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The Amazing Spider-Man

10.07.2012

Ich glaube, ich Spinne

Der Sommer der Superhelden geht in die nächste Runde:  Die Filmserie von Marvels Vorzeigeheld wird in The Amazing Spider-Man neugestartet, kurz nachdem bereits die Heldenkollegen von den Avengers die Welt retteten. Im gleichnamigen Videospiel schwingt der Spinnenmann durch das digitale Manhattan und hat sich ein paar Tricks von einem Helden abgeguckt, dessen dritter Film in diesem Sommer den Abschluss einer Trilogie markiert. Ganz ohne Höhenangst sprang NORMAN VOLKMANN mit Spider-Man kopfüber vom Empire State Building und gab sich vor allem dem fiesen Sammeltrieb hin.

 

Was danach geschah

Das Videospiel zum Film wird als Epilog beworben und erzählt eine ganz eigene Geschichte. Daher gilt allerdings: Spoiler-Gefahr! Durch einen Unfall wird ein gefährliches Virus auf die New Yorker losgelassen, dass sie zu Mutanten werden lässt, die halb Mensch, halb Tier sind. Um den Ausbruch zu bekämpfen, hat Oscorp – die Firma, die auch das Virus erschuf – Roboter gebaut, welche die Misch-Formen erkennen und bekämpfen sollen. Mitten im Gewirr dieses Schlamassels gerät nun auch Spider-Man ins Kreuzfeuer der Roboter-Armee, der als menschliche Spinne nicht wirklich gut bei den Blech-Soldaten ankommt. Der Superheld findet sich in einer spannenden Mission wieder, in der er seine Freundin retten, Infizierte bekämpfen und eben diesen Roboter und menschliche Schergen Oscorps besiegen muss.

 

Bei dieser Schar an Gegnern ist es umso hilfreicher, dass es ein komplett neues Kampfsystem gibt, in dessen Mittelpunkt die Netzsprint-Fähigkeit steht. Mithilfe dieser verlangsamt Spidey die Zeit und kann sich in Räumen orientieren und bestimmte Gegner gezielt ausschalten. Die Fähigkeit erinnert stark an Batmans Detektivmodus – eine von mehreren Ähnlichkeiten, die es aus Gotham nach New York geschafft haben. Spider-Man kann mittlerweile taktisch vorgehen und Gegner lautlos und unbemerkt ausschalten. Kopfüber beobachtet man die Laufwege der ahnungslosen Feinde, um sie im richtigen Augenblick zu überrumpeln und in einen Kokon an der Decke zu befestigen. Wird man entdeckt, hat man die Wahl entweder zu flüchten oder die Gegner ganz klassisch im Faustkampf auszuschalten. Wenn man bereits einen der letzten beiden Batman-Teile gespielt, findet man sich im Kampfsystem zurecht. Schlagen, Kontern, Springen und Spezialattacken sind nahezu übernommen worden. Ununterbrochene Schlagkombinationen bauen ermöglichen Spezialtechniken und kraftvolle Abschlussmanöver. Wird es Zeit auszuweichen, macht sich der Spinnensinn zum rechtzeitigen Parieren bemerkbar. Spätestens, wenn man den ersten Gewehren in den Lauf schaut, gilt es aber vorsichtig und taktisch vorzugehen, mehr als ein paar Kugeln überlebt die Spinne nicht.

 

Um den sich stärker werdenden Gegnertypen im Spielverlauf weiterhin die Stirn bieten zu können, entwickelt sich auch der Superheld weiter. Mit wachsender Erfahrung können viele neue Kampftechniken und Anzugsupgrades dazugekauft werden – auch hier hat sich der Spinnenmann ein paar Tipps vom dunklen Ritter aus Gotham holen können.

 

 

Freiheit

Ähnlich der vorherigen Film-Titel ist Manhattan wieder frei begehbar und genau das macht auch den Reiz des Spiels aus. Nach teilweise sehr langen Handlungsmissionen in abgeschlossenen Schauplätzen wie Laboren oder Abwasserkanälen habe ich es genossen, durch die Luft zu schießen, der Sonne entgegen zu schwingen und überall die mehr oder minder gut versteckten Comic-Seiten einzusacken. 700 Seiten gilt es einzusammeln, um alle verfügbaren Comics freizuschalten. Eine gute Idee, so erlebt man die ersten Auftritte von Spider-Man selbst, der Echse, Rhino oder Gwen Stacy ganz bequem auf dem Fernseher. Den Sammeltrieb hätten aber sicher auch 200 Seiten weniger gleichermaßen befriedigt. Neben Sammelmissionen hilft man zudem einmal mehr fleißig dem NYPD und verfolgt Verbrecher bei Verfolgungsjagden, bringt Infizierte in Krankenhäuser oder schießt Fotos für eine befreundete Journalistin. Allerdings kennt man die verschiedenen Extra-Missionen nach kurzer Zeit in- und auswendig, denn die Dialoge und Abläufe bleiben immer gleich. Das funktionierte in Arkham City deutlich besser, besonders bei den mehrteiligen Nebenmissionen, die zusätzliche Handlungsstränge in das Hauptspiel integrierten.

 

Trotz der fehlenden Innovation und der offensichtlich »entliehenen« Spielelemente aus Batman Arkham City ist The Amazing Spider-Man noch lange kein schlechtes Spiel. Allein das Erkunden der Insel beschäftigte mich so lange und bereitet einen Heidenspaß, dass ich tatsächlich einen Großteil der unzähligen Comic-Seiten gesammelt habe, ohne auch nur einen Gedanken an die Hauptmissionen verschwendet zu haben. Deren Handlung vermisst an vielen Stellen die Highlights und kämpft mit einigen sich wiederholenden Spielabläufen, überzeugt aber oftmals bei den beindruckend inszenierten Bosskämpfen – gerade gegen riesige Roboter.

 

 

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