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    Journey für Playstation 3

    06.03.2012

    Großes aus Kleinem

    Entzauberung eines abgedroschenen Claims: Die Entwickler Thatgamecompany zeigen mit ihrem dritten Titel für Playstation 3, dass mehr eben nicht mehr ist, sondern ein auf elementare Tätigkeiten wie laufen und springen reduziertes Spiel mitreißender sein kann als vor Explosionen und Feuergefechten strotzende Blockbuster-Produktionen. VOLKER BONACKER hat sich in Journey auf die Reise begeben.

     

    2011 veranstaltete Sony während der Gamescom eine Podiumsdiskussion namens »The next 10 years in games«. Es ließe sich nun trefflich darüber streiten, ob nicht bereits der Versuch, derart futuristische Themenkomplexe im Rahmen einer 60-minütigen Debatte dingfest machen zu wollen, a priori zum Scheitern verurteilt ist. Statt derartiger Metaebenen-Diskussionen ist die Veranstaltung jedoch ob der Auftritte zweier Beteiligter in Erinnerung geblieben: »Crash Bandicoot«-Designer Mark Cerny, der als Enfant-Terrible des Abends den anwesenden Industrie-Vertretern Rotwein-trinkend den verbalen Mittelfinger entgegenhielt und Kellee Santiago, Mitgründerin des Entwicklers Thatgamecompany. In verschiedenen Wortmeldungen machte sie darauf aufmerksam, dass nicht die Technik hinter den Spielen das Entscheidende ist, sondern die Emotionen, die Games zu erzeugen in der Lage sind: »Do games touch us? They can, they do now.«

     

    Die eigene Reise

    Das selbstredend von Thatgamecompany stammende Journey zeigt, wie viel mit wenig möglich ist. Ziel des Spiels ist es, eine androgyne Gestalt durch eine beinahe comichaft gemalte Wüste und über schneeverwehte Hänge einen Berg hinauf zu begleiten. Auf dem Weg von A nach B gibt es nichts zu tun, außer sich an den Darstellungen der Umgebung sattzusehen und Dünen hinaufzuklettern oder hinabzugleiten. Breitet das Wesen seinen Mantel aus, ist für kurze Zeit ein Dahinfliegen möglich. Gut versteckt finden sich während des Trips Extras, die den Schal der Figur verlängern. So kann sie länger durch die Luft gleiten. Feinden begegnet man während der Reise selten. Zu Auseinandersetzungen mit den an die Wächter aus Matrix erinnernden Gegnern kommt es dabei nie, stattdessen gilt es, sie umgehen.

    Wie kann ein Spiel, das als unverzichtbar wahrgenommene Gameplay-Elemente wie Lebensbalken, Missions-Logbuch, Kämpfe, Kompetition oder auch nur eine Hintergrundgeschichte mit beinahe schon schallendem Lachen vor die Tür befördert, begeistern? Dieser Frage lohnt es sich nicht erst mit Journey nachzugehen. Schon Ico und der Nachfolger Shadow of the Colossus haben nach ähnlichem Prinzip funktioniert, zahlreiche Indie-Titel machen heute nichts anderes. Sie lassen dem Menschen vor dem Bildschirm größtmöglichen Interpretationsspielraum und damit eine eigene Geschichte - in diesem Falle eine eigene Reise getreu dem inflationär über-zitierten Motto »Der Weg ist das Ziel«.

     

    Auf die Journey werden Spieler allerdings nicht alleine entsendet: Über die Mehrspieler-Funktion treten andere, zufällig ausgewählte Mitspieler bei. Sie erscheinen einfach so auf dem Bildschirm und gehen den Weg mit. Es ist nicht möglich, mit ihnen über Text- oder Sprachnachrichten zu kommunizieren. Lediglich über kryptische Zeichen, die die eigene Figur per Knopfdruck von sich gibt, kann man sie merken lassen, dass man von ihrer Anwesenheit Notiz genommen hat. Diese von verschiedenen Tönen begleiteten Kontaktversuche sind auf ihre eigene Art die vermutlich größte emotionale Nähe, die ein digitales Spiel bis heute zwischen seinen Teilnehmern zu erzeugen in der Lage war. Thatgamecompany hat mit den ebenfalls für Playstation 3 veröffentlichten Titeln Fl0w und Flower gezeigt, wie wenig es auf Sender-Seite bedarf, um beim Empfänger komplexe Emotionen wie Traurigkeit zu erzeugen. Mit Journey liefern die Kalifornier ein drittes, ebenso stilles und gerade deshalb so beeindruckendes Meisterwerk ab.

     

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    Kommentar:
    Toller Beitrag. Er trifft genau ins Schwarze. Das Spiel hat mich total mitgerissen. Ich war hin und weg. Nur zu empfehlen wenn man etwas besonderes und emotionales spielen möchte.
    | von Kilian, 18.03.2012
    Die deutsche Synchro scheiße
    | von Manu, 22.03.2012

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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