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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. April 2017 | 10:56

    Zum 80. Geburtstag des Schriftstellers Gerd Fuchs am 14. September

    14.09.2012

    Mit Geschichten Geschichte erzählen

    »Ich wollte ihnen etwas erklären«, lässt Gerd Fuchs seinen Ich-Erzähler Theo im Nachwort seines Romans Schußfahrt (1995) sagen. Nicht zu leugnen, dass auch Gerd Fuchs mit seinen Romanen einen stets einen stark pädagogisch-aufklärerischen Anspruch verfolgt. Von PETER MOHR

     

    Gerd Fuchs, der heute* vor 80 Jahren im saarländischen Nonnweiler geboren wurde, hat sich in mehr als vier Jahrzehnten literarischer Arbeit - allen literarischen Trends trotzend - als hartnäckiger Erinnerungskünstler behauptet.

     

    Nach dem Studium (Germanistik und Anglistik), das er in Kiel mit der Promotion über Rilke abschloss, und dem anschließenden Referendardienst arbeitete Fuchs in den 60er Jahren kurzzeitig auch als Journalist für die Welt und den Spiegel. Obwohl er bereits 1966 den ersten Band mit Erzählungen veröffentlichte, gelang ihm der Durchbruch erst 1978. In der später mit Manfred Krug und Hannelore Hoger  verfilmten Erzählung Ein Mann fürs Leben zeigte Fuchs die verheerende Wirkung der Arbeitslosigkeit auf eine Partnerschaft.

     

    Mit seinen historischen Romanen Stunde Null (1981) und Schinderhannes (1986) - eine erzählerische Umsetzung des Zuckmayer-Bühnenstücks - hat der in Hamburg lebende Autor auch beim Lesepublikum respektable Erfolge erzielt. »Eine Figur muss leben, und das Gefühl stellt sich erst ein, wenn die Figur eine Selbständigkeit erreicht hat. Ich halte das für die Weise, wie in der Literatur Humanität zu konkretisieren ist«, erklärte Gerd Fuchs in einem Interview. Historische Stoffe mit einer spannenden Erzählweise für den Leser erfahrbar zu machen, mit seinen Geschichten Geschichte zu erzählen - das ist seine Stärke.

     

    Dies stellte er auch 1992 mit seinem exzellenten Roman Katharinas Nacht unter Beweis, der um die  Silvesternacht des Jahres 34/35 kreist. Die Handlung beginnt und endet zur gleichen Zeit, dazwischen fügt Fuchs seinen Stoff - immer wieder auf verschiedenen Zeitebenen alternierend - mosaikförmig zusammen. Fuchs, der viele Jahre DKP-Mitglied war, hat Irrwege und Opportunismus in der Zeit des Nationalsozialismus demaskiert, menschliche Tragödien innerhalb der Familien nachgezeichnet und unterschwellig den »kleinen Widerstandskämpfern« mit diesem Roman ein literarisches Denkmal gesetzt.

     

    Zwischenzeitlich hatte sich Gerd Fuchs, der auch als Theater- und Drehbuchautor reüssierte, stärker den Jugendbüchern gewidmet. Im Schweizer Verlag Nagel und Kimche erschienen Easy und Scheer (1995), Charly, die Meistermaus (1996) und Fuffy und Max (1997).

     

    Und wer heute ein authentisches, nicht verklärendes Zeitzeugnis über die immer wieder öffentlich diskutierten, bewegten 68er Jahre lesen möchte, dem sei immer noch der stark autobiographische Roman Beringer und die lange Wut aus dem Jahr 1974 ans Herz gelegt. Ein frühes Werk, das Fuchs' Methodik bereits offenbarte: die Auswirkungen gesellschaftlich-politischer Veränderungen auf den Alltag der Individuen darzustellen und somit Geschichte auf ein erfahrbares Einzelschicksal zu fokussieren.

     

    Zuletzt hat Gerd Fuchs, der vor fünf Jahren mit dem Italo-Svevo-Preis ausgezeichnet wurde, mit der autobiografischen Erzählung Heimwege (2010) ein durch und durch versöhnlich klingendes, selbststilisierendes Alterswerk vorgelegt.

     

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