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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 29. Juni 2017 | 04:14

    25. DOK.fest München

    18.05.2010

    "Das Exotische findet sich auch im Detail des Alltags ..."

    Eine neue Festivalleitung wurde einer langen Tradition gerecht, sorgte aber auch für frischen Wind und interessante Neuerungen. TOM ASAM war vor Ort und sprach mit der neuen Doppelspitze.

     

    „Erschöpft, aber glücklich“ sind Christian Pfeil (Geschäftsführer) und Daniel Sponsel (Künstlerischer Leiter) am letzten Tag des bundesweit größten Festivals seiner Art. In mittlerweile zehn Reihen wurden 72 Filme, und damit zehn mehr als zuletzt, gezeigt. Und dabei – erster Grund zur Freude – gab es „nicht eine nennenswerte technische Panne. Alle Filmkopien waren pünktlich da, nichts ist im Zoll hängengeblieben“, zeigt sich Christian Pfeil erleichtert.

     

    Neben den Wettbewerb DOK.international, der sich den formal, wie thematisch herausragenden Dokumentarfilmen widmet, stach die neue Reihe DOKguest mit elf Filmen und mehreren Veranstaltungen heraus, die den Kontinent Afrika in seiner ganzen Vielfalt thematisierten. Neu auch der deutschsprachige Wettbewerb Dok.deutsch: „Bei Dokumentarfilm denken viele an Exotische Themen und Länder“, so Daniel Sponsel. „Aber auch in unserer Nachbarschaft passieren interessante Dinge, das Exotische findet sich auch Detail des Alltags. Letztlich stellt diese Reihe inhaltlich keine Veränderung dar, es geht eher um eine erkennbare Darstellung in der Programmstruktur.“

     

    Selbständiges, vitales Genre

    Etwa 12.000 Besucher bezeugen, dass der Dokumentarfilm „selbständiger und vitaler denn je“ ist. Diese Aussage traf Daniel Spoensel schon anlässlich des unter seiner Regie entstandenen Werkes „Der letzte Dokumentarfilm“ vor zwölf Jahren. Dafür, dass diese Aussage heute genauso gültig ist, sorgten vor allem technische Neuerungen, wie der Einsatz von günstigen Digitalkameras. Das führt, so Sponsel, dazu, dass auch Quereinsteiger das Genre beleben, die oftmals „formal wie inhaltlich radikaler“ agieren.

     

    Die Lebendigkeit der Szene hat natürlich auch zu einer relativen Dichte an Festivals gesorgt. Das DOK.fest ist aber nach Ansicht der neuen Macher trotz aller Konkurrenz gut aufgestellt. „Die Tradition und der Standort München“ sind für Christian Pfeil von Vorteil. „Die Stadt hat einfach im Vergleich zu – sagen wir mal – Wanne-Eickel ein Publikum für so was. Das Dok.fest nimmt im Terminkalender vieler Leute einen festen Platz ein.“ Inwiefern es gelingt, auch das Publikum aus dem Umland anzusprechen, ist auch für die Festivalleiter schwer einzuschätzen. Eine erfolgte Publikumsbefragung wird hier demnächst sicher aufschlussreiche Erkenntnisse liefern.

     

    Wichtig für das Fortschreiben einer erfolgreichen Tradition ist sicherlich auch die Berücksichtigung neuer Zielgruppen. Erfolgreiche Dokufilme wie „We feed the world“ oder „Supersize me“ sorgten in den letzten Jahren für eine enorme Breitenwirkung. Wichtig ist für den Kinobetreiber Pfeil vor allem, dass spätestens seit Michael Moore Dokumentarfilm für ein größeres Publikum „nicht automatisch anstrengendes Kino“ bedeutet. Davon soll natürlich auch junges Publikum überzeugt werden.

