Und auf Englisch?
Slate Jahresrückblick-Rodeo
Natürlich wurde auch im englischsprachigen Raum ordentlich zurückgeblickt. Wie jedes Jahr sticht dabei Slate aus dem Listeneinerlei hervor: Das Jahr wird noch einmal Revue passiert in einem Briefwechsel von vier Leuten, die alle sehr unterschiedliche Perspektiven auf das Computerspiel haben, aber durchgehend sehr eloquent sind. Das 2011er-Rodeo bestritten Chris Suellentrop (New York Times), Michael Abbott (Brainygamer), Tom Bissell (u.a. Paste) und der Schriftsteller Charlie Yu.
Kill Screen: High Scores
Auf einen weiteren Jahresrückblick in Listenform sei dennoch verwiesen: Die Liste von Kill Screen zeichnet sich aus durch einige überraschende Favoriten – und den weniger überraschenden Witz, bei der Würdigung auch ungewöhnliche Umwege wie die über Erläuterungen der englischen Grammatik zu gehen.
Gamasutra: The Making of Fez, The Breaking of Phil Fish
Simon Parkins liefert ein schonungsloses Portrait von Phil Fish, der sich über die Entwicklung seines Indie-Spiels Fez an den Rand des nervlichen und sozialen Zusammenbruchs geschuftet hat.
Wired: The Curse of Cow Clicker: How A Cheeky Satire Became A Video Game Hit
Jason Tanz porträtiert einmal mehr den prominentesten Vertreter der Game Studies, Ian Bogost. Worin sich sein Artikel von den bisherigen Auseinandersetzungen Cow Clicker, dessen Satire auf ausbeuterische Natur von Facebook-Spielen ist, unterscheidet, ist schiere Breite – und dass der Artikel selbst als Spiel funktioniert.
Eurogamer: It Saint where you're from, it's where you're at.
Kieron Gillen, der verlorene große Sohn des Game-Journalismus, lässt das übers Spieleschreiben nicht: Er huldigt nicht nur dem brillantesten Pimmel-Witz des Jahres, Saints Row The Third, sondern gibt (als Ergänzung zum Game-Weihnachtskalender seines Stammsitzes Rockpapershotgun) auch noch einen gewohnt persönlichen und eilgetippten Rückblick über sein Spieljahr. Wir freuen und tanzen im Kreis.
PC Gamer: The Elder Strolls
Skyrim bietet schier endlose Abenteuer mit fantastisch doofen Monstern und Helden – Christopher Livingstone entscheidet sich gegen eine Existenz als heldenhafter Drachenjäger und für das langweilige Leben eines Taugenichts, der Abenteuern aus dem Weg geht. Herausgekommen ist eine Reihe sehr unterhaltsamer Artikel darüber was passiert, wenn Spieler gegen Spiele rebellieren.
Gameranx: Should We Talk About The Weather?
Noch mehr Skyrim: Rowan Kaiser will mit uns über das Wetter reden – nicht um peinliche Gesprächspausen zu überbrücken, sondern um darüber zu sinnieren, wie Wettereffekte in Skyrim und anderen Spielen das Gefühl für die Spielwelt entscheidend beeinflussen können.
Eurogamer: Telling Tales: Skyrim and Dark Souls
… und wo Skyrim ist, kann Dark Souls nicht weit sein: Die beiden grundverschiedenen Rollenspiele haben die Blogosphäre in der zweiten Jahreshälfte dominiert, und auch im Dezember änderte sich daran nichts:
Rich Stanton vergleicht die diametral entgegengesetzten Strategien, mit denen die beiden Spiele ihre (Hintergrund-)Geschichte etablieren: »Both are great games. But where the world of Skyrim feels like a glorious place from an imagined past, Dark Souls plays like the future.« Tom Bissell – der seit seinem Buch Extra Lives auf der Spur nach den narrativen Möglichkeiten des Computerspiels ist, kam bereits Ende November zu einem ähnlichen Fazit: »Tense expositional lore has no place in video-game stories — especially stories that go without highly wrought cinematics — and it seems increasingly clear that video games are neither dramatically effective nor emotionally interesting when the player's role becomes that of a dialogue sponge. More simply put, the stories of Demon's and Dark Souls are told in a way that only video games can tell stories. They don't suffer in comparison because there's no comparison to make.«
Rock, Paper, Shotgun: Level With Me
Eine der faszinierendsten und fruchtbarsten Artikelserien der letzten Zeit fand im Dezember ihren Abschluss: Robert Yang, der mit seiner Radiator-Serie zu Ruhm und Ehre in der Mod-Szene gekommen ist, interviewt eine Reihe von Entwicklern und Moddern seiner Wahl. Endziel ist ein kooperativ erstellter (und herunterladbarer) Portal 2-Level – aber die Gespräche holen viel weiter aus und bringen nicht nur erhellende Einsichten zu Leveldesign, sondern zum kreativen Prozess der Game-Erstellung an sich.
Radiator Blog: On The First Person Military Manshooter and The Shape of Modern Warfare
Apropos Robert Yang: Bereits ein wenig älter ist ein Blogeintrag, der immer noch lesenswert ist. Darin macht er sich kritische Gedanken zum modernen Militärshooter: »I used to agree with Magnar on the military manshooter's ethical responsibility: that it has none. That everyone knows it's junk food, and so no one expects any nutritional benefit from it. However, that brand of cynicism, of lazy distance, I realized, is its own type of junk food. It's a dead end because it has given up any hope of a different future.«
Foto: © Jörg Fuchs