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    The Green Wave

    14.03.2011

    Hoffnung, Würde, Wut

    Mit der Dokumentarfilm-Collage The Green Wave setzt der deutsch-iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi der Protestbewegung im Iran von 2009 ein eindringliches und erschütterndes filmisches Denkmal. Von ANNA-LENA KRÄMER

     

    Juni 2009. Das Team um Regisseur Ali Samadi Ahadi (Lost Children) feiert die Premiere der Culture Clash-Komödie Salami Aleikum, als ihn die schockierende Nachricht aus der Heimat erreicht: Nach den Präsidentschaftswahlen bleibt Mahmoud Ahmadinedschad, trotz eindeutig gegenteiliger Wahlprognosen, im Amt. Der Wahlbetrug ist offensichtlich, aber die Opposition unter der Führung von Mir Hossein Mussawi scheint machtlos gegenüber den dreisten Methoden des Regimes: Die Wahlzettel gehen aus und Wahllokale werden frühzeitig geschlossen. Viele Iraner verlangen Erklärungen, fragen in öffentlichen Demonstrationen »Where is my vote?« und bekommen als Antwort die harte Hand der Diktatur zu spüren. Eine Welle des Protests erfasst die Bevölkerung – doch je mehr Menschen auf die Straße gehen, um für ihre Stimme zu kämpfen, umso schonungsloser gehen die Machthaber gegen Demonstranten, Kritiker und Oppositionelle vor.

     

    Der in Deutschland lebende, iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi will wissen, was tatsächlich in seinem Heimatland passiert ist, und einen Film darüber machen. Nur wie soll man die tatsächlichen Ereignisse nachvollziehen, wenn jede objektive Berichterstattung verhindert wird? Wie kann man die Geschehnisse adäquat schildern, wenn eine filmische Aufbereitung vor Ort undenkbar ist? Und ist es überhaupt möglich, einen authentischen und dem Publikum zumutbaren Kinofilm zu drehen, der die oft unvorstellbar grausamen und daher schwer darzustellenden Menschenrechtsverletzungen genauso sichtbar macht wie das pulsierende iranische Volk mit seiner Hoffnung, seiner Würde und seiner Wut?

    Dem Film gelingt das auf erstaunlich-wunderbare Weise. Neben der traditionellen Dokumentation, bestehend aus Interviews mit Exil-Iranern, besticht das reale Bildmaterial der privaten Handyaufnahmen und Internet-Videos. Dazu führen zwei fiktive Figuren in comicähnlicher Animation durch die filmische Erzählung der historischen Ereignisse. Ihre Aussagen basieren auf ausgewählten, unzensierten Blogs und spiegeln so die freien Meinungen vieler junger Iraner wider. Die subtil verwobenen Stränge der beiden in die Protestbewegung involvierten Figuren werden zunehmend von Twitter-Nachrichten durchbrochen. Schwarz hinterlegte Zeilen evozieren lakonisch die sich verschlimmernden Zustände von Repression, Gewalt und Angst. Zugleich versinnbildlichen sie die rege, auch im Ausland sichtbare Kommunikation per Internet.

     

    Mutig und hochaktuell

    Aus diesen zwischen Realität und Fiktion oszillierenden Zutaten entsteht eine aufrüttelnde Film-Collage, die den nicht verstummen wollenden Stimmen der iranischen »Generation Facebook« ein Gesicht gibt. Man spürt die überwältigende Energie der jungen Bevölkerung (70% aller Iraner sind unter 25 Jahre alt), sieht die hoffnungsvolle Farbe der »grünen Bewegung« in den Animationen aufleuchten und ist bestürzt, mit welcher Brutalität das Regime auf die friedlichen Proteste für einen gerechten Wahlausgang reagiert. Staatliche Milizen töten Hunderte von Demonstranten, nehmen sie gefangen und foltern sie oft bis zum Tode. Jene Grausamkeiten werden durch die animierten Szenen darstellbar gemacht, und sie wirken vielleicht umso eindringlicher auf den Zuschauer, da die Realität im Comic erst erfahrbar wird.

     

    The Green Wave ist ein mutiger, hochaktueller Film, der unter die Haut geht. In Zeiten, in denen iranische Filmemacher wie jüngst Jafar Panahi (The Circle, Offside) und Mohammad Rasoulof (The White Meadows), in ihrer Heimat zu Gefängnis (sechs Jahre) und Berufsverbot (20 Jahre) verurteilt werden, braucht es solche filmischen Plädoyers. The Green Wave zeigt uns, was wirklich in diesem von der Weltöffentlichkeit abgeschnittenen Land vor sich geht: Da vergiften Unterdrückung, Gewalt, Willkür und wirtschaftspolitische Machtspiele die Gesellschaft, aber auch sie können den energischen Wunsch der Iraner nach politischem Wandel, Freiheit und Würde nicht brechen. Gerade die aktuellen Umbrüche und Erschütterungen in der arabischen Welt werden das iranische Volk in ihrem Wunsch weiter bekräftigen. In diesen Wochen gehen wieder tausende Iraner, trotz oder gerade wegen höchster Repression, auf die Straße und demonstrieren unter Lebensgefahr für ihre Menschenrechte – gemäß dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und grün ist ihre Farbe.

     

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