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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 04:51

    Supremacy MMA

    22.11.2011

    »I felt like destroying something beautiful.«

    1993 sollte die Frage der effektivsten Kampfsportart endgültig in einem achteckigen Käfig im Kampf Mann gegen Mann geklärt werden. »Human cockfighting« nannte damals der amerikanische Senator John McCain – Mixed Martial Arts (MMA) ist wohl der gebräuchlichere Begriff. 2011 ist die Ultimate Fighting Championship (UFC) als erfolgreichste MMA-Organisation in der amerikanischen Mitte angekommen. Supremacy MMA hat jedoch mit der verweichlichten Mainstream-Version des Sports ein Hühnchen zu rupfen. PETER JUST tauschte zu diesem Zweck die 7 oz. Handschuhe gegen ein Pad ein.

     

    »Without pain, without sacrifice, we would have nothing. Like the first monkey shot into space.«

    Zwei Ankündigungen brachten Gewissheit über die Akzeptanz des MMA Sports in den USA: Zum einen die Sponsorenverträge von Burger King und Nike mit dem derzeitig dominanten Middleweight Champion Anderson Silva, zum anderen die Kooperation zwischen der UFC und der FOX Broadcasting Company, der derzeit erfolgreichsten Fernsehgesellschaft in den Vereinigten Staaten. Die UFC wird hier in vergleichbarer Weise mit den Flaggschiffveranstaltungen der National Football League vermarktet und machte den Sport zum ersten Mal der breiten Masse zugänglich. MMA Kämpfe werden zum Massenphänomen und der amerikanische Volkssport des Monday-Morning-Quarterbacking könnte durch die Erscheinung von Watercooler-Referees ergänzt werden. Damit steigt langsam auch die Akzeptanz für die Akteure. Ein blaues Auge, Schrammen im Gesicht und Würgemale um den Hals – was bisher schon mal einen Spruch über verpönte Sexualpraktiken nach sich zog, kann heute immer schneller mit einem lapidaren Hinweis auf das Training am Vortag aus der Welt geschafft werden. Die Glorifizierung von Kampfverletzungen ist passé, ein weiteres Tabu dahin.

     

    »I want you to hit me as hard as you can.«

    Supremacy MMA ist ist diesem Fall reaktionär. Es sehnt sich nach den guten alten Zeiten, als Kampfsport (nicht Kampfkunst) noch als rebellischer Akt gesehen werden konnte, als finale Männlichkeit etablierender Zweikampf. Schmutzig geht es zu bei Supremacy MMA: Neben einer großen, klinisch wirkenden und damit langweilig erscheinenden Arena sucht man hier in den Auswahlmöglichkeiten der Kampfstätten bewusst Anleihen an Untergrundkämpfe, Gefängniskeilereien und zwielichtige Casinos. Man legt Wert auf das Unreglementierte und kann als Spieler auf einen Abbruch durch den Ringarzt lange warten. Hier überstrecken Gelenke nunmal letztlich nach einer lange gehaltenen Armbar und Knockouts ziehen Knochenbrüche, klaffende Platzwunden und schimmernde Hämatome mit sich. 

    Doch irgendwo zieht sogar Supremacy MMA die Bremse der Korrektheit. Ja, es ist das erste MMA Spiel in dem man auch Frauen in Kämpfe schicken kann. Dies ist jedoch nur in einem gesonderten Modus möglich und es stehen gerade mal zwei Kämpferinnen zur Auswahl. Und so ist die »Femme Fatalle« Option – der sexuelle Unterton ist wohl bewusst gewählt – eine verschenkte Möglichkeit, Frauen im Kampfsport als eine Selbstverständlichkeit zu präsentieren. Das Kampfverhalten der beiden Damen ist dasselbe, die 08/15 Geschichte des Storymodus ist vergleichbar und dennoch handelt es sich um einen Fremdkörper im Spiel. Schade.

     

    »After fighting, everything else in your life got the volume turned down.«

    Untergrundcharakter hin oder her, Supremacy MMA schafft es nicht, sich gegen die Konkurrenz im Mixed Martial Arts Videospielmarkt durchzusetzen. Die UFC Undisputed Reihe bleibt unangefochten auf der Spitzenposition und überzeugt durch die angenehmere Steuerung, technische Ausgefallenheit und auch aufgrund der Lizenzen. Die Entwickler von Kung Fu Factory konnten ihre Vision eines MMA Spiels im Arcade-Stil nicht umsetzen. Zu ungenau und langsam wirkt die Kontrolle der KämpferInnen, zu schwammig die lose Aneinanderreihung der hölzernen Animationen.

     

    Vielleicht hätte Supremacy MMAmit einem Charaktereditor noch etwas Boden gutmachen können, so bleibt am Ende jedoch ein mittelmäßiges Spiel, welches provozieren muss, um überhaupt aufzufallen. Den UFC Undisputed Entwicklern bei THQ und UFC Präsidenten Dana White wird diese gescheiterte Konkurrenz keine schlaflosen Nächte bereiten.

     



     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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