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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 20:03

    Interview mit Angelika Beranek

    13.11.2012

    Ran an die Basis

    Auf der researching games 2012 in Wiesbaden besuchte RUDOLF INDERST den Vortrag von Angelika Beranek und Beate Kremser, der ihre medienpädagogische Arbeit im Infocafe im hessischen Neu-Isenburg in den Mittelpunkt stellte. Genau darüber unterhielten wir uns auch im folgenden Interview.  

     

    Rudolf Inderst (RI): Bitte versuche, Dich in 2 bis 3 Sätzen einmal kurz vorzustellen.

     

    Angelika Beranek (AB): Ich arbeite seit 2005 im Infocafe der Stadt Neu Isenburg – einer medienpädagogischen Jugendeinrichtung. Außerdem bin ich als freie Referentin für die Bereiche digitale Medien unterwegs. Thematisch dreht sich bei mir also alles um soziale Netzwerke, Computerspiele und das Internet im Allgemeinen.

     

    Vom Wunder der Medienpädagogik

    (RI): Medienpädagogik ist eines der Schlagworte, die man immer wieder in allen möglichen Zusammenhängen hört – vielleicht kannst Du da ein wenig Licht ins Dunkel des Mythendschungels bringen?

     

    (AB): Unter Medienpädagogik versteht man zunächst einmal mehrere Teilbereiche. Dazu gehören die Mediendidaktik, also Lehren und Lernen mit Medien und die Medienerziehung verbunden mit der Vermittlung von Medienkompetenz in all ihren Dimensionen. Das ganze Feld definiert sich selbst oft sehr unterschiedlich. Eine der großen Theorien, auf denen Medienpädagogik beruht, ist die der Definition von Medienkompetenz nach Baake. Er unterteilt Medienkompetenz in Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung. Medienpädagogen machen somit eigentlich nichts anderes als Medienkompetenz zu vermitteln. Hierbei geht es nicht darum, Medien zu promoten oder zu verteufeln, sondern sich mit der richtigen Nutzung dieser auseinanderzusetzen.

     

    Der Stand in Deutschland

    (RI): Wie siehst Du als Praktikerin einerseits und Theoretikerin andererseits den Stand der Medienbildungsarbeit in Deutschland?

     

    (AB): Hierzu kann man sehr schön eine aktuelle Metastudie der Business School Berlin Potsdam zum Thema Einsatz digitaler Lernwerkezeuge zitieren: »Die digitale Zukunft Deutschlands muss endlich eine Priorität politischer Entscheidungen werden. Das Land hat hier wirtschaftlich schon den Anschluss verloren. Nicht zuletzt ein Umdenken und konsequentes Verfolgen digitaler Möglichkeiten in der Bildungspolitik sind absolut geboten.« (Quelle, S.83) Manchmal hat man in Deutschland das Gefühl, dass Bildungsträger immer noch der Meinung sind, dass »das Internet schon wieder weggeht«. Es gibt einige gute Projekte, die leider sehr wenig finanzielle Förderung bekommen. Darüber hinaus werden keine flächendeckenden Maßnahmen, die dauerhaft finanziert sind, durchgeführt. Viele Projekte sterben nach einer zweijährigen Projektphase. Gute Projekte hängen noch zu sehr vom regionalen politischen Willen der einzelnen Länder oder Städte ab. In der Politik wird bisher nur geredet und öffentlichkeitswirksam der Wille zu einer besseren, moderneren Bildungspolitik gezeigt- in der Praxis kommt dies aber nicht an. Auch in der Aus- und Weiterbildung von Pädagogen und Lehrern ist Medienpädagogik oft noch eine Randerscheinung, was seltsam vorkommen mag, wenn man bedenkt, dass Medien zur Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen dazugehören.

     

    Im Fronteinsatz

    (RI): Wo arbeitest Du genau und wie sieht dort Deine tägliche Arbeit aus?

     

    (AB): Ich arbeite im Infocafe, einer medienpädagogischen Jugendeinrichtung. Wir decken mit unserem Konzept im Kleinen alle Bereiche ab, die mit Jugendlichen und Medien zu tun haben. Kinder und Jugendliche kommen zu uns, um gemeinsam zu surfen und zu zocken. Aus dem Wissen über aktuelle Mediennutzungstrends, dass unsere Besucher zwangsläufig mitbringen und aus aktuellen Forschungsergebnissen entwickeln wir verschiedene Projekte. Darum gibt es keinen typischen Tag im Infocafe; jeder Tag ist anders – was die Arbeit so spannend macht. Neben dem offenen Treff für Kinder und Jugendliche ab 10, bieten wir Beratung und Fortbildung rund um das Thema an. Wir arbeiten mit den örtlichen Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen zusammen und bieten neben medienpraktischen Projekten auch Workshops für Schüler/-innen, Projektwochen und (Medienerziehungs-)beratung an. Außerdem betreuen wir ein Peer to Peer Projekt, zum Thema Onlinemobbingprävention. In diesem Projekt begleiten und schulen von uns ausgebildete ältere Schüler/-innen, jüngere Schüler/-innen.

     

    Ein Mut machender Rückblick

    (RI): Erzähl' doch ein wenig von den größeren Projekten, die in den letzten Jahren so liefen?

     

    (AB): Projekte laufen bei uns in der Regel immer nur kurzzeitig, da wir uns thematisch der Schnelligkeit der digitalen Medien anpassen. So haben wir dieses Jahr einen Machinimaworkshop im Rahmen der Ferienspiele zum Thema Stadtentwicklung angeboten. Am ersten Tag waren wir auf dem städtischen Bauamt und haben uns über Bauvorgaben und Stadtplanung informiert. Dann bauten die Kinder ihre Stadt der Zukunft in den Sims nach und wir stellten das Ergebnis der örtlichen Politik vor. Außerdem bieten wir alle zwei Jahre einen Kunstwettbewerb zum Thema Leben im Netz an. Dieses Jahr sollten uns die Teilnehmer »Netzgeschichten« erzählen – Geschichten, die sie selbst im Netz erlebt haben. Ein Riesenthema, nicht nur bei den Einreichungen zu diesem Wettbewerb, ist natürlich Facebook in all seinen Facetten. Wir sind hier vor allem mit Elternabenden, Beratungen und Workshops rund um Datenschutz und Onlinemobbing aktiv. Zu guter Letzt gibt es noch unsere Zocken mit Sinn Projektwoche. Eine Woche lang beschäftigen wir uns zusammen mit 9. und 10.-Klässlern mit den verschiedenen Facetten von Computerspielen. Thematisch gibt es in dieser Projektwoche Tage zu »Gender in Games«, Lernspielen, gewalthaltigen Inhalten, exzessiver Computerspielnutzung und natürlich zu Computerspielen allgemein. Einige Ergebnisse kann man auf unserer Homepage oder auf unserer Facebook Seite bewundern.


    (RI): Danke für das Gespräch. 

     

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    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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