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    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 02:23

    12 Meter ohne Kopf

    11.12.2009

    Der Fluch der Thematik

    Wie man einem Genre, das von Captain Sparrow nur reanimiert wurde, um es endgültig zu marginalisieren, durch subtile Herangehensweise neues Leben einhaucht. Von ALEXANDER SCHOLZ

     

    Dem Phänomen des Filmgenres theoretisch beizukommen ist eine bisweilen nervtötende Angelegenheit, um die man aber in manchen Fällen nicht herumkommt. Eine Kritik zu 12 Meter ohne Kopf ist so ein Fall: Die Vorurteile und die Erwartungshaltung treffen diesen Film mit voller Breitseite. Dabei ist dem Regisseur Sven Taddicken augenscheinlich bewusst, welchen Verdacht er mit seinem neuen Film schürt: Da will einer im Kielwasser einer finanziell sehr lohnenden Hollywood-Trilogie des gleichen Genres mitschwimmen und beim geneigten Jack-Sparrow-Fan nochmal zum großen Raubzug ansetzen.

    Dafür spricht zunächst auch einiges. Der Begriff des Genres ist schließlich eine praktische und halbwegs verlässliche Bezeichnung eines filmkulturellen Sachverhalts. Um daraus abzuleiten, dass der Begriff von großer marktwirtschaftlicher Relevanz ist, bedarf es nicht besonders viel Phantasie – gerade in einem so speziellen Fall wie dem Piratenfilm. Fragt man nach der künstlerischen Relevanz solcher ritualisierten Werke, hat man dementsprechend gleich die intellektuelle Maulerei gewisser Frankfurter Philosophen im Ohr, die den „Stein der Stereotypie“ bejammern, den diese Massenwaren hervorbringen.

    So weit, so eindeutig, so überholt: Leider ist der Weg von der ökonomisierten Praxis in die theoretische Reflexion dann doch nicht ganz widerspruchslos zu haben. Was den Zuschauer am Genrefilm interessiert ist ja vielmehr die Variation denn die Reproduktion des Bekannten. Das Standardisierte von vornherein zu verteufeln führt in theoretische Sackgassen ohne Wendemöglichkeit. Es ist die Frage, ob es einem Autor bei seiner Variation gelingt, thematische und künstlerische Akzente zu setzen, die den Bezug zur Theorie herstellt und außerdem den prüfenden Blick des Kritikers auf die Verwendung einer entsprechenden Filmsprache lenkt.

    Dabei fallen zunächst die gängigen Rituale ins Auge: 12 Meter ohne Kopf romantisiert und legitimiert ordnungsgemäß die Gewalt der Piraten, zeigt die ambivalente Gruppendynamik auf See und stellt seinen Protagonisten (zum Glück nur kurz) die obligatorische Frau zur Seite, die deren vermeintlich weichen Kern zum Vorschein bringt. Dass all diese Elemente unter dem Titel einer wahren Geschichte versammelt werden, sollte den Zuschauer bereits zu Beginn stutzig machen. Während Setting und Kostüme in ihrer Ausgestaltung zum Teil an überproduzierte Historienschinken erinnern, verweigert sich die Sprache und das (a)soziale Verhalten der Figuren zur Gänze der damit einhergehenden Langatmigkeit. Taddicken verleiht seiner Inszenierung des Störtebeker-Mythos durch den stets präsenten Gegenwartsbezug eine Dynamik, die den Anspruch der Variation des Genres erfüllt und zum Teil über diesen hinausweist.

    Gegenwart und Vergangenheit werden in 12 Meter ohne Kopf weder wertend noch offensichtlich explizit aufeinander bezogen. Diese Bevormundung spart sich Taddicken und entscheidet sich stattdessen dafür, aus der formelhaften Verbindlichkeit eines Katapulthändlers eher ein Maximum an Komik denn an Kritik sprechen zu lassen. Eine Entscheidung, die beispielhaft die künstlerische Attitüde dieses Genrefilms kennzeichnet. Dass aus ihr kein flacher Klamauk um friesische Seefahrerlegenden zusammengesponnen, sondern eine unterhaltsame Geschichte auf interessante Weise erzählt wird, ist seine Stärke. Taddickens Leistung besteht darin, einem Genre, das von Captain Sparrow nur reanimiert wurde, um es endgültig zu marginalisieren, durch seine subtile Herangehensweise wieder Leben einzuhauchen und es als Vehikel für eine ansprechende Komödie zu benutzen.

    Alexander Scholz

     

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