August! gamescom! Keine Überraschungen! Sommerloch? Nein. Es gab eine Menge toller Texte zu schwer unprofessionellen RTL-gamescom-Berichterstattung, Münchener Indie-Entwicklern, Magiern, Polizisten oder Seximus in der Spiele-Kritik - und zur die Tragödie von Oslo, und die Rolle, die Computerspielen dabei zugeschrieben wurde.
nahaufnahmen.ch: “Wichtig ist das Verständnis für die Einstellung und Sichtweise des Gegenübers”
Mit Titel im Sommerloch interviewt Rudolf Inderst für nahaufnahmen.ch Hendrik Lesser vom Videospielkulturverein, der in München ansässig ist. Lesser kann zufrieden billanzieren: »In den letzten fünf Jahren haben wir viel erreicht. In der Politik und Bevölkerung haben wir mit gelungenen Aktionen auf uns Aufmerksam gemacht und konnten viele Unterstützer gewinnen. Zu Besuchern unserer Veranstaltungen zählen mittlerweile Politiker und Abgeordnete von verschiedenen Bildungsinstitutionen, mehreren Parteien oder dem bayrischen Staat. Der VSK hat zudem mehrere Magister- und Bachelor-Arbeiten mitbegleitet.«
RTL: Boulevard-Journalismus zur gamescom
Während die berechenbaren »Enthüllungen« an der größten Computerspiele-Messe des Landes mit Langeweile quittiert wurden, ließ ein Bericht die Gemüter hochkochen: Das RTL-Boulevard-Magazin Explosiv war vor Ort und lieferte Einsichten wie: »Computerspieler-Einheitslook: dunkle Schlabberklamotten, die manchmal etwas streng riechen.« Die Reaktion der Blogosphäre folgte auf dem Fuß: oti xero liefert eine minutiöse Analyse tendenziöser Momente und faktischer Fehler im Bericht. Roland Gratzer wirft für FM4 einen Blick auf die Reaktionen, die das Spiel hervorgerufen hat: »Eigentlich war es nur ein Nachmittags-Beitrag mit einem etwas unmotivierten Zugang. Jetzt ist es der schlimmste Shitstorm, den RTL je erlebt hat. Aber egal. Morgen ist das alles eh schon wieder wurscht.« Gamestar erkannte im Bericht ein „Lehrstück über den Alltag im deutschen Fernsehen.“ Wenigstens blieb die Entrüstung nicht folgenlos: Wie der Spiegel berichten durfte, entschuldigte sich RTL schließlich offiziell für den Beitrag.
Polyneux: Polyvieux: Wing Commander
Die Polyneux-Autoren wundern sich, was eigentlich mit Weltraumkatzenkampfsimulator Wing Commander passiert ist und erinnern daran, dass große, klobige Joysticks mal zum Standard-Inventar gehört haben.
Polymedia: Münchens Indie Entwickler im Gespräch
Rudolf Inderst spricht mit Münchener Indie-Entwicklern und entdeckt eine kleine, »arbeitsame« Szene.
Polygamia: Polizei: Die PC-Simulation aus Sicht eines Kriminalbeamten
Wie authentisch kann ein PC-Polizei-Simulator eigentlich sein? Sven lässt das einfach von einem Polizei-Beamten beantworten.
Carpe DIem 2.2.: Quake 1, damals und heute
»Juhuu eine Geschichtslektion.« Enorm lesenswerter Quake 1 Überblick von Miewts.
FM4: Tumult für Teenage-Boys
Die gamescom kam und ging und irgendwie war nichts Spannendes dabei. Robert Glashüttner spricht mit Nadja Igler darüber, ob das nicht alles einfach nur ein kalkulierter Tumult für Teens war. Spannender war da die Notgames-Ausstellung, über die Robert hier geschrieben hat.
Zeit: »Japan steht nicht mehr an der Spitze«
Frank Magdans spricht für die Zeit mit dem Sound-Designer der Silent Hill-Reihe Akira Yamaoka über den aktuellen Stand japanischer Spiele.
Pixelzwist: Magier als Ausbildungsberuf
Magier sind in Spielen meist wenig fantastisch verschrobene Gelehrte, sondern dienen vor allem als wandelnde Drachenvernichtungswaffen. Warum eigentlich? Bei Pixelzwist wird das Game Design des Magier-Charakters analysiert.
Spielkultur: 1378(km) - neun Monate danach
Martin Lorber spricht mit Jens Stober über das kontrovers diskutierte Serious Game 1378(km): »Computerspiele müssen selbst gespielt werden, um diese zu beurteilen oder zu verurteilen.«
Stay Forever: Revolution
Mit Christian Schmidt ist einer der schlicht besten deutschsprachigen Spielejournalisten aus der Gamestar ausgestiegen. Umso besser, dass er sich mit ebenfalls Ex-Gamestar Chef Gunnar Lott zusammengeschlossen hat, um regelmäßig in Podcasts über alte Spiele zu sprechen. In der ersten Folge z.B. über Baphomets Fluch und andere Adventures.
UPDATE
FM4: Digitaler Determinismus
Wie derwen in den Kommentaren richtig bemerkt hat: Mindestens ein toller Text ist uns entgangen. Bei FM4 schreibt Rainer Sigl über den freien Willen im digitalen Spiel, mit interessanten Beispielen wie Bioshock, Prince of Persia (2008) und The Stanley Parable. Wer übrigens Lese-Empfehlungen für den Rückblick hat, kann uns per Twitter über @TITEL_Kulturmag, @AlexBronsky und @NeedleHacksaw Empfehlungen zukommen lassen.