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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 17. August 2017 | 13:45

    Fasten auf Italienisch - ab heute im Kino!

    13.01.2011

    Doppelt integriert hält besser

    Dass auch andere europäische Nationen Integrationsprobleme haben, ruft Olivier Baroux’ Verwechslungskomödie Fasten auf Italienisch ins Gedächtnis, gerät dabei am Balanceakt zwischen ausgelassener Heiterkeit und moralinsaurer Schwere jedoch gehörig ins Straucheln. Von FALK STRAUB

     

    Abwegige Handlungskonstellationen, die im normalen Leben jedweder Rationalität entbehrten, sind im Genrekino eher die Regel denn die Ausnahme. Besonders der Verwechslungskomödie ist jedes Mittel recht, um dem Zuschauer das ihr eigene Spiel mit den Identitäten zu erklären. Selbst einer ihrer besten Vertreter bedient sich haarsträubender Motivationen. In Billy Wilders Manche mögen’s heiß muss erst das Leben der beiden Protagonisten vom Chicagoer Mob bedroht werden, bevor deren Auftritt in Frauenkleidern gerechtfertigt scheint. Ganz so bedrohlich geht es in Olivier Baroux’ Fasten auf Italienisch nicht zur Sache. Dennoch nimmt auch hier die Hauptfigur aus existenziellen Gründen eine neue Identität an, und reichlich abwegig wird es im Verlauf der Handlung ebenfalls.

     

    Der Wandler zwischen den Welten heißt Dino Fabrizzi (Kad Merad). Seine Welten sind der Arbeitsplatz in Südfrankreich und sein Heimatland Italien, so scheint es zumindest, wird Dino dem Zuschauer doch in der Eingangssequenz bei seiner Morgentoilette in Nah-, Groß- und Detailaufnahmen musikalisch unterlegt von Toto Cutugnos L’Italiano als kerniger Römer verkauft. Doch wie so oft in der Komödie trügt der anfängliche Schein. Dino Fabrizzi heißt in Wahrheit Mourad Ben Saoud und ist der Sohn algerischer Einwanderer. Sein Identitätswechsel liegt Jahre zurück und hatte zunächst ganz pragmatische Gründe: Als Italiener hatte er bessere Aussichten auf Wohnung und Beruf. Zu Beginn des Films hat sich seine Rolle als Dino für Mourad bereits zum Selbstläufer entwickelt.

     

    Imam Abdel (Karim Belkhadra) im Gespräch mit Dino (Kad Merad) Imam Abdel (Karim Belkhadra) im Gespräch mit Dino (Kad Merad)

    Versprochen ist Versprochen

    Als Dino Fabrizzi kann Mourad wahrlich nicht klagen. Privat wie beruflich läuft alles reibungslos. Mit seiner Freundin Hélène (Valérie Benguigui) ist er glücklich liiert, als bester Verkäufer eines Autohauses für italienische Nobelkarossen kann er als designierte Nachfolger seines Chefs Charles (Roland Giraud) gelten. Durch sein Doppelleben laviert sich Mourad mit schlafwandlerischer Sicherheit. Während er seiner Familie in Marseille an den Wochenendbesuchen vorgaukelt, seiner Profession als Autohändler im fernen Rom nachzugehen, gibt er Hélène und den Kollegen in Nizza werktags den Vollblutitaliener. Das Spiel mit den Identitäten gerät erst ins Stocken, als eine Facette seiner alten Identität Mourad unerwartet vor Probleme stellt.

     

    Als sein Vater Mohamed (Sid Ahmed Agoumi) einen Herzinfarkt erleidet, verspricht ihm Mourad, an seiner statt Ramadan zu halten. Das Religiöseste an Mourad ist jedoch das goldene Kruzifix, das er sich in seiner Rolle als Dino jeden Tag um den Hals hängt. Sein letzter Ramadan liegt über 30 Jahre zurück. Das Fasten macht es Mourad nicht leicht, seine Rolle als Lebemann Dino aufrechtzuerhalten. Dass Mourad dennoch daran festhält, wird recht lose motiviert. »Denk daran, ein Versprechen, das man seinem Vater gibt, ist etwas ganz Besonderes«, ruft Ahmed dem Zuschauer die Motivation zur Erklärung ins Gedächtnis. Während Hélène in der Folge an Dinos plötzlicher Enthaltsamkeit verzweifelt, führen der Nahrungs- und Flüssigkeitsentzug zu humorvollen Verwicklungen auf beruflicher Ebene. Als der Film die Schlagzahl der Komplikationen leicht erhöht, fällt Mourads Kartenhaus schließlich in sich zusammen.

     

    Zwischen Leichtigkeit und Tiefgang

    Regisseur Olivier Baroux bringt die Verstrickungen des doppelten Immigranten in leuchtend weichen Farbtönen und mit großer technischer Spielerei auf die Leinwand. Während die Farben die mediterrane Atmosphäre eines spätsommerlichen Nizza einfangen, zeigt der Film Mourads mühelosen Umgang mit seinen Identitäten immer wieder in verspielten Splitscreens. Wer über die lose Handlungsmotivation der Charaktere hinwegsehen kann, wird in Fasten auf Italienisch mit einer Handvoll klischierter Gags um Italiener und den Islam belohnt. Wirklich tiefsinnig ist keiner davon. Dazwischen gönnt der Film dem Zuschauer zu viele Verschnaufpausen. Eine konsequente Steigerung der Komplikationen bleibt aus. Die Situationen scheinen beliebig austauschbar. Letztendlich lässt Fasten auf Italienisch den nötigen Drive vermissen.

     

    Weit schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Leichtigkeit der Inszenierung zu stark mit dem Subtext des Films kontrastiert. Schließlich führen erst die Angst vor Ausgrenzung und Rassismus den Protagonisten zu seiner Integration auf Umwegen. Der angesetzte Balanceakt zwischen Komik und Tiefgang misslingt jedoch gehörig. Anstatt das Thema mit Biss und der nötigen Schärfe anzugehen, setzt Fasten auf Italienisch zu sehr auf Sentimentalität und Moralin. Zu viel dreht sich darum, wie Dino als Mourad über die Religion seine so lange verleugnete Identität neu für sich entdeckt. Die dramatischen Momente, die im Rassismus des Arbeitskollegen Cyril (Philippe Lefèbvre) und der Ausweisung Mourads nach Algerien gipfeln, mögen nicht so recht zur anfänglichen Leichtigkeit passen. Da passt ins Bild, dass Fasten auf Italienisch nach diesen eigentlich bitteren Episoden zu einfach die Kurve ins allzu versöhnliche Happy End nimmt. Dass der Film am Ende nicht gänzlich abstürzt, ist dem hervorragenden Darstellerensemble, allen voran dem virilen Kad Merad, zu verdanken.


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