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    André Heller / Lukas Sturm: Scheitern, scheitern, besser scheitern - auf DVD!

    22.09.2011

    Tischgespräche

    Zwei Männer sitzen an einem Tisch und reden mit einander. Die Kamera zeigt sie meist beide im Bild, in einem Two Shot, manchmal wird auf das Gesicht des einen oder des anderen geschnitten. Wer will sich so etwas anschauen? Jeder, der an Theater interessiert ist. Jedenfalls wenn die zwei Männer Gert Voss und Harald Schmidt heißen. André Heller hat sie in seine Villa am Gardasee eingeladen, in deren Garten die beiden zu Beginn und am Ende ohne besondere Motivation spazieren, und es wurde eine Sternstunde der Liebe zum Theater. Es ist vor allem Voss, der erzählt. Harald Schmidt bescheidet sich weitgehend auf wohltuende Weise mit der Rolle des Stichwortgebers. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Über Gert Voss, den genialen Schauspieler, ist fast alles gesagt. Ob er »unumstritten als bedeutendster deutschsprachiger Theaterschauspieler seiner Generation« gilt, wie es im Vorspann heißt, sei dahingestellt. Auch Bruno Ganz, Otto Sander, Peter Fitz, Christian Grashof, Ignaz Kirchner, Branko Samarovski, Martin Schwab, Thomas Thieme, Manfred Zapatka, Josef Bierbichler und manch andere – nicht zu vergessen der unvergleichliche Ulrich Wildgruber, der sich, wie schon ein Vorbild von Gert Voss, Norbert Kappen, das Leben nahm – sind nicht ganz schlecht.

     

    Aber wer benötigt solche Hitlisten? Die mögen für Peter Kraus, Falco, die im Film am Rande erwähnt werden, oder für André Heller selbst tauglich sein – im Theater sind sie es nicht. Hier im Film plaudert Voss aus dem Nähkästchen. Und wir erfahren Intimes über Claus Peymann, George Tabori, Peter Zadek, Luc Bondy, Peter Stein, die hervorragenden Regisseure ihrer Generation, mit denen Voss im Lauf seiner Karriere gearbeitet hat. Wir erfahren Anekdotisches, auch Komisches, vor allem aber, wie sie arbeiten, welche Eigenarten sie dabei auszeichnen und was sie unterscheidet.

     

    Was sie mit einander und mit Gert Voss verbindet, ist die bedingungslose Liebe zur Schauspielkunst. Und so hat dieses Gespräch keinen Augenblick den Charakter einer Abrechnung. Es ist vielmehr Ausdruck von Dankbarkeit und auch Bewunderung für Kollegen, die einem großen Menschendarsteller behilflich waren bei seiner Arbeit, denen er Erkenntnisse verdankt und Herausforderungen, die ihn wachsen ließen. Kein Wort der Eifersucht, wenn Voss von anderen Schauspielern spricht, sondern Respekt und Freude über deren Leistungen, ob es sich um seine unmittelbare Kollegen handelt wie Branko Samarovski, Ignaz Kirchner, Kirsten Dene, Ulrich Wildgruber oder Hermann Lause oder um die Idole seiner Jugend wie etwa Fritz Kortner. Über den Burgtheaterdirektor Hartmann spricht Harald Schmidt, und es ist wenig schmeichelhaft, was er zu sagen hat.

     

    Voss imitiert andeutungsweise – eher für den Entertainer Schmidt als für die Kamera – Peymann, Tabori und immer wieder Peter Zadek, aber er ist sich seiner Begabung zu sehr bewusst, um sich zu produzieren, den Dokumentarfilm für einen Auftritt zu nützen. Das hat er nicht nötig. Nicht mehr. Freimütig erzählt er von seinen anfänglichen Misserfolgen, als er Schillers Ferdinand sowohl in Konstanz wie auch in Braunschweig in den Boden gerammt habe. Peter Zadek sagte einmal über Gert Voss, er verfüge über die besondere Begabung, einen komplizierten Gedanken aufzunehmen und ihn theatralisch bis zu dem Punkt zu vereinfachen, wo ihn jeder versteht. Aber er weiß auch ganz genau, wo seine Grenzen sind. Er gehört nicht zu jenen Rampensäuen, die, wie Shakespeares Zettel, auch noch den Löwen spielen wollen.

     

    Gert Voss berichtet, dass ihn das Theater nicht interessiert hat, bevor er 25 Jahre alt war. Seine Leidenschaft gehörte dem Kino. Derlei hört man heute sehr häufig, nicht nur von Schauspielern, sondern mehr noch von ganz normalen Zuschauern. Das Gespräch zwischen Gert Voss und Harald Schmidt ist geeignet, die Neugier für das Theater zu wecken, wenn sie nicht schon vorhanden war. Und wer sich an die Interviews mit Schauspielstars der fünfziger Jahre erinnert, die von Eitelkeit nur so überquollen, bekommt hier bestätigt, dass 1968 und was damit verbunden ist am Theater mehr verändert hat, als gemeinhin wahrgenommen wird. Es hat einen neuen Typus von Schauspielern hervorgebracht. Gert Voss ist einer von ihnen. Aber vielleicht wird auch das bald schon wieder Geschichte. Thomas Bernhard äußerte Voss gegenüber, er sei enttäuscht, dass dieser den Opernball besucht habe. Voss fühlt sich gedrängt, sich gegenüber diesem Vorwurf zu rechtfertigen. Es ist ihm offensichtlich peinlich. Seine Vorläufer an der Burg hätten damit kein Problem gehabt.

     

    Wer mehr an Harald Schmidt als an Gert Voss interessiert ist, kommt auch auf seine Kosten. In einem 22-minütigen Bonus befragt der Schauspieler den Kabarettisten.

     

    Ein wunderbarer Film. Einziges Ärgernis: Inserts, die über das Gespräch gelegt werden. Wer nicht zugleich lesen und konzentriert zuhören kann, muss den Film anhalten. Dass das möglich ist, gehört zu den wenigen Vorteilen der DVD gegenüber dem Kino.

     

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