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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 22. Juni 2017 | 18:35

    Last Night - ab heute im Kino!

    30.12.2010

    Alles ist möglich: Wilde Gedankenspiele an der Upper East Side

    »Was ist das Problem am Zweifeln?« Prinzipiell keines, würde man antworten. Doch wenn sich die Frage wie in dem Film Last Night auf Paarbeziehungen bezieht, sind Zweifel ein Problem. Eine Beziehung hat ebenso eindeutig zu sein, wie es das gängige Hollywood-Kino ist. Umso mehr setzt sich die Arbeit der iranischstämmigen Regisseurin Massy Tadjedin davon ab. Von BASTIAN BUCHTALECK

     

    In dem Film wird so viel geredet wie im großen französischen Kino der späten 60er Jahre, der Nouvelle Vague, oder bei Woody Allen. Dabei stehen verschiedene Antwortmöglichkeiten auf die zitierte Frage gleichberechtigt nebeneinander: von der absoluten Treue, über die normale Partnerschaft bis zur wilden Ehe und der offenen Beziehung.

     

    »Haben wir zu früh geheiratet?«, lautet die Frage, die sich das junge Ehepaar Reed stellt. Joanna (Keira Knightley) und Michael (Sam Worthington) leben in einem großzügigen New Yorker Loft und einer finanziellen Situation, die als traumhaft beschrieben werden darf. Ihre Ehe funktioniert. Die Erzählung setzt bei einer Cocktail-Party in einem anderen Big-Apple-Etagen-Loft ein. Alle sind adrett gekleidet und unterhalten sich kultiviert. Nur Joannas Ehemann Michael versteht sich nach Joannas Geschmack ein wenig zu gut mit seiner attraktiven Kollegin Laura (Eva Mendes). Einen Ehestreit später ist Michael auf Geschäftsreise – mit Laura – und die zurückgebliebene Ehefrau rennt auf der Straße in ihre Jugendliebe Alex (Guillaume Canet), die sie offensichtlich nie überwunden hat.

     

    »Auf welcher Grundlage treffen wir Entscheidungen?« Zumal wenn wir zweifeln? Die Nächte der Eheleute werden parallel erzählt: Beide betreten verbotenes Terrain, tun dies aber auf eine kaum angreifbare Weise. Es ist nämlich nicht verwerflich mit dem Ex-Freund Essen zu gehen. Es ist die Haltung, mit der man das tut, die es verwerflichen machen könnte. Es ist auch nicht verwerflich, mit der attraktiven Kollegin nach der Arbeit noch einen Cocktail zu trinken. Es ist die Motivation, die es verwerflich machen könnte. Der Film erzählt – auf großartige Weise übrigens –, dass wir Einfluss auf die Handlungen haben, die unseren Haltungen und Motivationen entspringen, nicht aber auf unsere Haltungen und Motivationen selbst. Das ist menschlich.

     

    Knisternd, ehrlich, groß!

    Die 32-jährige Regisseurin Tadjedin inszeniert diesen privaten Reigen mit viel Gefühl auch für die kleinen psychologischen Gesten und entlockt dem Schauspielensemble eine durchgehend hervorragende Leistung. Gerade weil alle Figuren liebenswert sind und sie darüber hinaus glaubwürdig und intensiv gespielt werden, gehen sie dem Zuschauer wirklich nah. Hervorzuheben ist die sehr faszinierende Nebenfigur mit dem sprechenden Namen Truman (Griffin Dunne). Selbst wenn es nur die wenigen Szenen und Dialoge mit dieser Figur wären, ihre diabolische Aufrichtigkeit allein würde den Kinobesuch lohnen.

     

    Die Szenografie des Films ist ein klein wenig überzogen. Es ist kaum denkbar, dass die Menschen der New Yorker Upper East Side tatsächlich auf die dargestellte Weise leben (müssen) – zumindest wünscht man es ihnen nicht. Die Einrichtung, die Klamotten und Accessoires erzeugen einen Stil, der existenziell frieren macht. Der einzige echte Kritikpunkt aber ist der Schnitt. Er wirkt, als habe man erst nach den Dreharbeiten die Erzählgeschwindigkeit des Films gefunden. Denn immer wieder werden durchgehende Handlungen durch Auslassungen gerafft, wie man es aus Musikvideos kennt. Die Erzählung wird schneller, bekommt dadurch jedoch etwas Gehetztes.

     

    Dies allerdings spielt im Vergleich zu den durchweg sehr guten schauspielerischen Leistungen und der starken Erzählung eine verschwindend geringe Rolle und schmälert die Qualität des Films kaum. Gerade die Ehrlichkeit, mit der die Probleme der Paarbeziehung zu Beginn des 21. Jahrhunderts porträtiert werden, zeichnet den mutigen Film Last Night aus. Zum Beispiel wenn Joanna ihrem Ex-Freund gesteht, dass sie an ihn denke, sobald es in ihrer Ehe nicht gut läuft. Das ist menschlich knisterndes, erfrischend ehrliches, großes Kino.


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