     

    Eine weitere Festivalneuheit, die Reihe DOK.education bot im Vormittagsprogramm Filme mit jugendrelevanten Themen. Ein Publikum zwischen zwölf und sechzehn Jahren soll so medienpädagogisch sinnvoll an den Dokumentarfilm herangeführt werden. Unabhängig von dieser Reihe hat sich das Publikum in der Einschätzung der Festivalmacher in den letzten Jahren verjüngt. Und das liegt sicher nicht nur an Musikfilmen wie „we don´t care about music anyway ...“, der die japanische Noisescene beleuchtet. Schließlich gab es mit „ Herbstgold-Wettlauf gegen die Zeit“ auch einen Film, der fünf Menschen im Alter zwischen 80 und 100 Jahren bei ihrer Vorbereitung zur Seniorenweltmeisterschaft der Leichtathletik begleitet!

     

    Eher verantwortlich für einen breiten Anklang auch bei Jüngeren ist ein gelungenes Rahmenprogamm, dass einem Festival einen zusätzlichen Kick Richtung Event verleiht. So mag es in diesem Bereich eine ähnliche Entwicklung wie in der Musikszene geben. Trotz - oder gerade wegen - einer zeitlich und räumlich beinahe uneingeschränkten Verfügbarkeit von Daten (Filme oder Musik) suchen viele Menschen ein lebendiges Gemeinschaftserlebnis, sei es im Live-Konzert oder eben beim Filmfest. „Es ist sicher etwas anderes, sich auf dem Dok.fest einen Film anzusehen und im Anschluss mit anderen darüber zu reden, als sich auf DVD Amelie anzusehen“, meint Christian Pfeil.

     

    Publikum im Mittelpunkt

    Auch die Macher selbst sind trotz aller Professionalität bezüglich Film auch Fans geblieben. So schaffen es die beiden nach eigener Aussage, einen Film erst einmal unbefangen und quasi naiv anzuschauen und wirken zu lassen. „Nach dem Film spricht man dann vielleicht schon anders drüber als jemand, der nicht so vorbelastet ist“, meint Daniel Sponsel. Was den eigenen Geschmack anbelangt, fanden sich die beiden erstaunlich deutlich im Einklang mit der Meinung des Publikums und der Jurys der diversen Preise. „Wir hatten natürlich schon vorher unsere Favoriten. Und die sind auch beim Publikum gut angekommen. Das die auch Preise bekommen haben, liegt daran, dass die Jury-Mitglieder vor allem schauen, ob es ein guter Film ist, und nicht ob er besonders exotisch ist oder schon woanders einen Preis gewonnen hat“, erläutert Pfeil.

     

    Und so wird es auch im nächsten Jahr mit Sicherheit wieder ein spannendes Dokumentarfilmfestival in München geben, auch wenn die Finanzierung eines Vorhabens dieser Größenordnung nicht leichter geworden ist. „Mit Sponsoring und Anzeigen sieht es momentan natürlich nicht so gut aus.“ Dafür steht mit der Stadt München bzw. dem Kulturreferat ein starker Partner zur Seite. Dass heutzutage kaum ein Film mehr ohne Verleihgebühr zu haben ist, liegt auch an der Ausrichtung des Festivals. „Bei uns geht es nicht in erster Linie darum, Marktplatz für Einkäufer und Verleiher zu sein. Wir machen ein Publikumsfestival!“

     

    Die Preisträger 2010

    1) Dokumentar:Filmpreis:2010 des Bayerischen Rundfunks und der Telepool GmbH (dotiert mit 10.000 EUR):

    Les Arrivants von Claudine Bories und Patrice Chagnard

    In einer Pariser Amtsstube werden die ersten Entscheidungen über die Zukunft von ganzen Familien gefällt, die nach Frankreich kommen, um hier Asyl zu beantragen. Mit viel Anteilnahme und Genauigkeit beobachtet der Film das dramatische Geschehen. Die beiden Filmemacher Claudine Bories und Patrice Chagnard widmen sich in ihrem Film Les Arrivants einem gesellschaftlich wie politisch hochaktuellen Thema, ohne jeglichen moralischen Zeigefinger.

