Carlos Montemayor wurde am 13. Juni 1947 in Parral im nordmexikanischen Bundesstaat Chihuahua geboren. Er studierte Jura und iberoamerikanische Literatur in Mexiko-Stadt, lernte Griechisch und Latein und übersetzte Vergil, Catull, Sappho und andere Dichter des klassischen Altertums ins Spanische. Er begeisterte sich für die prähispanischen und indigenen Sprachen, gab Anthologien oaxaquenischer Poesie heraus und veröffentlichte ein Wörterbuch für Nahuatl und Spanisch. Ein Sprachbesessener. In der Musik galt seine Leidenschaft der Oper und er war selbst ein begabter Tenor. Seine eigene literarische Produktion setzte mit Gedichtsammlungen wie Las armas del viento (1977) ein. Unter seinen Romanen ragen Las llaves de Urgell(1971) und Las armas del alba (2003) hervor.
Die größte Resonanz fand zweifellos sein Roman Krieg im Paradies (1991), der ein bis heute tabuisiertes historisches Ereignis thematisiert: die unter dem Namen „Partei der Armen“ von dem Dorfschullehrer Lucio Cabañas geführte Bauernguerilla, die zwischen 1971 und 1974 in den Bergen von Guerrero aktiv war und erst durch einen „schmutzigen Krieg“ des mexikanischen Militärs zerschlagen werden konnte. Aufgrund seiner einzigartigen und dichten Prosa ist der Roman über seinen zeitgeschichtlichen Bezug hinaus zugleich eine Parabel auf die Lebensverhältnisse der arm gehaltenen und in den Hintergrund der geschichtlichen Bühne gedrängten lateinamerikanischen Landbevölkerung und ihrer niedergeschlagenen, aber aufgrund ihrer unveränderten sozialen Lage immer wieder aufflammenden Aufstände, die bei der städtischen Linken so häufig kein Gehör finden.
Montemayors mexikanischer Freund Paco Ignacio Taibo II, schrieb in diesen Tagen in Erinnerung an Carlos Montemayor:
Irgendwann einmal habe ich dir gesagt, dass alt gewordene ›Rote‹, alte Rockmusiker, alte Romanschriftsteller niemals sterben, und du hast mir vorgeschlagen, dieser Liste die Opernsänger hinzuzufügen. Ich muss dir gestehen, dass ich es nie getan habe. … Immer bleibt mir noch etwas zu sagen. Immer komme ich zu allem zu spät: zu den Würdigungen, zum Gedenken, zum Schmerz über den Verlust, zu den Erinnerungen. So ist es auch diesmal. Aber sei beruhigt, ich werde die Opernsänger doch noch in die Liste derjenigen aufnehmen, die niemals sterben, und ich werde dich weiterhin lesen … Und ich werde mit dir in den Nächten reden, so wie ich es mit vielen anderen tue.
Theo Bruns (Verleger, Assoziation A)