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    Samstag, 27. Mai 2017 | 04:24

    Defense Grid: The Awakening

    17.04.2012

    Achievement fressen Spielkultur auf?

    Freischaltbare Achievements sind in den letzten Jahren zu einem elementaren Bestandteil von digitalen Spielen geworden. SEBASTIAN STANDKE kritisiert diese Entwicklung und präsentiert ein kleines Gegenbeispiel, wie es besser laufen kann.

     

    Meistens erwerbe und spiele ich meine Computerspiele via Steam. Meistens wird bei Neuerscheinungen neben innovativen Gameplay-Mechanismen und Spielkonzepten auch damit geworben, dass es Dutzende Achievements zu entdecken gibt. Meistens erweisen sich aber gerade diese Achievements als trivial, weil sie einfach nur das Durchqueren der vorgesehenen Spielestationen honorieren. Aber eben nur meistens. Es gibt viele Beispiele, die einen nutzlosen bis sogar destruktiven Umgang mit Achievements aufweisen.

     

    In dem eigentlich äußerst respektablen Puzzle Agent 2 – schon der Titel verrät, worum es hier geht: Rätsel bzw. Puzzle zu lösen –, blinkt den SpielerInnen für jedes gelöste Puzzle ein »Achievement unlocked«-Fenster entgegnen. Aber wozu? Ich weiß doch selbst, dass ich gerade das Puzzle gelöst habe. Schlimm wird der Achievement-Wahnsinn bei Spielen wie Zombie Driver, bei dem viele Achievements nur an die Anzahl der umgefahrenen Untoten gekoppelt ist: »Das war Notwehr. Ich schwöre!: Töte 10.000 Zombies im Gemetzelmodus.« Oder, noch besser: »Warum hasst du sie so sehr?: Töte 50.000 Zombies im Gemetzel-Modus.« Das ist schade, da hier nicht etwa die SpielerInnen belohnt werden, die am besten, sondern am längsten spielen. Hier zerstören Achievements also zu einem gewissen Teil die Spielekultur und hinterlassen einen faden Beigeschmack bezüglich des Mediums Computerspiel, da es hierbei zur reinen Zeitverschwendung animiert.

     

    Entscheidungsminimalismus und Spieltiefe

    Auch das Tower Defense-Spiel Defense Grid: The Awakening von Hidden Path Entertainment könnte leicht in diese Schublade geschoben werden. Man erhält Achievements für das Töten von einem Alien, von 100 Aliens, von 1000 Aliens bis hin zu 50.000 Aliens (dafür wird man mit dem ausdruckskräftigen Achievement »Xenozid« belohnt). Selbst banalste Spielabläufe, wie das Upgraden eines Turms oder der Verkauf von fünf Türmen, werden honoriert. Allerdings finden sich in den unteren Sparten ein paar interessante Exemplare, die dazu einladen Defense Grid: The Awakening mal komplett anders zu spielen.

     

    Möchten SpielerInnen beispielsweise das Achievement »Schießwütig« / »Feuerteufel« / »Kanonier« erlangen, so dürfen sie in einem der fortgeschrittenen Level nur Geschütz-/Inferno-/Kanonentürme einsetzen. Das Spiel setzt damit auf Entscheidungsminimalismus, der allerdings den SpielerInnen eine tiefere Kenntnis des Gameplays abverlangt als sonst üblich, da die ausufernde Stärke anderer Türme (wie dem Meteorturm) nicht genutzt werden kann. Auch ist es hier nicht mehr möglich, die Geschwindigkeit der exorbitanten Feinde mittels einem sogenannten Temporalturm auf einen Bruchteil zu minimieren, wodurch die Wege der Aliens automatisch weitgehend verlängert werden müssen. Apropos Minimieren: Das Achievement »Minimalist« erhalten SpielerInnen nur für den Fall, dass sie ein fortgeschrittenes Level ausschließlich mit nicht aufgestuften Türmen gewinnen – der recht hohe Schwierigkeitsgrad einer solchen Aufgabe bedarf wohl keiner weiteren Erläuterung.

     

    Schluss damit!

    Achievements haben ein hohes Potenzial um SpielerInnen tiefere Kenntnisse des Gameplays abzuverlangen und damit das Spielerlebnis selbst zu intensivieren. Problematisch wird ihr Einsatz jedoch, wenn sie lediglich als Selbstzweck eingebaut werden: Eine Belohnung für nichts, was man nicht eh getan hätte, folgt keiner Logik und stuft sich selbst damit unnötig ab. Sämtliche ProgrammiererInnen täten gut daran, Achievements nicht mehr als notwendiges Werbe-Feature zu behandeln, sondern als das, was es sein sollte: eine Belohnung für eine gemeisterte Herausforderung.

     



     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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