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    Toy Stories - eine Kolumne

    12.08.2010

    To creativity and beyond

    1994 bringt Steven Spielberg mit JURASSIC PARK gleich mehrere computeranimierte Dinosaurier auf die Leinwand und läutet damit den endgültigen Siegeszug des CGI (Computer Generated Images) ein.. 1995 bringt John Lasseter zwar nur einen einzigen Dinosaurier auf die Leinwand, aber dafür ist auch die gesamte TOY STORY um ihn herum aus dem Computer generiert. Von MAXIMILIAN REISS

     

    Das Pixar Studio präsentierte zusammen mit Disney damit den ersten vollständig computeranimierten Langfilm. Es ist bereits 1999 als Lasseter in TOY STORY 2 dezent den Kreis zu Spielberg schließt, indem er seinen Spielzeug Dinosaurier Rex, im Rückspiegel eines Barby-Autos , genau so inszeniert wie Spielberg fünf Jahre zuvor seinen nicht ganz so kinderfreundlichen T-Rex, der hungrig dem Jeep von Jeff Goldblum und Co hinterher stampft. Weil dieses Filmzitat gar so schön ist, sei hier noch mal die Möglichkeit für eine visuelle Gedächtnisauffrischung gegeben:

     

     

     

    Inzwischen steht fest, dass auch der TOY STORY 3, an den Erfolg seiner Vorgänger anschließen wird. Das war nicht selbstverständlich, da ganze 11Jahre seit TOY STORY 2 vergangen sind und das Zielpublikum eigentlich seinen Schulranzen schon längst entwachsen sein müsste. Außerdem führte nicht mehr John Lasseter persönlich Regie, das eigentliche Mainbrain von Pixar und der Urvater von TOY STORY. Andere Filmreihen, wie etwa die TWILIGHT-Saga,. beeilen sich bei ihren Sequels wesentlich mehr und präsentieren jährlich einen neuen Teil um ihre erkämpften Zuschauer bloß nicht wegaltern zu lassen.

     

    Bodenständige Innovation

    Woher kommt also diese Ausdauer der TOY STORY Jünger? Sind es überhaupt junge Jünger, oder ist TOY STORY die Elektroeisenbahn des neuen Jahrhunderts, die Legitimierung für Väter und Mütter in die vermisste Kinderwelt zurückkehren zu können? Das JURASSIC PARK Zitat von oben zeigt jedenfalls, dass die Macher nicht nur an die Kinder im Publikum gedacht haben, denn von den Dreikäsehochs 1999 werden wohl nur die wenigstens den Dino-Thriller zu sehen bekommen haben. Auch andere filmische Verweise z.B. auf STAR WARS, oder im aktuellen Teil auf Gefängnisfilm- und Horror-Klassiker, dürften mehr den Erziehungsberechtigten als ihren Sprösslingen zugedacht sein. Klar ist, dass der Erfolg eines Kinderfilms wesentlich von den Akzeptanz und der finanziellen Unterstützung der Eltern abhängt. Die TOY STORY–Macher haben es also wirklich geschafft, eine Generationen übergreifende Faszination für ihre Filme zu verbreiten.

     

    Ihre Handlungsebene haben die Pixar-Geschichten durch den Erfolg von Woody, Buzz und ihren Freunden, inzwischen vom Kinderzimmer aus auf das ganze Land (CARS), die Weltmeere (NEMO), den Himmel (UP) und sogar das Weltall (WALL-E) ausbreiten können. Dabei widmen sie sich, im Gegensatz zu ihrem großen Bruder Disney, nicht den Stoffen aus Märchen und Mythen, sondern behandeln auf innovative Art und Weise ganz bodenständige Themen. Besonders kreativ wird es dann, wenn die Protagonisten keine Lebewesen sondern Lampen, Fahrräder, Autos, Roboter oder eben Spielzeuge sind, die eine Seele eingehaucht bekommen. Das Wort Animation stammt im übrigen vom lateinischen animare, (zum Leben erwecken) und animus (Geist, Seele) ab. Immer wieder großartig zu sehen, wie menschliches Verhalten, in Gesten und Mimik auf simple Objekte übertragen werden.

