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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 23. Mai 2017 | 10:55

    Zum 80. Geburtstag von Milos Forman

    18.02.2012

    Vom Traum ein Rebell zu sein

    Milos Formans bewegte Vita hat Spuren hinterlassen. Der oscar-gekrönte Regisseur macht keinen Hehl daraus, dass sein Lebenslauf und sein künstlerischer Erfolg in ursächlichem Zusammenhang stehen. »Ich habe immer davon geträumt, etwas Rebellisches zu tun, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Also waren diejenigen, die sich trauten, meine Helden. Das ist ganz natürlich, wenn man rund 40 Jahre unter totalitären Regimes gelebt hat - zuerst unter den Nazis und dann unter den tschechischen Kommunisten«, erklärte Forman in einem SPIEGEL-Interview. Von PETER MOHR

    Vom Traum ein Rebell zu sein
    Zum 80. Geburtstag des oscar-gekrönten Regisseurs Milos Forman am 18. Februar*

    PETER MOHR

    Milos Formans bewegte Vita hat Spuren hinterlassen. Der oscar-gekrönte Regisseur macht keinen Hehl daraus, dass sein Lebenslauf und sein künstlerischer Erfolg in ursächlichem Zusammenhang stehen. „Ich habe immer davon geträumt, etwas Rebellisches zu tun, aber ich hatte nicht den Mut dazu. Also waren diejenigen, die sich trauten, meine Helden. Das ist ganz natürlich, wenn man rund 40 Jahre unter totalitären Regimes gelebt hat - zuerst unter den Nazis und dann unter den tschechischen Kommunisten“, erklärte Forman in einem Spiegel-Interview. 
    Dieses Bekenntnis ist keine Fassade, denn Forman hat unter den unmenschlichen Diktaturen gelitten. Mit neun Jahren verlor er seine Eltern, die im Konzentrationslager starben. In einem Internat kam der Waisenjunge erstmals mit dem Film in Berührung. Buster Keaton, Charlie Chaplin und John Ford hatten es ihm angetan. Der Weg zur Prager Filmhochschule schien vorgezeichnet zu sein. Nach seiner Diplom-Prüfung versuchte er sich zunächst als Drehbuchautor, doch schon Anfang der 60er Jahre wechselte er hinter die Kamera.
    Schon mit seinen ersten in der Tschechoslowakei gedrehten Filmen „Der schwarze Peter“ (1963) und „Die Liebe einer Blondine“ (1965) eckte er bei den kommunistischen Machthabern an. Als 1968 die russischen Panzer in Prag einrollten, befand sich Forman, der heute* vor 80 Jahren in Caslav (60 km von Prag entfernt) geboren wurde, in Paris. Er kehrte kurz in die Heimat zurück und siedelte dann in die USA über. 
    Doch seine Karriere in Übersee begann mit einem Flop - die Generationssatire „Taking off“ (1971) fand bei den Kritikern (ausgezeichnet beim Filmfestival in Cannes), nicht aber beim Publikum Zustimmung.
    Vier Jahre später gelang dann der große Durchbruch mit seinem heute noch bekanntesten Film „Einer flog über das Kuckucksnest“ nach dem Roman von Ken Kesey. Fünf Oscars heimste der Film ein, darunter auch den für die beste Regie. 
    Der Filmversion des Musicals „Hair“ (1979) folgte 1984 der zweite große Wurf, die in Formans tschechischer Heimat gedrehte Mozart-Annäherung „Amadeus“, die mit insgesamt acht Oscars prämiert wurde.
    Milos Forman ließ sich im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen von den Produzenten nie von Film zu Film hetzen. Er wählte die Drehbücher immer sorgfältig aus, folgte dabei seinen eigenen Vorlieben und ignorierte oft das zeitgeistabhängige Publikumsinteresse.
    „Valmont“ (1989) und die provokante Filmbiographie „Larry Flynt - Die nackte Wahrheit“ (1996) wurden trotz renommierter internationaler Auszeichnungen keine Kassenschlager. 1999 inszenierte Forman „Der Mondmann“ (ausgezeichnet mit dem Silbernen Berliner Bären für die beste Regie) mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Wieder ein hochgelobter, aber an den Kinokassen kaum gefragter Streifen. Nicht viel besser erging es ihm mit seinem letzten Film „Goyas Geister“ (2006).
    Auch die in die Filmwelt eingezogenen neuen Technologien bereiteten Milos Forman einiges Kopfzerbrechen: „Als ich zum ersten Mal an einem digitalen Schneidetisch saß, war ich total nervös: Ich hatte das Filmmaterial nicht physisch vor mir; es gab nichts, was ich berühren konnte.“ 
    Der große Enthusiasmus des Regisseurs ist verflogen - nicht zuletzt wegen der jüngsten Misserfolge, die Forman so begründete: „Das US-Publikum hat seine Schwierigkeiten, wenn es ambivalent zugeht. Es mag Schwarzweißmalerei, aber mit grauen Schattierungen hat es so seine Probleme. Hollywood will stets wissen, wer der Gute ist, wer der Böse ist, und wer gewonnen hat.“ Doch diesem kommerzorientierten Einheitsbrei hat Milos Forman immer die Gefolgschaft versagt. Auch das macht seine Größe aus.

