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    Freitag, 18. August 2017 | 08:58

    Street Fighter II - Sonderausstellung im Computerspielemuseum Berlin

    15.11.2011

    Groggy in Berlin: Street Fighter II goes Art

    Im Berliner Computerspielemuseum gibt es eine Wand, die für die Meilensteine der Computerspiele reserviert ist. Mario und Zelda befinden sich dort neben Sim City oder Die Sims. Auch das Beat-'em-up Street Fighter II ist in die Riege der Meilensteine aufgenommen. Doch nicht nur das. Der Künstler Stefan Schwarzer hat sich vom Kampfspiel inspirieren lassen und daraus Kunst gemacht. Das Ergebnis daraus ist ab heute bis zum 12. Dezember in der Sonderausstellung Street Fighter II im Computerspielemuseum Berlin zu sehen. Von BASTIAN BUCHTALECK

     

    Die japanische Firma Capcom hatte mit der Veröffentlichung des Spieles 1991 das Genre des Beat-'em-up wiederbelebt, vor allem durch die Neuerung der Special Moves, deren Ausführung Geschick und Timing benötigte. Auf diesem Aspekt wies der Direktor des Computermuseums Andreas Lange in seinem Grußwort deutlich hin. Damit meint Lange nicht nur die 1992 für die damals neue Konsole Super NES weltweit rund 6,3 Millionen verkauften Module. Wichtiger als die Verkaufszahlen ist ihm die kulturelle Bedeutung von Computerspielen. Wenn Menschen sich über das Spiel hinaus kreativ mit diesem beschäftigen – ob mit Verfilmungen, Fan-Art oder nun die Kunst Stefan Schwarzers –, entstehen gute Argumente für ein Museum, dessen Ausstellungs­gegenstände strenge Eltern am liebsten verboten hätten.

     

    Street Fighter II erlangt kulturelle Bedeutung

    Anschließend gab der anwesende Künstler für die Besucher eine kurze Führung durch seine Ausstellung. Schwarzer hat sich für die Kunstwerke auf verschiedene Techniken und Herangehensweisen eingelassen. Für die 204 Zeichnungen der Serie Groggy malte er zum Beispiel mit Filzstiften, um Kinder- und somit Fanzeichnungen zu imitieren. Zusätzlich zwang er sich, jeden Tag zehn dieser Bilder zu zeichnen – bis er total »groggy« war.

    Für die Porträtreihe S.F.2 zeichnete er ohne auf das Blatt zu sehen die acht klassischen Kämpfer mit einem Fineliner auf Papier. Natürlich hat Schwarzer die Charaktere – Ryu, Ken, E.Honda und die weiteren – fest vor dem inneren Auge. Denn als Junge ist er gemeinsam mit einem Freund in die Rolle der verschiedenen Kämpfer geschlüpft und hat die Kämpfe auf dem Schulhof nachgespielt. Allerdings sei er kein leidenschaftlicher Spieler, wiederholt Schwarzer mehrmals während der Führung, denn schon mit der Street Fighter II – Turbo Edition war Schluss für ihn. Er hat auch keinen der späteren Titel mehr gespielt, was die künstlerische Beschränkung auf die acht klassischen und die vier Boss-Charaktere erklärt.

     

    Foto: © Capcom Foto: © Capcom

    Lieblingscharakter Zangief muss ins Gefängnis

    Mit tidy your game und fighting colours sind in der knapp 20 m² Sonderausstellung auch zwei Videoarbeiten integriert. Seinem Lieblingscharakter, dem russischen Ringer Zangief, hat der Kunststudent der Kunsthochschule für Kunst und Design in Halle sogar eine eigene Installation gewidmet. Schwarzer überlegte sich, wie dieser seine Gefängniszelle eingerichtet hätte. Für das Ergebnis Zangief in my Mind gewann Schwarzer dieses Jahr den Jurypreis des Chemnitzer Kunstfestivals Begehungen.

    Insgesamt überrascht bei der Sonderausstellung die Bandbreite der angewandten künstlerischen Techniken. Gleichzeitig enttäuscht, dass diese Vielfalt sehr an der Oberfläche bleibt. Die Street Fighter-Kunst Schwarzers wird dem tatsächlichen kulturellen Einfluss des Spiels nicht gerecht, denn sie bleibt am grafischen Aspekt hängen, während eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Gameplay, den Charakteren oder den kulturellen Einflüssen wünschenswert wäre. Es reicht nicht, neue Bilder zu erzeugen, wenn sich die alten im Gedächtnis der Spieler eingebrannt haben. Für sich alleine ist die Ausstellung keinen Besuch wert. Da sie aber in das schöne Computermuseum Berlin integriert ist, sollte man sich durch die Sonderausstellung Street Fighter II dazu verleiten lassen, das ganze Museum kennenzulernen. Bei Sekt, Salzstangen und dem gemeinsamen Spielen von Street Fighter II auf dem SNES konnten die Besucher den Abend locker ausklingen lassen.


    Titelfoto: Jörg Metzner/Computerspielemuseum

     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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