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Sonic & All Stars Racing Transformed

27.11.2012

Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich gefallen lassen muss. So auch Sonic & All-Stars Racing Transformed. Dass der knallbunte Rennspaß sich bei einem solchen Vergleich überhaupt nicht verstecken muss, fand NORMAN VOLKMANN zu Lande, zu Wasser und in der Luft heraus.

 

Der Nostalgiefaktor

Als ich die ersten Trailer zu Sonic & All-Stars Racing Transformed (ASRT) sah, versetzte es mich direkt zurück ins Jahr 1997 – zurück in die Zeit in der Rare noch bedeutende Videospiele baute. Die erste Assoziation war eben nicht die zu Mario Kart, sondern zu Rare’s Diddy Kong Racing, bei dem man nicht nur mit Karts, sondern auch mit Flugzeugen und Luftkissenfahrzeugen zum Rennen antrat. ASRT bedient sich dieser damals innovativen Elemente und passt sie zeitgemäß an. Statt sich für eine Fahrzeugart zu entscheiden, bieten die Strecken oftmals die Möglichkeit innerhalb eines Rennens in allen drei Formen Richtung Sieg zu rasen.

 

Neben den üblichen Verdächten der SEGA-Helden-Riege von Sonic und Co. versprühen auch die restlichen Charaktere nostalgischen Charme. Als alter Mega Drive Fanboy hat mich besonders Joe Musashi als freischaltbarer Charakter gefreut – auch wenn er seine Gegner hier nicht so schnell in Feuerbälle verwandelt. Da die Charaktere nicht aus einem Universum stammen, wirkt das Fahrerfeld auf den ersten Blick etwas zusammengewürfelt, für jeden, dessen Herz für SEGA-Marken schlägt, wird aber gerade das das Spiel ausmachen. Alle Figuren besitzen zudem ein eigens gestaltetes Fahrzeug mit individuellen Transformationsstufen. Die Strecken sind von zahlreichen SEGA-Klassikern inspiriert und könnten, wie die Spiele, die Pate standen, unterschiedlicher nicht sein. Jet Set Radio Umgebungen führen durch einen Großstadtdschungel, die Strecke von Shinobi führt durch japanische Wälder und bei Rennen, die auf das Universum des blauen Igels selbst basieren, rast man auch schon mal durch ein kunterbunt leuchtendes Kasino. Im lokalen Mehrspielermodus und speziell zu viert vor einem Fernseher ist der epileptische Anfall dort allerdings zum Greifen nah.

 

Vom bitteren Scheitern

ASRT’s Alleinstellungsmerkmal für das Kartracer-Genre findet sich aber weder in Charakterauswahl oder den Erinnerungen an die guten, alten Zeiten. Da wäre zum Beispiel das Streckendesign, das auf die neuen Möglichkeiten der Fahrzeuge ausgelegt wurde. Wie ich es gewohnt bin, heißt es drei Runden zu überstehen, Abkürzungen finden, sowie kräftige Power-Ups zu sammeln, um der Konkurrenz das Leben schwer zu machen. Soweit so bekannt. Als ich auf der ersten Strecke in der dritten Runde zum ersten Mal ins Wasser gelassen wurde, staunte ich nicht schlecht, dass ich den kompletten Streckenverlauf von zuvor hinter mir ließ und mich ganz neu orientieren musste. Erwartungsgemäß steuert es sich auf Wasser auch anders, als zu Land und recht schnell hing ich am erstbesten Felsen fest und durfte zusehen, wie das halbe Teilnehmerfeld an mir vorbeizischte. Der gesamte Karriere-Modus mitsamt seinen Streckenpaketen lässt nicht zu, dass ich als Fahrer einen Moment lang unaufmerksam bin – und bestraft Aussetzer sofort.

 

Trotz quietschbunter Grafik und knuffiger Charaktere ist ASRT nämlich knallhart. Optimistisch, wie ich war, startete ich das erste Rennen direkt auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad. Hier ein paar Verfolger abschütteln, dort den Führenden wegschießen – was bei Mario Kart Bestzeiten und Podiumsplätze garantiert, ist bei Sonic und Konsorten zwar wichtig, aber noch lange nicht entscheidend. Die detaillierten Strecken bieten zahlreiche Abkürzungen und alternative Routen, die sich, je nach Transformationsstufe, auch innerhalb eines Rennens komplett ändern können. So kam es, wie es kommen musste: Nach zwei Runden, die mich tapfer das Mittelfeld dominieren ließen, war jegliche Chance auf den Sieg verpufft. Als Siebter überquerte ich die Ziellinie und zweifelte stark an meinem Können. Nach und nach stellte sich aber ein Lerneffekt ein, ich lernte Strecken und Eigenheiten der Charaktere besser kennen und verbessere mich stetig. Der Fokus des Titels, Kartracer oder nicht, liegt auf den fahrerischen Fähigkeiten des Spielers. Tricks und längere Drifts werden mit kleineren Boosts belohnt, müssen aber gekonnt eingesetzt werden, sodass man eben nicht direkt im nächsten Hindernis hängt. Die Power-Ups behindern die Gegner zwar, zerstören das Fahrgefühl aber nicht wie einst bei Mario Kart Wii, sodass ASRT zu keinem reinen Glückspiel verkommt.

 

Sonic & All Stars Racing Transformed nimmt in diesem Jahr ganz klar den Thron der Kartracer ein. Von Gelegenheitsspielern bis zu ausgewiesenen Rennspielern findet hier jeder eine passende Herausforderung, deren Meisterung tatsächliches Können fordert. Der umfassende, anspruchsvolle Karrieremodus und die Mehrspielermodi halten SpielerInnen lange bei der Stange. Ach ja: Gut, dass niemand Sonic Bescheid gegeben hat, dass er zu Fuß wahrscheinlich schneller wäre, als mit seinem Gefährt – so bleibt es immerhin fair.

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