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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 02:27

    Beeswax

    25.03.2010

    Die Poetik des Profanen

    Es gibt sie noch. Diese kleinen Filme, die sich abseits des effekt- und emotionsheischenden Hollywood-Einerleis den Geschichten widmen, die das Leben schreibt. PATRICK HILPISCH hat sich einen solchen filmischen Lichtblick angesehen.

     

    Beeswax beschäftigt sich erfrischend ehrlich, unverkrampft und effektiv mit alltäglichen Problemen, mit der Poetik des Profanen. Und Regisseur Andrew Bujalski tut gut daran, sich dabei nicht in dem Versuch zu verirren, seinen Plot mit der intellektuellen Flucht ins Allegorische aufzuwerten – wie so einige Indie-Filmemacher vor ihm.

    Beeswax
    schert sich nicht um klassische Dramaturgie, sondern sucht und findet Konflikte auf vergleichsweise mikroskopischem Level. Eine entsprechende Konfliktauflösung bleibt der Film jedoch letztendlich schuldig. Dieses Erzählkonzept ist erfolgreich, da der Film in jeder seiner 6000 Sekunden pure Authentizität atmet. Ein Spiegel des wahren Lebens also, das vollends befriedigende Ausgänge eher selten parat hält.

    Dieser Grad an Authentizität ist unter anderem den unverbrauchten und überzeugend agierenden Darstellern zu verdanken. Mit der Besetzung der Zwillingsschwestern Maggie und Tilly Hatcher hat der Regisseur ein goldenes Händchen bewiesen. Dabei ist es vor allem die einzigartige Chemie zwischen den beiden, die für einen ordentlichen Schub an greifbarer Natürlichkeit sorgt. Und dies bewegt sich jenseits jeglicher Schauspielanstrengungen.


    Matthias Grunskys unaufdringliche, aber effiziente Kameraarbeit fängt dies ein, ohne mit allzu durchsichtigen Doku-Anleihen einen künstlichen „Realismus-Touch“ zu beschwören. Der Österreicher findet stets die richtige Balance zwischen subtilem Handkameraeinsatz und klassischen, eher statischen Einstellungen. Dieses visuelle Konzept, die Akteure und die teils schrägen, aber lebensnahen Dialoge verleihen dem Film ein nahezu perfektes Maß an Glaubwürdigkeit und Emotionalität.

     

    Humanistischer Grundton ohne Pathos

    Andrew Bujalski hat Beeswax als eine Art „Justizthriller, für all diejenigen, die in dem Wort 'Justizthriller' einen Widerspruch sehen“ bezeichnet. Der Thrill muss bei ihm der Perspektive auf das Zwischenmenschliche weichen, denn genau dort sieht er die wahren Probleme einer juristischen Auseinandersetzung. In Beeswax gibt es keine wahren Heldinnen oder Helden und keine richtigen Schurken. Keiner oder keine hat die rettende Lösung parat. Der Film bleibt jedoch auf Augenhöhe mit den Problemen seiner Figuren und zeigt essentielle Bewältigungsstrategien auf. Bujalski setzt hier zu einem Plädoyer für Freundschaft, Liebe und Familienzusammenhalt an – und dies völlig ungekünstelt und pathosfrei.

    Dieser humanistische Grundton mit schrägen Obertönen hatte schon seine früheren Filme, Funny Ha Ha und Mutual Appreciation, bestimmt. Der heute 32-jährige wurde nach seinem Debüt vom Filmmaker Magazine mit dem Label „one of the new faces of indie film“ versehen. Und nach seinem zweiten Film und Beeswax fielen als Vergleichsmarke Namen wie Woody Allen und Eric Rohmer. Zwei verdiente Regie-Routiniers – nicht die schlechtesten Referenzen für eines der neuen Gesichter am Indie-Himmel.

    Trotzdem wird Beeswax natürlich nicht in den großen Filmpalästen laufen, er wird sein Publikum in kleinen Programmkinos finden. Und das wird seine erfrischende Ehrlichkeit zu schätzen wissen. Und sollte Andrew Bujalski – was ihm wirklich zu gönnen ist – irgendwann der große kleine Indie-Durchbruch gelingen und Beeswax auf Arte wiederholt werden, dann kann sich der geneigte Arthouse-Liebhaber lächelnd zurücklehnen, seine Arthouse-Liebhaberin in den Arm nehmen und sagen: „Der Bujalski, ich wusste damals schon, das wird mal ein ganz Großer!“

     

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