     

    Kindererziehung leicht gemacht

    Pixar Filme sind dabei immer gefühlvoll und voller Gefühle, kindgerecht, mit kindlicher Phantasie, aber keinesfalls kindisch. Es gibt Action, aber keine Brutalität und dafür um so mehr Kreativität. Diese ist auch im hohen Maße von Nöten um unter anderem eine ganze Welt und funktionierende Mikro-Gesellschaft in einem Kinderzimmer entstehen zu lassen. TOY STORY 3 erscheint dabei, ganz dem Mainstream-Zeitgeist entsprechend in 3D. Die dritte Dimension bleibt dabei aber sehr dezent, stellt sich hinter der Geschichte und den Figuren an, und scheint wohl, wie so oft, eher Marketing-strategische Gründe zu haben als dramaturgische. Der Filmspaß ist jedenfalls auch mit einer Dimension weniger der gleiche. Das liegt vor allem am starken Drehbuch. Filmemacher sind sich ja einig, dass es drei Dinge für einen guten Film braucht: ein gutes Drehbuch, ein gutes Drehbuch und ein gutes Drehbuch. Die TOY STORY – Trilogie wird dem stets gerecht.

     

    Nun mag ja unbestritten sein, dass alle drei TOY STORY Filme und auch die anderen Pixar Produktionen, in ihrem Kern ganz regelkonform nach der Dramaturgie der Heldenreise gestrickt sind. Die beginnt damit, dass der Held seine gewohnte und heile Welt verlassen muss, sich durch die unbekannte, dunkle Welt kämpft und am Ende, meist zum positiven verändert, wieder in seine gewohnte Umgebung zurückkehrt. In TOY STORY (1) fällt Buzz aus dem Fenster, im zweiten Teil wird Woody geklaut und im dritten werden alle gemeinsam einem Kindergarten gespendet. Die Strecke für die beschwerliche und abenteuerliche Reise zurück, mit allen dramaturgisch nötigen Hindernissen, Gegnern und Verbündeten, weitet sich von Teil zu Teil weiter aus. Zuerst gilt es für Buzz und Woody nur vom Nachbarshaus zurück in die heimische Spieltruhe zu gelangen, beim nächsten mal müssen die Kameraden bereits bis in den Spielzeugladen und wieder zurück gelangen, und in Teil 3 dehnt sich die Odyssee bereits über die gesamte Stadt aus. Dabei bleibt es bei allen Teilen so, dass die heile Welt zu der sie zurück kehren wollen, stets in Andys Armen liegt.

    Innerhalb dieser Reisen wimmelt es nur so von kreativen Einfällen und liebevollen Details. Eine dankbare Hilfe ist den Machern dabei sicherlich das universelle vorfilmische Wissen, welches das Publikum über Spielzeug mit ins Kino bringt. Die Regeln, denen die Spielzeuge in ihrer Welt unterworfen sind, sind durch ihre Funktionalität vorgegeben und diese kennt der Zuschauer, egal ob jung oder alt. Die Figuren sind Geiseln ihres Körpers, was positive, aber auch negative Folgen haben kann.

     

    So müssen sie ihr selbst bestimmtes Eigenleben und ihre autonomen Fähigkeiten vor den Menschen versteckt halten (nur im Kampf gegen den sadistischen Nachbarsjungen, darf diese Regel einmalig im Kollektiv und zum Wohle dessen gebrochen werden), sie können ihre individuellen Fähigkeiten nutzen (eindrucksvoll vorgeführt von Mr und Mrs Potato Head im dritten Teil), oder es kann ihnen zum Verhängnis werden (Rex kann wegen seiner kurzen Arme den verhassten Zurg nicht im Videospiel besiegen, da er nicht gleichzeitig an die zwei entscheidenden Knöpfe kommt und Woody verrät sich lautstark als er beim Wegschleichen mit seiner Schnur hängen bleibt und damit seine nicht unterdrückbare Puppenstimme aktiviert). Weil aber natürlich nicht das falsche Bild entstehen soll, die einen Körper seien besser oder schlechter als die anderen, gibt es für jedes körperliche Defizit auch einen nützlichen Vorteil. Im dritten Teil kann nur mit Hilfe von Rex und seinen dünnen Fingern an den kleinen Armen, der deaktivierte Buzz reaktiviert werden. So wird aus einer zunächst angenommen Schwäche eine unverzichtbare Stärke. Kindererziehung leicht gemacht.

