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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:43

    Interview mit paida.de-Redaktion: Spielgeist

    23.10.2012

    Neues vom spielenden Menschen

    Ein Glücksfall: Auf dem besten aller deutschen Game-Studies-Klassentreffen traf RUDOLF INDERST Mitglieder der Redaktion von paidia.de und konnte sie ein wenig später auch für ein kleines Interview gewinnen. 

     

    Rudolf Inderst (RI): Besucht man Eure Startseite findet man das Credo »PAIDIA ist eine unabhängige Plattform für medien-kulturwissenschaftliche Beobachtungen von Computerspielen.« Interessant dabei finde ich das Wort »Beobachtung«. Weshalb genau entschiedet Ihr Euch dafür und nicht in etwa für das Wort »Spielen«? Obsiegte hier der akademische Duktus des Objektivieren-Wollens?

     

    Paidia.de (P): Der Begriff »Beobachten« impliziert zwei Dinge: Erstens eine bestimmte Perspektive, aus der etwas betrachtet wird. Die Wahl einer bestimmten Perspektive schließt aber zwangsläufig andere Perspektiven aus. Es geht also gerade nicht um (scheinbare) Objektivität, sondern um einen spezifischen und möglichst klar benannten Blickwinkel auf eine Sache. Zweitens steckt im Begriff der Beobachtung die Idee vom variablen Abstand zum beobachteten Gegenstand – das ist vergleichbar mit einem Kameraobjektiv vergleichen, bei dem ein stufenloser Übergang von Zoom zu Weitwinkel möglich ist: Man kann bei Computerspielen beispielsweise die Grafik, die Spielmechanik, die KI etc. untersuchen und gegebenenfalls bewerten – das sind Beobachtungen erster Ebene. Man kann Computerspiele aber auch im Kontext dieser Untersuchungen und Bewertungen sehen – man kann auf zweiter Ebene also beobachten, wie Computerspiele beobachtet werden. Diese zweite Ebene ist vor allen dann wichtig, wenn man Computerspiele nicht vor allem als technische Medien betrachteten, sondern als ‚Kulturmedien’, die in ihren Funktionsweisen von den Kontexten bestimmt werden, in denen sie entstehen bzw. bestehen. PAIDIA hat es sich zur Aufgabe gemacht, beide Ebenen zu verbinden: Wir untersuchen Computerspiele und fragen danach, wo und wie Computerspiele als Medien oder als Kulturgüter beobachtet werden. Dieses Vorgehen hat eine ausgeprägt spielerische Komponente, denn Forschung meint in diesem Sinn so etwas wie spielerisches Kennen lernen und Erproben (was sich im Begriff PAIDIA widerspiegelt, der hier in Anlehnung an Roger Caillois benutzt wird). Wir spielen natürlich gerne Computerspiele. Wir spielen aber auch gerne mit Computerspielen – und dieses Spiel nennen wir »Beobachtung«. Die Spielregeln für dieses Spiel sind die Regeln unserer Forschungsdisziplinen. Und die ’Plattform’, von der aus wir das tun, ist unsere eigene Zeitschrift, auf die wir aber auch herzlich gerne andere einladen.

     

    Leidenschaft für Computerspiele

    (RI): Auf dem diesjährigen BarCamp Researching Games in Wiesbaden fielt Ihr zunächst einmal auf, weil die Session zu fünft gehalten wurde - wie steht es um das viel zitierte Bild der »eingeschworenen Gemeinschaft«?

     

    (P): Alle Redakteure und Autoren bei PAIDIA verbindet die Leidenschaft für Computerspiele und für medien-kulturwissenschaftliche Reflexionen. Wir arbeiten mit- und nebeneinander an der Beantwortung bestimmter Fragestellungen – dabei sind wir durchaus nicht immer einer Meinung. Und wir kommen häufig zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Ein BarCamp ermöglicht durch seine sehr knappe Taktung nur Schlaglichter auf aktuelle Vorhaben, auf verschiedene Ansätze etc. – unser Ziel bei einer Session in einem solchen Rahmen ist es, Interesse an unserer Herangehensweise zu wecken, ohne die Geduld der Zuhörer zu sehr zu strapazieren. Wir suchen den Dialog mit Forschern anderer Disziplinen – und in einer heterogenen Gruppe erscheint uns ein offenes Gespräch dafür ein guter Weg zu sein. Wir betrachten das Computerspiel als ein Medium, das grundsätzlich auf Augenhöhe mit anderen Medien, wie Büchern, Filmen etc., verhandelt werden sollte – also möchten wir mit diesem Medium genauso sorgfältig reflektierend wie mit diesen anderen Medien umgehen. Die Computerspielforschung ist im deutschsprachigen Raum sehr stark durch technische und sozialwissenschaftliche Disziplinen dominiert, die zweifellos auch wichtige Impulse geben. Kulturwissenschaftlich geprägte Gamestudies etablieren sich daneben nur langsam – vermutlich weil das Medium als Kulturgut ein Imageproblem hat und weil die Forschung durch ihre spezifische Herangehensweise gelegentlich sperriger anmutet als empirische Wissenschaften. Gerade deshalb ist uns der interdisziplinäre Dialog wichtiger als die bloße Präsentation der eigenen Ergebnisse.

     

    (RI): Wie vernetzt seid Ihr an Eurem Standort München mit den restlichen lokalen Spiele-Enthusiasten z.B. Entwicklern, der Presse oder den Spieleforschern?

     

    (P): PAIDIA als E-Journal gibt es jetzt seit genau einem Jahr – und wir vernetzen uns kontinuierlich im gesamten deutschsprachigen Raum mit Vertretern der kulturwissenschaftlichen Gamestudies. Dass wir in München sind, spielt dabei eigentlich nur insofern eine Rolle, als wir mit den Münchener Universitäten einen hervorragenden Ausgangspunkt für diese Vernetzung haben. Und dass wir dort gut vernetzt sind, das versteht sich vermutlich von selbst. Die Computerspielpresse, die Entwickler und Publisher sind für uns von ähnlicher Bedeutung wie das Feuilleton, die Autoren oder die Verlage für die Literaturwissenschaftler. So fahren wir auch gerne zu Spiele- und Entwicklermessen – und BarCamps: Wir sprechen miteinander, um den anderen Blickwinkel zu verstehen. Schlussendlich interessant sind für uns aber die Objekte, die dort entstehen: die Spiele, die Texte über Spiele etc. 

     

    (RI): Abschließend bitte ich um drei Adjektive, die die Spielforschung aus Eurer Sicht in fünf Jahren beschreiben sollen.

     

    (P): Spielerisch, sorgfältig und selbstreflexiv.

     

    (RI): Vielen Dank für das Gespräch.  

     

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