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Batman: Arkham City

15.11.2011

Du bist Batman!

Hier nicht in Lobhudelei zu verfallen ist wirklich schwer: War der Überraschungshit Arkham Asylum das beste Superheldenspiel seiner Zeit, so wird es jetzt ohne Diskussion von seinem Nachfolger vom Thron gekegelt. Batman: Arkham City macht eigentlich alles richtig und serviert einen Magic Moment nach dem anderen auf dem Silbertablett. FRANZISKA BECHTOLD schlüpfte in die Rolle des DC-Helden.

 

Nicht zu spoilern fällt schwer, vollbringt Batman: Arkham City doch die narrationstechnische Meisterleistung unzählige Bösewichte unter ein Dach zu bekommen, ohne dass es unnatürlich, konstruiert oder übertrieben wirkt. So viel sei verraten: Batman wird von Hugo Strange gefangen genommen und von Joker vergiftet. Strange spricht von der Aktivierung des mysteriösen Protokolls 10 und entlässt den schwarzen Ritter in das düstere Arkham.

 

Batman and the City

Der Look des Spiels sprudelt vor Authentizität: Arkham City, ein heruntergekommener und verwüsteter Stadtteil Gothams, wurde zur Gefängnisstadt umgebaut. Hier kreucht und fleucht die Crème de la Crème der Psychopathen und das Setting spiegelt genau dies wieder: zerstörte, überflutete Straßenteile, dreckige Gassen und grelle Neonbeleuchtung, wohin man sieht. Beim nächtlichen Rundflug entdeckt man die ganz individuellen Bereiche der Bösewichte: Jokers Funhouse oder Ivys Hotel sind unverkennbar und vollgestopft mit verliebten Details. So findet man unterwegs den ein oder anderen geköpften, einäugigen Teddybär, der das Tüpfelchen auf dem i für die gruselig düstere Atmosphäre ist.

 

Auch in Sachen Charakterdesign übertrifft sich Rocksteady noch einmal selbst: Joker, Strange, Penguin und Co. bilden die perfekte Balance zwischen Pseudo-Realismus und überzogener Comichaftigkeit und bieten ein ums andere Mal ein Bild des Schreckens für den Spieler. Jokers von Krankheit gezeichnetes Gesicht oder Two-Faces »The-Dark-Knight«-Gedächtnis Fleischlook lassen dem Spieler einen kalten Schauer über den Rücken fahren. Zu »Miss Arkham City« müsste wohl Catwoman gewählt werden, die als DLC ebenfalls spielbar ist und eigene Missionen mitbringt. Sie strotzt vor Sex-Appeal und ihr Charakter wurde auch während der Kampfsequenzen konsequent umgesetzt: Da bekommt der Fiesling gerne mal ein Küsschen, bevor man ins Land der Träume schickt. Möchte man an dieser Stelle meckern, dann höchstens über die deutsche Synchronisation, die leider das eine oder andere Mal, zum Beispiel im Fall von Harley Quinn, ein Stück Persönlichkeit von den Charakteren nimmt. Die quäkig-naive Stimme des Originals weicht einer schrillen, flachen Interpretation. Wer nicht gerne Erbsen zählt, muss sich darüber allerdings keine Gedanken machen.

 

Batman to the Rescue!

Batman selbst, der glorreiche doch verletzliche Held verspricht höchsten Identifikationsgrad. Der Spieler muss denken wie Batman, handeln wie Batman – er ist Batman! So erledigt man auf dem Weg zur Weltrettung auch ein paar unliebsame Rabauken (die mit ihren Diskussionen, welcher Bösewicht der beste Boss ist, die Stadt zum Leben erwecken) oder beschützt politische Gefangene. Die zahlreichen Nebenmissionen finden sich sozusagen an jeder Straßenecke. Sie integrieren sich teilweise perfekt in die Story und halten den pflichtbewussten Batman-Spieler über Stunden hinweg mit Rätsellösen, Geiseln retten, Behälter sprengen und vielem, vielem mehr auf. Der Hauptquest, welcher mit etwa 10 Spielstunden schon ausgiebig ist für ein Comic-Lizenzspiel, macht nicht einmal die Hälfte des kompletten Games aus.

 

Die Vorgehensweise hat sich im Grunde nicht verändert, Technik und Schwierigkeitsgrad wurden allerdings nach oben geschraubt. Der Free-Flow Kampf-Modus (man kennt ihn aus Assasins Creed) wurde verbessert, er ist schneller, effektiver und die Combos und Gadgets kommen flüssiger zum Einsatz. Auch die Schleich-Missionen rund um das unauffällige Ausschalten bewaffneter Gegner hat sich im Prinzip nur um eine Vielzahl von Gadgets (Alfred: »Haben Sie schon mal über einen größeren Gürtel nachgedacht?«) erweitert. Diese braucht man auch, um die 400 Riddler Rätsel zu lösen, die für den Abschluss einer Nebenmission notwendig sind. Ein kleines Manko: Die Rätsel sind häufig so schwer, dass der Spieler nicht einmal im Ansatz versteht, was zu tun ist, Erklärungen oder Tipps gibt es keine.

 

Was soll man also groß um den heißen Brei reden: Batman: Arkham City ist großartig, macht Spaß und fesselt durch spannend erzählte Story, Detailliebe und Authentizität. Eines der besten Spiele des Jahres und das beste Superheldenspiel aller Zeiten. Punkt.

 



 

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