     

    Diese untrennbare Verknüpfung des Spielzeugs mit seinen spezifischen körperlichen Attributen, war bereits der Inhalt des 1988 von John Lasseter kreierten Pixar Kurzfilms TIN TOY. Hier besteht der produktionsbedingte Fluch eines Blech-Spielzeugs darin, dass seine Bewegungen mit Lärmerzeugung gekoppelt sind, wodurch sein angestrebtes Ziel, des heimlichen Davonschleichens, wesentlich komplizierter und spannender wird. Im allgemeinen gilt bei TOY STORY, dass die durch die Figur und ihre Attribute vorgegebene Typisierung stets sehr sympathisch eingesetzt wird. Diskriminierung im Kinderzimmer ist fehl am Platz und auch das kleinste Spielzeug hat eine Fähigkeit, die für die Gemeinschaft von Bedeutung ist. Woody lernt bereits im ersten TOY STORY Teil, bei den ummontierten und misshandelten Spielzeugen des bösen Nachbarjungen, seine Vorurteile gegenüber dem Fremdartigen schnell zu revidieren.

     

    Die Spielzeuge in TOY STORY funktionieren aber nicht nur so wie sie es dürfen, sondern vor allem so wie es sich jedes Kind wünscht und jeder Erwachsene einst gewünscht hat: Da fliegen die kleinen Plastiksoldaten an ihren Fallschirmen mit einer Eleganz und Präzision wie es eigentlich nur mit angeklebten Pfennig-Stücken möglich war und ferngesteuerte Autos rasen zielgenau und unbeschadet durch den Berufsverkehr.

     

    Natürlich steht das reibungslose funktionieren nicht an erster Stelle, denn da steht schon der Zusammenhalt und die Freundschaft. Es wird sich eingesetzt für schwache und beschädigte Spielkistenkameraden. Es wird gezeigt, wie man in der Gruppe für einander da sein muss, wie wichtig Vertrauen ist und auch wie man allgemein nicht miteinander und mit Spielzeug im speziellen umgehen darf. Eigene Vergehen steigen einem da rasch in Erinnerung und verschlechtern das Gewissen. Ich selbst habe mit der Lupe an Plastiksoldaten das physikalische Wunder von gebündeltem Sonnenlicht ausprobiert. Ich habe gejubelt als der ältere Spielkamerad mit einem Böller die Spielfigur von Prinzessin Leia pulverisierte. Und ich will nicht wissen wie viele Lego-Äuglein schon meine Nebenhöhlen gesehen haben. Die artgerechte Haltung und der richtige Umgang mit Spielzeug, wird  im aktuellen Teil der TOY STORY nochmals gezielt behandelt.

     

    Da auch das Pixar-Studio nicht allzu weit von Hollywood entfernt liegt und es sich trotz einigen Wunschdenkens doch um Kinderfilme handelt, fügt sich am Ende natürlich alles zum guten. Selbst die Schurken werden am Ende so bestraft, dass sich ohne Boshaftigkeit darüber schmunzeln lässt.

    Die Möglichkeit auf eine weitere Fortsetzung wird selbstverständlich auch beim Ende von  TOY STORY 3 offen gehalten. Überraschen würde es dabei nicht, wenn der längst erwachsene Andy sich dann seine Spielsachen zurück holen möchte. Sie werden sicher auf ihn warten.

     


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