     

    Dieses Bekenntnis ist keine Fassade, denn Forman hat unter den unmenschlichen Diktaturen gelitten. Mit neun Jahren verlor er seine Eltern, die im Konzentrationslager starben. In einem Internat kam der Waisenjunge erstmals mit dem Film in Berührung. Buster Keaton, Charlie Chaplin und John Ford hatten es ihm angetan. Der Weg zur Prager Filmhochschule schien vorgezeichnet zu sein. Nach seiner Diplom-Prüfung versuchte er sich zunächst als Drehbuchautor, doch schon Anfang der 60er Jahre wechselte er hinter die Kamera.

     

    Schon mit seinen ersten in der Tschechoslowakei gedrehten Filmen Der schwarze Peter (1963) und Die Liebe einer Blondine (1965) eckte er bei den kommunistischen Machthabern an. Als 1968 die russischen Panzer in Prag einrollten, befand sich Forman, der am 18. Februar vor 80 Jahren in Caslav (60 km von Prag entfernt) geboren wurde, in Paris. Er kehrte kurz in die Heimat zurück und siedelte dann in die USA über.

     

    Doch seine Karriere in Übersee begann mit einem Flop - die Generationssatire Taking off (1971) fand bei den Kritikern (ausgezeichnet beim Filmfestival in Cannes), nicht aber beim Publikum Zustimmung. Vier Jahre später gelang dann der große Durchbruch mit seinem heute noch bekanntesten Film Einer flog über das Kuckucksnest nach dem Roman von Ken Kesey. Fünf Oscars heimste der Film ein, darunter auch den für die beste Regie. Der Filmversion des Musicals Hair (1979) folgte 1984 der zweite große Wurf, die in Formans tschechischer Heimat gedrehte Mozart-Annäherung Amadeus, die mit insgesamt acht Oscars prämiert wurde.

     

    Milos Forman ließ sich im Gegensatz zu vielen Branchenkollegen von den Produzenten nie von Film zu Film hetzen. Er wählte die Drehbücher immer sorgfältig aus, folgte dabei seinen eigenen Vorlieben und ignorierte oft das zeitgeistabhängige Publikumsinteresse.

     

    Valmont (1989) und die provokante Filmbiographie Larry Flynt - Die nackte Wahrheit (1996) wurden trotz renommierter internationaler Auszeichnungen keine Kassenschlager. 1999 inszenierte Forman Der Mondmann (ausgezeichnet mit dem Silbernen Berliner Bären für die beste Regie) mit Jim Carrey in der Hauptrolle. Wieder ein hochgelobter, aber an den Kinokassen kaum gefragter Streifen. Nicht viel besser erging es ihm mit seinem letzten Film Goyas Geister (2006).

     

    Auch die in die Filmwelt eingezogenen neuen Technologien bereiteten Milos Forman einiges Kopfzerbrechen: »Als ich zum ersten Mal an einem digitalen Schneidetisch saß, war ich total nervös: Ich hatte das Filmmaterial nicht physisch vor mir; es gab nichts, was ich berühren konnte.«

     

    Der große Enthusiasmus des Regisseurs ist verflogen - nicht zuletzt wegen der jüngsten Misserfolge, die Forman so begründete: »Das US-Publikum hat seine Schwierigkeiten, wenn es ambivalent zugeht. Es mag Schwarzweißmalerei, aber mit grauen Schattierungen hat es so seine Probleme. Hollywood will stets wissen, wer der Gute ist, wer der Böse ist, und wer gewonnen hat.« Doch diesem kommerzorientierten Einheitsbrei hat Milos Forman immer die Gefolgschaft versagt. Auch das macht seine Größe aus.

     

     

    Foto: Petr Novák, Wikipedia

     

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