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Kid Icarus Uprising

27.03.2012

Abgehoben, aber kein Überflieger

Der 3DS feiert in diesen Tagen den ersten Geburtstag und pünktlich zum Jubiläum bereichert Nintendo das immer noch überschaubare Portfolio des Handhelds um eine weitere Eigenproduktion. VOLKER BONACKER hat sich an Kid Icarus Uprising versucht.

 

Diese Besprechung beginnt mit einem Outing: Ich hatte in meiner Kindheit nichts mit Kid Icarus für NES oder Gameboy zu tun. Ein NES sah der elterliche Geldgeber nicht vor und im Freundeskreis befand sich niemand, der die Fassung für den Gameboy besessen hätte (seinerzeit wurden Spiele schließlich noch getauscht und nicht immer nur gekauft - ein Alptraum für die »Wer nicht zahlt, ist ein Prolet«-Regeners dieser Welt). Diverse Quellen bestätigen jedoch, dass zumindest inhaltlich nichts verpasst worden sei. Stattdessen habe die Spielmechanik den Titel für quasi jeden Nintendo-Fan verpflichtend gemacht. Also doch was verpasst.

Immerhin: Die Geschichte verdient auch in Uprising keine großartige Erwähnung. Der ebenso tapfere wie dauerbrabbelnde Held Pit kämpft im Verbund mit der Göttin Lady Palutena gegen die Schergen-Anführerin Medusa und deren Komparsen - meist ebenfalls versehen mit Namen aus der griechischen Mythologie. Mehr Handlung benötigt das Spiel nicht, schließlich steht auch im Ableger für 3DS die Mechanik im Vordergrund, während die Geschichte lediglich den notwendigen Rahmen für ein äußerst sehenswertes 3D-Erlebnis bildet. Hier kommt es zum Bruch mit den Vorgängern: Mit deren 2D-Plattformer-Ablauf hat Uprising nichts mehr gemein.

 

Immobiler Handheld

Stattdessen sind die Level zweigeteilt. Zunächst gleitet Pit durch die Lüfte, außer Ausweichen und feindliche Kräfte aufs Korn nehmen gibt es nichts zu tun. Mit der linken Hand bewegt der Spieler den Railshooter-typisch von selbst vorwärts fliegenden Pit in der Horizontalen via Analogstick nach links, rechts, oben oder unten, während per Druck auf die Schultertaste das Feuer eröffnet wird. Mit der rechten Hand und dem Stylus-Stift bewegt man das Fadenkreuz: Die auf dem unteren Bildschirm des 3DS angetippte Position wird auf dem oberen Screen im Spiel abgebildet. Anschließend muss lediglich der Abzug betätigt werden. Da sich der 3DS auf diese Weise nicht gleichzeitig gut halten und genau bedienen lässt, legt Nintendo ein Plastik-Podest bei, auf dem das Gerät gelagert wird - ein Gedanke, der dem Mobilitätsprinzip der Hardware deutlich widerspricht.

Die Steuerung ist binnen fünf Minuten verlinnerlicht. Mehr Zeit bleibt auch nicht, denn nach genau diesem Zeitraum beginnt der zweite Levelabschnitt, in dem Pit auf dem Boden der Tatsachen landet, die da lauten: Die Bedienung, eben noch einfach und eingängig, wird in den Szenen auf festem Grund zum größten Manko. Zu behäbig lässt sich die kleine Figur nach links oder rechts drehen, zielen und treffen verkommen zum Glücksspiel. Schade.

 

Abseits dieser Mankos ist Kid Icarus Uprising ein großartiges Spiel, das besonders mit den schier endlosen Möglichkeiten zwischen den Leveln glänzt: Gefundene Waffen können aufgerüstet, kombiniert oder gegen Spielwährung eingetauscht werden, die wiederum zum Kauf neuer Items dient. In einem Tetris-artigen Puzzlespiel versieht man die Waffe mit so vielen Effekten wie auf ein 6x6 Zellen großes Feld passen. Zusätzlich wollen 120 zu Beginn verdeckte Felder eines Bildes Stück für Stück enthüllt werden. Und einen Mehrspieler-Modus gibt es ebenfalls. Selbst für einen Trainings-Part, in dem neue Waffen ausprobiert werden können, war Platz. Ein Schwierigkeitsgrad, den der Spieler per Wetteinsatz Level um Level neu festlegt, rundet den Gesamteindruck ab: Kid Icarus Uprising ist nicht nur äußerst umfangreich, sondern sorgt durch genial einfache wie süchtig machende Minispiele für Dauerbeschäftigung. Ein weiteres Positivbeispiel aus der für 3DS immerhin länger werdenden Reihe »Videospiele, die auf diese Art nur NIntendo machen kann«. Fast. Denn die Steuerung der Bodenabschnitte und das mobiles Spielen verhindernde Plastik-Podest verhindern, dass der Titel auch 2012 noch so vorbehaltlos weiterempfohlen wird wie die legendären Vorgänger Anno 1991 und 1986.

 



 

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