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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:44

    Max Payne 3

    12.09.2012

    Zwischen Mitgefühl und Verachtung

    Dunkles, kaltes New York. Albträume. Femmes fatales. Verlassene Vergnügungsparks. Und dennoch ganz viel Schmerz. Ach, wie kann man die Max-Payne-Reihe nicht wertschätzen? Der tragische Held mit dem passenden Namen stellt sein Leiden nunmehr zum dritten Mal dem geneigten Spielpublikum zur Schau (zählt man den unsäglichen Kinofilm mit Marky Mark in der Hauptrolle nicht dazu). Und auch in dieser Installation der Serie strahlt die Fatalität und Brutalität des Protagonisten einen zweifelhaften Reiz aus. PETER JUST hat auch ohne white pills und brown liquor für ein wenig R&R das Pad zur Hand genommen.

     

    Max Payne wurde aus seinem gewohnten Habitat gerissen und schnell stellt sich die Frage, ob das Spielprinzip in einem anderen Setting als der grauen Tri-State-Area rund um New York City überhaupt funktionieren würde. Zu einem game noir gehört vermeintlicherweise auch das passende Ambiente. Diese Zweifel werden allerdings schnell beiseitegelegt beziehungsweise überschattet. Die ungewohnt heftige Darstellung von Gewalt zieht zunächst jegliche Aufmerksamkeit auf sich. Ein zerrissener Torso auf einem zunächst nicht näher definierten Flugfeld in erbarmungsloser Sonne setzt den Ton für alles, was da noch kommen mag. Dazu erscheint der Protagonist. In für ihn untypischer Kleidung hat Max Payne seinen ersten Auftritt, doch Anhänger der Serie erkennen die markante Stimme sofort: »Sao Paulo – this town has more smoke and mirrors than a strip club locker room«.

     

    Soccer - dumb sport!

    Kurzum: Die neue und für die Serie ungewohnte Umgebung funktioniert – wenn auch auf einer anderen Ebene als in den Vorgängern des Spiels. Max Payne ist in die Fremde geflüchtet und fühlt sich dadurch jedoch mehr als zuvor als ein Produkt seiner (ehemaligen) Umgebung. Das Gefühl des Allein-Seins wird durch die für ihn fremde/befremdliche Kultur Brasiliens verstärkt und die Rückkehr zu qualvollen Gedanken an den Tod seiner Familie scheint in der ungewohnten Umgebung unausweichlich. Auf der Flucht vor der eigenen Vergangenheit hat diese den Protagonisten eindeutig bis nach Südamerika verfolgt. Der Versuch der Verdrängung wird durch Alkohol und Schmerzmittel unterstützt, was Max Payne im Auge des Betrachters irgendwo zwischen Mitleid und Abschätzigkeit schwanken lässt.

     

    Interessant ist auch, wie das Spielprinzip einen der Hauptpunkte in Max Paynes psychischen Leiden akzentuiert: Er findet keinen Abschluss mit seiner eigenen Vergangenheit. Das Spielprinzip stellt allerdings eine ganz andere Art von Abschluss immer wieder in den Vordergrund. Mit der Bullet Time Funktion wird teilweise das Ableben der Feinde des Protagonisten in Superzeitlupe zelebriert. Alles Leid und alle psychische Qual Max Paynes wird in diesen Sekunden auf das Physische in Form des leblos werdenden digitalen Körpers übertragen. Die SpielerIn hat dabei die Möglichkeit noch weitere, an diesem Punkt eigentlich unnötige, Kugeln nachzusetzen. Somit unterstreicht die ›Kill Cam‹ als Kanalisationselement seitens des Spiels die geballte Frustration und gesteuerte Wut. Jedoch mindern diese zelebrierten Gewaltausbrüche (deren Intensität der SpielerIn überlassen werden) nicht das Leid des Protagonisten – in jeder neuen Zwischensequenz wird man erneut Zeuge seines gequälten Zustands.

     

    Die zwiespältige Faszination der Max Payne Reihe ist auch im dritten Teil ungebrochen. Das markante Voice-acting, die unverkennbare Titelmusik und der ständig vorhandene Zynismus bieten auch in der sonnigsten Umgebung bald Zugang zu düsteren Seelenwelten. Das Spiel überzeugt und kann sowohl Anhängern der Serie als auch Neulingen genug Reibungsfläche für viele Spielstunden bieten.

     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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