(Not) Seeing is believing
Geradezu hinterlistig führt The Last Exorcism dem Zuschauer die eigene Leichtgläubigkeit vor. Nichts, was die Kamera einfängt, beweist eine dämonische Präsenz. Das Böse, das Nell umfängt, sind ihre vom puritanischen Vater eingeimpften Gewissensbisse. Markus sieht den Fundamentalismus der Sweetzers und will den Teufel mit dem Beelzebub austreiben: Sein Exorzismus soll den Glaubenswahn beenden. Wie tief jedoch der Fanatismus in den Menschen brennt, unterschätzt Markus.
The Last Exorcism verstört durch das menschliche Böse, statt mit rüttelnden Betten und falscher Kotze. Das Grauen schwelt so leise, wie der Teufelsglaube in den Sweetzers. Aber auch Markus´ Selbstherrlichkeit wird in diesem doppelbödigen Werk kritisiert. Beide sind sie blind vor Eifer, ob sie das Kreuz aus echtem oder vorgespiegelten Glauben schwingen. Markus löscht den Aberglauben nicht, er gießt Öl in ein Feuer, das auch ihn verschlingen wird.
Auch wenn Arthur Miller in Hexenjagd diese gefährliche Eigendynamik auf ungleich höherem Niveau zeigt, so ist doch nicht zu leugnen, dass es in den USA eine nicht zu unterschätzende Menge von Menschen gibt, die die Evolution leugnen, an die Erbsünde glauben und an das Jüngste Gericht. Der religiöse Fundamentalismus ist weiterhin präsent. Das weiß auch Regisseur Stamm: „Ich bin mir sicher, dass viele Familien wie die Sweetzers dort draußen existieren.“

