TITEL kulturmagazin
Donnerstag, 30. März 2017 | 10:41

Medal of Honor: Warfighter

30.10.2012

Frustration of Blödsinn: Krampffighter

Was man nicht alles erreichen wollte bei EA! Einen Shooter auf Augenhöhe mit den diversen Call-of-Duty-Ablegern zum Beispiel. Als Platz-2-Inhaber darf man wahrscheinlich nicht niedriger zielen, und das ist auch gut so: An der Spitze ist es schließlich einsam. Warum MoH: Warfighter dann derart in seiner Ausführung versagt, ist RUDOLF INDERST ein Rätsel.

 

Was für ein Glück dieses Produkt hat. Tatsächlich, was für ein Glück es hat. Ich entschied mich nämlich, zuerst den Mehrspielermodus anzuspielen. Dieser bereitete mir auch einiges an Freude: Bis Level 5 oder 6 spielte ich einen dicklichen Deutschen mit einigermaßen dicker Knarre hoch (leider hatte er keine Bratwurst dabei!). Mich konnten auch die sensationell altbacken wirkende Grafik oder das in meinen Augen fürchterlich umständliche User-Interface nicht abschrecken – schließlich lief das eigentliche Spiel geordnet in seinen Multiplayer-Bahnen, und das Buddy-Feature gefiel mir auch recht gut (BUDDY IS IN DANGER!! DANGER!! DANGER !!). 

 

You are full of wrong

Heute wagte ich mich schließlich an die Kampagne. Insgeheim hoffte ich, auch im Falle von Medal of Honor: Warfighter würde die 6-Stunden-Regel greifen. Diese besagt, dass die Solo-Missionen fast aller First-Person-Shooter der letzten Jahre nicht länger als ca. 360 Minuten in Anspruch nehmen. Boy, was I wrong. Wie gewohnt stellte ich den Schwierigkeitsgrad auf »Einfach«, so wie ich es auch in den letzten Modern Warfares, und Black Opses gehandhabt hatte (oder dem letzten Medal of Honor). Wie es das Schicksal so will, las ich vor ein paar Tagen noch die Flüche von Florian Krapp via Twitter (man sollte @Warmasterflash folgen) über eine gewisse Stelle im Spiel. Da die ersten 15 Minuten von Warfighter sich im Schwierigkeitsgrad nicht von den anderen vielen Titeln, die ich bereits nannte, unterschieden, dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch, Spielernatur Krapp müsse einfach einen schlechten Tag erwischt haben. Boy, was I wrong (again). 

 

Ich nehme mir an dieser Stelle nun einmal die Zeit, die Spielsituation darzustellen, welche dafür verantwortlich zeichnet, dass ich Medal of Honor: Warfighter nach 30 Minuten nicht weiter spielte. Zusammen mit einem KI-Kollegen liege ich in einem Scharfschützennest und nehme gegnerische Kräfte ins Visier, die mit ihren Raketenwerfern unsere Kameraden unter Feuer nehmen. Also frisch ans Werk gegangen: Ich erinnerte mich, dass ich auch im Vorgänger recht früh im Spiel gebeten wurde, Ziegenhirten und Familienvätern, äh, ich meine natürlich »feindlichen Kämpfern« (KEINE KRIEGSGEFANGENEN!!!), mit einem Hochtechnologiegewehr das Großhirn aus dem Schädel zu pusten. Den ersten Dämpfer bekam ich, als ich feststellen musste, dass man die Feindkräfte ausschließlich treffen (ich sage an dieser Stelle absichtlich nicht »verwunden«) kann, wenn sie zielen und feuern, nicht aber, wenn sie im Begriff sind, ihre Raketenwerfer nachzuladen. Gut, vielleicht verleiht ihnen die ihnen stets von westlichen Köpfen zugeschriebene radikaler Religiosität Super-Kräfte, könnte eine Erklärung sein. Aber das alleine reicht natürlich nicht. 

 

Scharfschützen...welche Scharfschützen?

Medal of Honor: Warfighter verlangt an dieser Stelle ein wenig mehr vom gemeinen Spieler-Pack. Es reicht nicht, die gegen eine Fremdinvasion kämpfenden, äh, ich meinte selbstredend die permanent Frauen und Andersgläubige steinigenden und köpfenden Höhlenbewohnerkörper mit einem Projektil zu treffen, das die Wucht eines vollbeladenen LKWs entwickelt. Treffer an Brust, Hoden oder Knie scheinen die auf Pluralismus und Gewaltenteilung spuckenden Fundamentalismus-Folterknechte nicht im Geringsten zu stören. Das Entwickler-Team beschloss in seiner unendlichen Weisheit (und militärischen Authentizitätsliebe), nur Kopfschüsse »zählen« zu lassen – die ultimative Effizienzbestrafung! Fünf oder sechs Mal machte ich dieses Spiel im Spiel mit, bevor ich mich an meinen Schreibtisch setzte und auf Facebook ein erstes bilanzierendes Posting schrieb: »Liebes EA-PR-Team, ich hoffe, Ihr verzeiht es mir, wenn ich nach ca. 30 Minuten die Kampagne bei MoH: Warfighter abbreche und mich in Zukunft ganz dem MP widme. (…) Die Scharfschützenmission (…) ist eine Beleidigung. Eine astreine. Erhofft man sich so Spießspaß zu generieren? Nein, ich breche an dieser Stelle ab. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Wenn man wirklich an Titel wie CoD ranwill, sollte man sein Handwerk besser beherrschen. Ende der Durchsage.« 

 

Dem ist an dieser Stelle nichts mehr hinzuzufügen. Schade, dass das Spiel mich so schnell verloren hat, aber wie heißt es so schön: Als Erwachsener trifft man Entscheidungen. Auch, wenn es diesmal »nur« um Freizeitgestaltung und First-World-Problems geht, ist meine gefallen. Bye, bye, Warfighter.  

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

TITEL ist umgezogen!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

Vive Le Pop

Pünktlich zum 10-jährigen Jubiläum der gelungenen Compilation-Reihe gibt es die 7. Ausgabe von Le Pop. Die Reihe für frankophone Musikliebhaber ist ...

Seitenhiebe

Auf ihrem nächtlichen Heimweg werden Anne und René Winkler (Natascha Paulick, Stefan Kurt) von drei jungen Männern attackiert und brutal zusammengeschlagen. Die Polizisten Phillip ...

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

Petraeus und sein Stab

Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

Sunday Clubbing at 93 Feet East

Sunday Clubbing has, apparently, become quite the ›In‹ thing in this wonderful land of ours which we like to call London. »Sunday is the new Saturday« they proclaim ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Gesetzesverrat

Wenn man, mit stetig wachsendem Staunen, Kopfschütteln & Empörung verfolgt hat, was nach der Selbstanzeige der rechtsradikalen Mördergruppe (NSU) an Versäumnissen, ...

Tage, Tage, Jahre

Staunen, entdecken, querlesen, umblättern, abreißen – Literaturkalender begleiten uns verlässlich durchs Jahr, versorgen uns häppchenweise und gut dosiert mit ungeahnten ...

Ein Geheimnis in einer Graskugel

Auf die ganz großen Katastrophen im Leben kann man sich selten vorbereiten. Das geht nicht nur den Großen so, auch die Kleinen müssen solche Erfahrungen bewältigen. ANDREA ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter