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    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 02:24

    Der Ghostwriter

    18.02.2010

    Die zersetzende Kraft des Altmeisters

    Auf die surreale Stimmung, die vom Film Besitz ergreift, versteht sich Polanski wie kaum ein anderer. In seinen besten Momenten erinnert Der Ghostwriter an Polanskis Horror-Meisterwerk Rosemary’s Baby. Von STEFAN VOLK

     

    Man könnte es sich einfach machen. Roman Polanskis Der Ghostwriter, könnte man sagen, ist ein Thriller alter Schule mit ordentlichen, aber keineswegs überragenden Darstellern, mit ein paar unvorhergesehenen, nicht immer ganz glaubwürdig hergeleiteten Plotwendungen, einem Schuss Romantik und mit etlichen politischen Anspielungen. Unrecht hätte man damit nicht.

     

    Die Verfilmung von Robert Harris’ Romanbestseller erzählt von einem Ghostwriter (Ewan McGregor), der nach dem Tod seines Vorgängers angeheuert wird, die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers fertig zu schreiben, der sich auf einer kleinen Insel an der amerikanischen Ostküste vor den Vorwürfen verschanzt, er habe während seiner Amtszeit britische Staatsbürger zur Folter an die CIA ausgeliefert. Der von Pierce Brosnan fast schon zur Karikatur überspielte Adam Lang ist ein eitler Geck: selbstgefällig, schmierig und oberflächlich.

     

    Ganz ähnlich liest sich auch das Manuskript des verstorbenen Ghostwriters McAra. Doch je länger sich sein Nachfolger damit beschäftigt, auf desto mehr Ungereimtheiten stößt er – im Leben Langs und beim Tod McAras. Seine Recherchen führen ihn aufs Festland zu Paul Emmet (Tom Wilkinson), einem ehemaligen Professor Langs und mutmaßlichen CIA-Mitarbeiter. Doch nicht nur mit seinen Nachforschungen begibt sich Langs ‚Ghost‘ in Gefahr. Als Lang nach Washington abreist und der Ghostwriter mit dessen Frau Ruth (Olivia Williams) im Bett landet, droht endgültig alles außer Kontrolle zu geraten.

     

    Der Ghostwriter beginnt im Tonfall einer Komödie mit satirischem Einschlag. Ex-Premier Adam Lang ist eine Witzfigur und sein ‚Ghost’ ein charmanter, gut aussehender Kerl mit britischem Humor und kessen Sprüchen, der sich in die Frau seines neuen Chefs verkuckt. Doch dann schlägt die Stimmung um. Aus dem Spaß wird zunehmend Ernst. Lang gerät ins Kreuzfeuer der Kritik, Demonstranten belagern das Haus, Regen zieht auf, und in der Villa, die mit ihrer kühlen Architektur zwischen Bauhaus-Sachlichkeit und Speer-Pomp und mit dem riesigen Panoramafenster zum Strand hin anfangs angeberisch mondän wirkte, breitet sich zusehends eine klaustrophobische Atmosphäre aus, wie sie einst auch die entseelte Architektur in Kubricks A Clockwork Orange beherrschte.

     

    Gespenstische, surreale Stimmung

    Auf diese gespenstische, surreale Stimmung, die vom Film nun Besitz ergreift, versteht sich Polanski wie nur wenige sonst. In seinen besten Momenten erinnert Der Ghostwriter in der Art, wie die Realität darin auf alptraumhaft schleichende Weise den Boden unter den Füssen verliert, an Polanskis Horror-Meisterwerk Rosemary’s Baby (1968). Als der ‚Ghost‘ das abgelegene Landhaus Emmets betritt und schließlich dem jovialen Professor gegenübersitzt, offenbart sich in jedem Blick, jedem Wort und jeder Einstellung eine latente Bedrohung, ein lauernder Abgrund, als würde hinter dem maskenhaften Lächeln eine teuflische Fratze hindurchschimmern.

     

    Kamermann Pawel Edelman, mit dem Polanski zuletzt bereits in Oliver Twist (2005) und Der Pianist (2002) zusammenarbeitete, setzt mit leicht schrägen Perspektiven, ein wenig zu hohen oder zu niedrigen Annäherungswinkeln, kaum merklich verzerrenden Brennweiten und indem er den Figuren ein bisschen zu nah auf den Leib rückt, die gewohnte Ordnung der Dinge sukzessive außer Kraft. Dies geschieht so behutsam und ohne expressionistischen Aufschrei, als habe man eben noch auf festem Grund gestanden und befände sich nun unvermittelt an Bord eines unsicher schwankenden Schiffes. Diese zersetzende, subversive Kraft, mit der Polanski eine Komödie reibungslos in einen düsteren Thriller überführt, macht die Faszination von Der Ghostwriter aus. Die politischen Seitenhiebe sind da ebenso wie manch dramaturgische Fahrlässigkeit gegen Ende nur noch zweitrangig.

     

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