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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 07:14

    Mary und Max

    16.09.2010

    Beseelung und Weltversöhnung

    Sie fühlen sich ein bisschen wie ein Außenseiter oder gar einsam? Sie denken manchmal, alle Menschen um sie rum fahren im Leben auf der Überholspur, nur Sie stehen mit Tretroller und Reifenpanne auf dem Seitenstreifen? Und/oder Sie haben diesen unsichtbaren Freund, der bei Ihnen auf einem Stuhl im Wohnzimmer sitzt und Herr Ravioli heißt? Selbst, wenn Sie nur die ersten beiden Fragen mit „Ja“ beantwortet haben: Schauen Sie sich den wunderbaren Mary und Max an – der Film wird Sie beseelen und mit der Welt versöhnen. Von FLORIAN HOFFMANN

     

    Die Handlung ist schnell erzählt: Die achtjährige, australische Mary – Tochter einer Alkoholikerin und Kaufhausdiebin – und der erwachsene, atheistische New Yorker Max, der unter Asperger-Syndrom leidet, führen eine Brieffreundschaft. Beide schütten dem anderen ihr Herz aus, beide versuchen sich gegenseitig mit praktischen Vorschlägen das Leben zu erleichtern. Das klingt an sich etwas dröge bis kitschig und ganz stark nach französischem Laberfilm?

     

    Stimmt. Ist es aber nicht. Denn Adam Elliot ist kein französischer Mittelklasseregisseur, sondern ein künstlerischer Eigenbrötler, dessen ganz eigene Mischung aus Schwarzem Humor, Optimismus und ehrlicher Sentimentalität schon 2004 in Harvey Krumpet mit einem Oscar für den besten animierten Kurzfilm ausgezeichnet wurde – und was Elliot mit dieser seiner fatalistisch-karikaturesken und gleichzeitig warmherzig-naiven Weltsicht aus der simplen Idee der Brieffreundschaft herausholt, reicht von „zum Heulen komisch“ bis zu „zum Heulen schön“.

     

    Balance aus Tragik und Komik

    Komisch ist der Film durch seine unzähligen Running Gags (man achte auf das sich stets ändernde Schild des Straßenbettlers), den Stoizismus und die Naivität, mit der die beiden Protagonisten über weite Strecken ihren Alltagskatastrophen und tragischen Lebensumständen begegnen, und natürlich die putzig animierten und anzusehenden Knetfiguren, die Elliot entweder durchs in warmen Brauntönen gehaltene Australien oder durchs schwarz-weiß-graue New York stapfen lässt. Zum Heulen schön ist der Film, wenn am Ende zwei Menschen sich gegen jede Wahrscheinlichkeit, über Ländergrenzen und Fehlverhalten hinweg eine Freundschaft aufgebaut haben.

     

    Einzigartig

    Man könnte jetzt noch erwähnen, dass Mary und Max bis ins letzte Detail liebevoll von Hand hergestellt wurde – angefangen von der funktionierenden Miniatur-Schreibmaschine (neun Wochen Arbeit für einen Requisiteur) bis zu den 808 Miniatur-Teekartons (das Ausschneiden, Kleben und Anmalen beschäftigte kurzzeitig die gesamte Crew); man könnte auch noch erwähnen, dass Adam Elliot dem Film seine eigene Brieffreundschaft mit einem Asperger-Tourette’ler zugrunde gelegt hat, aber eigentlich möchten wir Sie nicht länger mit langweilig zu lesenden Hintergrundfakten davon abhalten, sofort loszugehen und sich diesen außergewöhnlichen Feel-Good-Film anzuschauen. Und sich danach beseelt und mit der Welt versöhnt zu fühlen.


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