TITEL kulturmagazin
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Dark Souls Artorias of the Abyss

27.11.2012

Oolacile sehen und sterben

Zurück nach Lordran: VOLKER BONACKER sucht abermals ein Königreich auf, das zu besuchen er sich nach rund 80 Stunden mit Dark Souls eigentlich untersagen wollte. Ein Download-Inhalt namens Artorias of the Abyss machte dem einen Strich durch die Rechnung - zum Glück. Eine Rückkehr zu einer der schönsten Spielerfahrungen der letzten Jahre.

 

Die Reise beginnt mit einem Fragezeichen: Wo sollen sie denn nun sein, die neuen Gebiete, die SpielerInnen für rund 15 Euro erhalten? Zu erwarten, dass Dark Souls hier auch nur die kleinste Hilfestellung oder gar Hinweise böte, zeugt davon, das Hauptspiel nicht oder nicht ausreichend gespielt zu haben. Denn dessen Gesetzmäßigkeiten haben ohne Ausnahme ihre Gültigkeit behalten: Noch immer gibt sich das Rollenspiel als Terra incognita, deren Geheimnisse nur erfährt, wer danach sucht. Freiwillig gibt diese Welt nichts, aber auch gar nichts von sich preis. Und damit eben auch nicht die simple, aber für das weitere Spiel doch recht essentielle Information, wo zur Hölle diese verdammten neuen Gebiete denn nun sind. Es bleibt nichts anderes als die Internet-Recherche. Einen Walkthrough konsultieren! Artorias of the Abyss beginnt mit einer Demütigung, noch bevor auch nur ein Fuß in die Welt namens Oolacile gesetzt wurde.


Überspringen wir die Akquise diverser zum Betreten Oolaciles notwendiger Gegenstände einfach und steigen direkt ein. Womit zu rechnen war: Die Dark Souls-Erweiterung heißt SpielerInnen bereits nach wenigen Sekunden (nicht Minuten) mit einem Bossfight willkommen. Nur für den Fall, dass vergessen wurde, worum es hier geht: Reaktion, Schnelligkeit, Ausdauer, Frustresistenz. Und einen Charakter, der in der Lage ist, ordentlich Schaden anzurichten - sind die neuen Gebiete doch alles, nur nicht für niedrigstufige Spielfiguren geeignet (unter Level 75 sei vom Betreten ausdrücklich abgeraten).

 

Ist der Sanctuary Guardian, so der Name des geflügelten weißen Löwen mit Geißenhörnern (Wolpertinger-Verwandtschaft?) besiegt, offenbart sich Oolacile als  - selbst für Dark Souls-Verhältnisse - finstere Gegend. Auf dem Weg in die Untiefen der Stadt warten wie üblich Fallen und aus düsteren Ecken hervorbrechende Gegner, die unbedarften Recken das Leben nicht schwer machen, sondern gleich nehmen. Respekt und Vorsicht bleiben die zum Überleben notwendigen Grundzutaten. Das mag sich heroisch und überlegen lesen, ist jedoch als Resultat harter Try & Error-Streifzüge zu verstehen. Die Anzahl der in Oolacile an einem Abend gestorbenen Tode? Die nächste Demütigung. Wer es auf die Spitze treiben will: In speziellen Arenen kann nun direkt gegen andere Menschen angetreten werden.


Und dennoch, es geht voran und darin liegt abermals der Zauber dieses Spiels. Wer nach langer Suche, vorsichtigen Schritten und beherztem Einsatz von Schwert und Schild endlich eines jener seltenen Lagerfeuer erblickt, an denen der Spielstand gesichert werden kann, erlebt ein Gefühl, das vor und nach Dark Souls ein seltenes Gut in der Welt digitaler Spiele darstellt: tiefe, echte Zufriedenheit. Nicht nur Kurzzeitbefriedigung. Beinahe schade, dass die Reise nach Oolacile insgesamt eine eher kurze Angelegenheit ist. Es bleibt das gute Gefühl, einen alten Freund noch mal gesehen zu haben, ehe er für immer in den Untiefen der heimischen Spielesammlung verschwindet. Danke für dieses wunderbare Adieu, FromSoftware.

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