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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:49

    Deadlight

    07.08.2012

    Redneck with a Shotgun

    2012 ist ein äußerst ergiebiger Jahrgang für Weltuntergangs-Freunde. Nicht nur, dass zum Jahresende ohnehin Schluss ist, das Nach-dem-Ende lässt sich bis dahin schon mal in zahlreichen Videospielen durchexerzieren. VOLKER BONACKER hat sich in Deadlight, dem jüngsten Spross des Danach-Genres, durch Seattle gekämpft.

     

    Erst I am Alive, dann Wasteland 2, nun das Debüt der spanischen Entwickler mit dem doch arg klischeehaften Namen Tequila Works: Die Postapokalypse übt in diesem Jahr offensichtlich einen besonderen Reiz auf Spieleschaffende aus. Mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen und Interpretationen. Mal macht ein Erdbeben der Menschheit den Garaus, dann war’s ein Nuklearkrieg und hilft alles nichts, überrennen einfach Zombies die Erde. Das klappt bei Resident Evil seit jeher, hat bei Lollipop Chainsaw zum trashigen Überbau gereicht, warum soll die Nummer nicht auch in Form eines 2D-Plattformers in Metroidvania-Tradition funktionieren?

     

    Im Gegensatz zu vielen Genre-Vertretern, in denen die Nach-Weltuntergangs-Welt das unhinterfragte Ausgangsszenario darstellt, das eben klaglos hingenommen wird, bewegt sich die Geschichte in Deadlight mehr und mehr auf ein düsteres Kapitel in der Vergangenheit des Helden zu. Selbiger hört auf den Namen Randall Wayne und ist – soviel darf verraten werden – mehr ein Mann der Tat als einer des Wortes. Die Macher zeichnen ihren Protagonisten in Tönen, die es dem Menschen vor dem Bildschirm schwer machen, Freundschaft mit diesem Randall Wayne zu schließen – tötet er doch ohne mit der Wimper zu zucken wiederholt jene Gestalten, die im Spiel »Schatten« genannt werden. Sei es mit der Axt, der Pistole oder später gar der Schrotflinte: Gewaltanwendung ist etwas, das ihm keinerlei Kopfzerbrechen bereitet. Vollbärtig, in Lederjacke samt Fellkragen gewandt und auf dem Kopf eine grob gestrickte Wollmütze, will der Eindruck, der Charakter sei körperlich wie geistig wenig mehr als ein äußerst konservativer Redneck, das gesamte Spiel über nicht weichen.

     

    Mag sein, dass das dem Setting geschuldet ist: In den Zeiten nach der Apokalypse verkommt homo homini lupus zur Erfolgsformel für das eigene Überleben. Zudem hat Wayne eine Mission – und die duldet es nicht, dass Gefühle wie Mitleid oder Rücksicht aufkommen: In den Trümmern von Seattle sucht er nach seiner Frau und Tochter. In Form eines Tagebuches, das er mit sich herumträgt und dessen verloren gegangene Seiten mit fortschreitendem Spielverlauf nach und nach wiedergefunden werden, erfahren wir mehr über die Hintergründe.

     

    Die akustisch sehr stimmungsvoll untermalte Suche selbst läuft in zweidimensionalen Plattformer-Stil ab, der aufgrund trister Farbgebung hier und da an Limbo erinnern mag, technisch dank verschiedener Tiefeneffekte jedoch stärker in Richtung Shadow Complex geht. Randall kann klettern, hangeln und springen. Diese Fähigkeiten erlauben das Bewältigen der zahlreichen Hindernisse, von Mauern über Kanalisationen bis hin zu verfallenen Militärbasen. Dabei kommt es stets auf das richtige Timing an: Punktgenau abspringen, landen oder rechtzeitig einen rettenden Vorsprung erreichen, entscheidet über Leben und Tod und macht Deadlight letztlich zu einer klassischen Trial & Error-Erfahrung. In deren Mittelpunkt glücklicherweise nicht die Kämpfe gegen Horden ehemals menschlicher Zeitgenossen stehen. Die sind zwar vorhanden, werden aber bestmöglich gemieden – sind Randalls Kraftreserven doch endlich, die Munition für Revolver und Flinte äußerst limitiert und die Gegner meist hoffnungslos in der Überzahl. Statt der Auseinandersetzung lohnt es folglich eher, das Weite zu suchen.

     

    Insgesamt ist Deadlight trotz einiger Passagen, in denen nur weiterkommt, wer stur auswendig lernt, recht schnell erledigt. Die zweieinhalb bis drei Stunden Spielzeit sind atmosphärisch jedoch zu einer Dichte komprimiert, die das nicht weiter tragisch erscheinen lässt. Statt sich in der Nachwelt lediglich durchzuschlagen, widmet sich Deadlight ganz dem Gedanken an eine Restauration: Die Wiederherstellung des Familienglücks steht im Zentrum, nicht das bloße Überleben. Lediglich die pseudo-klugen Sprüche, die Randall unentwegt von sich zu geben scheint, wirken deplatziert. Ansonsten mag man die träge Steuerung der Spielfigur kritisieren oder als von den Machern gewollt begrüßen – am Umstand, dass der digitale Exitus von Randall Wayne bisweilen in Geduld raubender Häufigkeit auftritt, ändert es nichts.

     

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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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