     

    2) Der Horizonte Preis 2010 des DOK.fest München (dotiert mit 3.000 EUR):

    El Ambulamte von Eduardo de la Serna, Adriana Yurcovich und Lucas Marcheggiano

    Ein alter Mann zieht durch argentinische Dörfer, und  dreht Spielfilme mit den jeweiligen Dorfbewohnern. Dabei macht er sich und andere glücklich. 61 Filme hat er schon gemacht, mit minimalsten Mitteln. Mit seinen Filmen hinterlässt er Spuren bei den Menschen, und in der Chronik des Dorfes. Durch die gemeinsame Arbeit wird ein Erlebnis geschaffen, das die Menschen verbindet. Frei nach dem Motto: Von Dir handelt die Geschichte. Dieser Film ist eine charmante Parabel auf die Kunst des Filmemachens und die Wirkung des Geschichtenerzählens.

     

    3) Der BLM Filmpreis 2010 der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (dotiert mit 5.000 Euro):

    Sergej in der Urne von Boris Hars-Tschachotin

    Der Film beginnt, scheinbar vertraut, wie ein gängiges Sub-Genre: die Suche nach entfernten Verwandten. Doch die Recherche bekommt unerwartete Ausmaße: der Urgroßvater war ein in vieler Hinsicht höchst aktiver Intellektueller, der nicht nur zahlreiche Nachfahren zeugte, sondern sich vor allem frühzeitig im Widerstand gegen die Nazis und später gegen die Atombombe engagierte. Auf der Suche nach den auf dem ganzen Kontinent verstreuten Söhnen dieses Urgroßvaters entwickelt Hars-Tschachotin beiläufig nicht weniger als einen Spiegel der europäischen Geschichte.

     

    4) Der FFF-Förderpreis Dokumentarfilm 2010 des FilmFernsehFonds Bayern (dotiert mit 5.000 EUR, für Filme von Regisseur/innen, die in Bayern leben) wird geteilt und geht zu gleichen Teilen an:

    Was wird bleiben von Knut Karger

    Knut Karger gelingt ein nachdenklicher essayistischer Konzeptfilm, der trotzdem guten Humor beweist und Fragen stellt, die beim Zuschauer weiterarbeiten. Zu sehen sind die geradezu rührend mühseligen Anstrengungen der Menschheit, sich der eigenen Vergänglichkeit entgegenzustemmen. Ohne bestimmte Erwartungen zu erzeugen oder zu bedienen, konturiert der Film den spekulativen Grund jeder Sachlichkeit.

     

    On the other side of life von Stefanie Brockhaus & Andy Wolff

    Zwei junge Filmemacher, die sich auf offensichtlich extreme Bedingungen eingelassen haben, schildern in großer dokumentarischer Zurückhaltung den Weg von zwei jugendlichen mutmaßlichen Mördern - in einem Township in Südafrika, eine Gegend in schockierendem Zustand, in der Mord scheinbar zum Alltag gehört. Beeindruckend die intime Innenansicht von Menschen und Strukturen, beispielhaft die Schilderung der brutalen Hierarchie im Gefängnis

     

    5) Der mimikri media Förderpreis (Untertitelungssachpreis):

    La Isla – archivos de una tragedia von Uli Stelzner

    Die Opfer von Unrecht brauchen Aufmerksamkeit und eine Stimme. Die Verursacher und die Fakten des Unrechts sind zu nennen. Dafür eine Form zu finden, die uns als Zuschauer teilhaben lässt und in die Pflicht nimmt, ist eine große Kunst. Die Jury für den mimikri media Förderpreis hat sich einstimmig für den Film LA ISLA von Uli Stelzner entschieden. Seinem Film gelingt es den Zuschauer über die Ereignisse in Guatemala zu informieren.

     

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