Sollen sie doch Kuchen essen
Ein Kompromiss ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder glaubt, er habe das größte Stück. Nach diesem Prinzip setzt auch Cedric Klapisch die Schere an seiner herben Arbeiterkomödie an. Statt die leichte Überlänge, mit der sich die Handlung besonders in der zweiten Hälfte dahinschleppt, zu kürzen, schneidet er das Aschenputtel-Märchen in letzter Sekunde doch noch zum Sozialdrama um. Jede Art von cineastischem Hunger soll gestillt werden, der nach Romantik, nach Komik und nach sozialer Gerechtigkeit. Dafür besitzt Mein Stück vom Kuchen buchstäblich nicht genug Format. In der Realität lassen sich nicht alle Interessen in Einklang bringen, weder die der Handlungsmotive, die so widersprüchlich sind, dass sie sich gegenseitig ausmanövrieren, noch die von Banken und einfachen Angestellten. Dass der böse Banker von den Arbeitern, die er per Computertastatur ins soziale Abseits gedrückt hat, dem harschen Wind, der France Töchtern zu Filmbeginn ins Gesicht weht, gejagt wird, bleibt ein utopischer Wunschtraum. Die irreale Vision eines sich vereinigenden Proletariats vereint Romanze und Gesellschaftsdrama zur zwiespältigen Sozialromanze.
Frustrierend ist die subversive Note, weil sie nur ein flüchtiger Nachgeschmack bleibt, der Hunger auf mehr macht – wie die übrigen gelungenen Zutaten: das authentische Spiel Karin Viards, der spröde Humor und das Kameraauge für Details. Auf dem politischen Präsentierteller sind von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nur noch ein paar Krümel übrig, und Mein Stück vom Kuchen fegt sie ebenso ehrgeizig wie naiv zusammen, um sie mit amouröser Glasur als cineastischen Leckerbissen auszugeben. Das Publikum wird sich kaum so leicht abspeisen lassen.
