TITEL kulturmagazin
Donnerstag, 24. Juli 2014 | 03:52

Limbo

23.08.2011

In Transit

Mit Limbo kommt eines der spannendsten Indie-Games des letzten Jahres auch auf den PC. Grund genug für DENNIS KOGEL, sich das dänische Spiel nochmal anzuschauen.

 

Über Limbo zu schreiben kann problematisch sein. Genau genommen passiert nämlich nicht viel in dem kurzen Plattformer. Ein kleiner Junge läuft in einer bedrohlichen monochromen Welt von links nach rechts, weicht Gefahren aus, hüpft über Abgründe, löst Puzzles mit Kisten und Schaltern – und stirbt und stirbt und stirbt tausend Tode. Belässt man es auf der Beschreibung der einzelnen Bestandteile des »Spiels« Limbo, so klingt das nicht besonders nach dem beeindruckenden, wichtigen und klugen Indie-Hit, den die Spielepresse herbeigeschrieben hat. Es klingt nach so gut wie jedem zweiten Indie-Game.

 

Das aber würde Limbo nicht gerecht werden. Es ist nämlich größer als seine Bestandteile. Ja, Limbo ist ein Plattformer, es zitiert aber nicht Super Mario Bros. sondern »Cinematic-Platformers« wie Another World oder Heart of Darkness, in denen Stil immer wichtiger war als reine Hüpf-Mechaniken – und in denen wiederholte und plötzliche Protagonistentode zum Standard gehörten.

 

Monochrome Dichte

Was Limbo spannend macht, sind nicht die (gar nicht mal so unfairen) Puzzles und auch nicht das von Kieron Gillen verachtete und von John Walker gelobte Design der Fallen, das mit den Erwartungen der Spieler spielt, sondern das Drumherum. Das Sound-Design, das gekoppelt mit der absolut feindlichen Welt eine befremdliche Erfahrung von Einsamkeit und Verletzlichkeit auslöst.

 

Umso überraschender deshalb, dass so viel von Limbo inspirierte Kritik sich in Mutmaßungen über den bewusst fehlenden »Plot« geäußert hat – ein kleines Denkmal für unser ständiges Bestreben aus jeder Folge von Ereignissen eine Geschichte zu erstellen. Es spielt gar nicht so eine große Rolle, warum der Junge von links nach rechts läuft. Es ist aber Limbos dichtem Design geschuldet, dass das Zusammenspiel aus Sound, Grafik und den Toden des kleinen Protagonisten einen so großen Effekt hat. Es ist ein Spiel, dessen Reise durch die monochrome Schattenwelt immer auch eine Erforschung des Selbst darstellt. Limbo sollte auf keinen Fall verpasst werden.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Wir sind umgezogen!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

Das neue TITEL-

Vive Le Pop

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum der gelungenen Compilation-Reihe gibt es die 7. Ausgabe von Le Pop. Die Reihe für frankophone Musikliebhaber ist ...

Seitenhiebe

Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

»Alles liegt im Blick«

»Das Publikum ist wie ein Hund«, sagt Marina Abramovic einmal: »Es riecht Angst und Schmerz. Es kann fühlen, wenn man nicht anwesend ist«. ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Sunday Clubbing at 93 Feet East

Sunday Clubbing has, apparently, become quite the ›In‹ thing in this wonderful land of ours which we like to call London. »Sunday is the new Saturday« they proclaim ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Gesetzesverrat

Wenn man, mit stetig wachsendem Staunen, Kopfschütteln & Empörung verfolgt hat, was nach der Selbstanzeige der rechtsradikalen Mördergruppe (NSU) an Versäumnissen, ...

Tage, Tage, Jahre

Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

Ein Geheimnis in einer Graskugel

Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...