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Friendship!

14.01.2010

Freunde, zusammen, zur Freiheit!

Gekonnt reihen sich Albernheit und Sentimentalität aneinander, ohne Überraschungen – aber eben auch ohne Langeweile. Letztlich ist dies ein harmloser Film, aber besser als befürchtet... Von CORNELIS HÄHNEL

 

Das Motiv der Fremde ist fest im Kanon jeglicher Erzählformen verankert. Ob nun als verklärter Sehnsuchtsort oder als existentielle Erfahrung der Bedrohung, der Reiz des Unbekannten ist immer ein dankbarer dramaturgischer Kniff. Das synergetische Wechselspiel von der Wirkung der Fremde auf den Protagonisten, der dort selbst zum Fremden wird, bietet ein großes Konfliktpotential: Je deutlicher die kulturellen Unterschiede aufeinanderprallen, desto besser. Das ist auch die Ausgangssituation in Friendship!, der munter die ersten »Ossis« auf ihrer Reise durch die USA begleitet.

November 1989, die Mauer ist gerade gefallen und die Freunde Veit und Tom wollen endlich ihre neue Freiheit genießen und beschließen, zum westlichsten Punkt der Erde zu fahren: nach San Francisco. Ausgestattet mit ihrem Begrüßungsgeld, marginalen Englischkenntnissen und einer großen Portion Enthusiasmus brechen sie auf gen USA. In New York beginnt ihr Trip quer durch das Land der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, doch so sorglos und unkompliziert wie erwartet gestaltet sich ihre Reise bei weitem nicht. Dazu kommt, daß Veit in Wahrheit seinen Vater sucht, der damals nach San Francisco geflüchtet ist. So sind die besten Freunde nicht nur mit konkreten, sondern (natürlich) auch emotionalen Hindernissen konfrontiert. Und ein junges Mädchen sorgt letztlich noch für die obligatorische hormonelle Verwirrung.

 

Post-Wende-Komödie ohne Ostalgie

Eine Post-Wende-Komödie ohne Ostalgie, das ist der große Pluspunkt von Friendship!. Denn die Verlagerung in die USA bewahrt den Film vor einer doch so beliebten Nummernrevue von FDJ-Halstüchern, Goldbroilern und Jahresendflügelfiguren. (Der Verzicht auf den Erinnerungssport prägt übrigens auch das Amerikabild, wo gar nicht groß versucht wurde, das Rad der Zeit 20 Jahre zurückzudrehen, sondern einfach im heutigen Amerika gedreht wurde, frei nach dem Motto: So, wir tun jetzt so, als sei es 1989 und ihr, liebes Publikum, glaubt das!) Daß die Protagonisten mit einer gehörigen Portion Naivität ausgestattet sind, ist der genrebedingt stereotypisierten Überzeichnung geschuldet und somit vernachlässigbar. Routiniert wird das Staunen über die neue grenzenlose Freiheit visualisiert, mit allem, was dazu gehört: schnelle Autofahrten über sonnenüberflutete leere Highways, eine gehörige Portion Horizont im Blick und juvenile Sprünge von Felsen in kristallklare Bergseen. Natürlich hat man das alles schon oft gesehen, und doch funktioniert es. Gekonnt reihen sich Albernheit und Sentimentalität aneinander, ohne Überraschungen – aber eben auch ohne Langeweile. Letztlich ist Friendship! ein harmloser Film, aber besser als befürchtet, eben weil er schnell die Geschichtsebene verlässt und die Kraft der Freundschaft in den Mittelpunkt seines Interesses stellt.

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