eines Fußballspielers wird davon berichtet. Gehänselt wurde er – oh, ja. Doch Deisler hat überlebt und die Krankheit überwunden. Das zählt. Jedenfalls mehr als die Meisterschaft.
Versagensangst. Es trifft viele. Nicht nur Fußballer. Jeder von uns muss sich die Frage stellen, welchen Stellenwert Erfolg und Anerkennung haben und wodurch letztere erfahren wird. Welche Rolle spielt der Beruf, welche Familie und Freunde? Was hält einen, wenn man den Job verliert? Fragen zwischen Haben und Sein. Der Suizid Robert Enkes mahnt eine ganze Leistungsgesellschaft.